- 18.04.2001, 18:28:40
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"Neue Zeit" Kommentar: "Reife" (von Günther Gruber)
Ausgabe vom 19. 4. 2001
Graz (OTS) - Die Nominierung des ersten Bundesrates der Grünen in
der Geschichte Österreichs ist ein weiterer Schritt dieser Partei zu
einem ernst zu nehmenden Machtfaktor. Genau so wie die FPÖ bei Wahlen
in der jüngeren Vergangenheit von einem Debakel in das nächste
geschlittert ist, können die Grünen einen Sieg nach dem anderen
bejubeln. Mittlerweile gibt es sogar schon Meinungsumfragen, die
Rot-Grün eine Mehrheit gegenüber Schwarz-Blau einräumen. Die Gründe
für diese Entwicklung sind vielfältig. In erster Linie ist Parteichef
Alexander Van der Bellen für die Performance verantwortlich. Nicht
nur, weil er ein ausgezeichneter Parlamentarier ist, der in der
Öffentlichkeit beste Sympathiewerte erzielt, sondern vor allem, weil
es ihm gelungen ist, endgültig eine Partei aus der
basisdemokratischen Ökologie und Protestbewegung zu machen. Zweitens,
nicht weniger wichtig, ist das Team der Grünen im Parlament. Sie
verfügen über Experten mit ganz unterschiedlichen Charakteren. Von
Karl Öllinger über Terezja Stoisits bis Peter Pilz. Drittens - als
Folge der ersten beiden Punkte - haben die Grünen heute jenes
Selbstbewusstsein, das notwendig ist, um auch ernsthaft den
Machtanspruch zu stellen.
Die Grünen sind reif, eine Regierungspartei zu werden. Ob sie auch
reif sind, eine zu sein, wird gegebenenfalls die Probe aufs Exempel
weisen. Ihre deutschen Kollegen haben damit große Probleme, wie die
jüngsten Wahlen zeigen.
Rückfragenhinweis: Neue Zeit, 0316/2808-306
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