"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Teuer statt epochal" (von Stefan Kappacher)

Ausgabe vom 19. 4. 2001¶

Innsbruck (OTS) - Das Kindergeld, ein freiheitliches Herzensanliegen, soll heute in allen Details der Öffentlichkeit präsentiert werden. Kanzler und Vizekanzlerin werden sich - man verzeihe den kindischen Vergleich - als stolze Eltern geben und den Spross über die Maßen loben.

Dem stehen düstere Ansichten von Seiten der Finanzexperten entgegen: "Das Kindergeld ist natürlich eine Belastung, die man nur sehr schwer abschätzen kann", sagte gestern der Vorsitzende des Staatsschuldenausschusses, Helmut Frisch. Er stellte gleichzeitig fest, dass die Regierung jetzt auf dem eben wieder bekräftigten Weg zum Nulldefizit 2002 keinerlei Spielraum mehr habe. Es darf nichts mehr passieren, sonst zerplatzt der süße Traum.

Wirtschaftspolitiker aus den Reihen der ÖVP haben diese kritische Haltung zuletzt im Wesentlichen bestätigt, sich gegen "Budgetgeschenke" gewandt und darauf verwiesen, dass man damit heute keine Wählerstimmen mehr kaufen könne. Dass die Geburtenrate durch das Kindergeld wesentlich angehoben wird, glauben ohnehin nur passionierte Familienpolitiker, denen angesichts des neuen Geldsegens eine gewisse Befangenheit anhaftet. Eines kann die Koalition nicht wegdiskutieren: Das Kindergeld ist ein Karenzgeld für alle mit Verbesserungen besonders beim Zuverdienst, aber es ist kein epochales Modell, das jungen Familien das Leben nun mit einem Schlag erleichtert.

Es könnte sich bald herausstellen, dass der Preis dafür doch ein bisschen zu hoch ist. Das Schlimme daran ist, dass auch jene in der ÖVP, die es gesehen haben und zum Besseren hätten wenden können, erst den Mund aufmachten, als es längst zu spät war.

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