DER STANDARD-Bericht: "Schreiben statt Computerspielen: Am Mittwoch ging der "Rimbaud-Preis" für junge Literaten an Christian Filips" - Erscheinungstag 27.4.2001 - (von Richard Reichensperger)

Wien (OTS) - Die Verleihung des Rimbaud-Preises 2001 am Mittwoch
im RadioKulturhaus stellte dem Beobachter auch die Frage nach der Sprache zwischen Generationen, die schnell etwas gönnerhaft wird: "Es geht nicht um die angejahrten Autoren. Wo sind die schreibenden Erstsemester?", fragte eröffnend Konrad Zobel, Literaturchef von Ö 1.

Die Texte der Preisträger waren besser. Aus 270 Einsendungen hatte eine fünfköpfige Jury vier Preisträger/innen in vier Kategorien gewählt. Der Hauptpreisträger dieses Jahres heißt Christian Filips, und es scheint eine sehr gute Wahl zu sein.

Das erkennt man schon an seiner souveränen Antwort auf die Frage des Moderators Martin Loew-Cadonna, wo die Halbgasse 8 aus seinem Gedicht denn liege. Darauf Filips: "Die gibt es, aber es hat keinerlei Bedeutung." Damit signalisiert er sofort: Seine komplexe, wendeltreppenartig sich durch Bildungs-Spiegelkabinette bewegende Lyrik ist nicht realistisch abbildend, sondern schafft einen eigenen und eigenständigen Sprach- Raum. Beckett und Celan nennt der Germanistikstudent als Leitbilder.

Erstaunlich auch: Obwohl bei dem vom Hauptsponsor Amadeus zusammen mit dem ORF, dem Standard und Hewlett-Packard veranstalteten Rimbaud-Preis so stark "Jugend" betont wird, setzen die besten Texte ganz andere Maßstäbe: Sie wirken in ihrer Reife von viel Älteren geschrieben. Sind es aber nicht.

Und so schön wie jugendlich-aufmüpfig auch, dass der Preisträger des Sonderpreises "für sprachlichen Wagemut", David Bydlinski, gleich gegen eine ORF-Inszenierung des Abends protestiert: Auf eine Leinwand waren Gedichtzeilen projiziert, "aber verstümmelt, und ich habe nie ein Gedicht mit dem Titel Cyberschamane geschrieben!" Und auf die -gerade im Zusammenhang mit Rimbaud, der in und aus seinem Leben mehrfach durchbrannte - etwas sanfte Frage des Moderators: "Was machst du in deinem Leben?" die Antwort: "Ich strebe nach Freiheit vom Leid." Und warum er schreibe? - "Das kann mir in meiner Dekadenz passieren, ein Luxus, wenn ich gerade nicht Computerspiele will. Aber ich glaub', ich werde es dann bald wieder lassen und lieber kleine Bildchen machen."

Viel Wagemut, auch in Bydlinskis lyrischen Kombinationen. Weitere Preisträger: Paul Ferstl für die Gesellschaftskritik seines Textes Myrmidonen und Cosima Hotzy für ihren Roman Highfische: "Ich begann damit vor zwei Jahren", sagte die Cosima aus Klagenfurt in ihren hellblauen Jeans, "eigentlich nur für meine beste Freundin. Es sind junge Leute, die aneinander vorbeischwimmen."

Und dann gab es noch den Publikumspreis, der nach der ersten Hälfte des Abends durch Stimmzettel vergeben werden konnte. Diese Wahl war aber nicht einfach, denn die fünfzehn vorgestellten Texte waren unglaublich divergent. Das schafft ein Problem, wie es Bertolt Brecht einst als Juror eines Lyrikwettbewerbes formulierte:

Extreme Vielfalt macht, ohne formale Fassbarkeit, jede Beurteilung eigentlich unmöglich. Ausgewählt wurde Lukas Kapeller für seine Prosa Ein Freund. Aber letztlich kam es, wie Jurymitglied Sandy Lang etwa zu Recht bemerkte, auch weniger darauf an, wer Preise bekommt. Sondern darauf, Kommunikation zu schaffen. Dafür waren auch die Voraufführungen in der Volkstheater-Spielbar und die Chats im Internet - u.a. mit Peter Turrini - ein gutes Podium.

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