"Neue Zeit" Kommentar: "Reife" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 19. 4. 2001

Graz (OTS) - Die Nominierung des ersten Bundesrates der Grünen in der Geschichte Österreichs ist ein weiterer Schritt dieser Partei zu einem ernst zu nehmenden Machtfaktor. Genau so wie die FPÖ bei Wahlen in der jüngeren Vergangenheit von einem Debakel in das nächste geschlittert ist, können die Grünen einen Sieg nach dem anderen bejubeln. Mittlerweile gibt es sogar schon Meinungsumfragen, die Rot-Grün eine Mehrheit gegenüber Schwarz-Blau einräumen. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. In erster Linie ist Parteichef Alexander Van der Bellen für die Performance verantwortlich. Nicht nur, weil er ein ausgezeichneter Parlamentarier ist, der in der Öffentlichkeit beste Sympathiewerte erzielt, sondern vor allem, weil es ihm gelungen ist, endgültig eine Partei aus der basisdemokratischen Ökologie und Protestbewegung zu machen. Zweitens, nicht weniger wichtig, ist das Team der Grünen im Parlament. Sie verfügen über Experten mit ganz unterschiedlichen Charakteren. Von Karl Öllinger über Terezja Stoisits bis Peter Pilz. Drittens - als Folge der ersten beiden Punkte - haben die Grünen heute jenes Selbstbewusstsein, das notwendig ist, um auch ernsthaft den Machtanspruch zu stellen.

Die Grünen sind reif, eine Regierungspartei zu werden. Ob sie auch reif sind, eine zu sein, wird gegebenenfalls die Probe aufs Exempel weisen. Ihre deutschen Kollegen haben damit große Probleme, wie die jüngsten Wahlen zeigen.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit, 0316/2808-306

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS