"profil": Kartei der Gestapo gefunden

Erkennungsdienst-Aufnahmen und Personsbeschreibungen Tausender in Wien Verhafteter

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, ist im Wiener Stadt- und Landesarchiv die vernichtet geglaubte Wiener Gestapo-Kartei aufgetaucht. Sie enthält genaue Personsbeschreibungen und Erkennungsdienst-Fotos von möglicherweise bis zu 12.000 Menschen, die der Gestapo Wien in die Hände gefallen sind.

Nach "profil"-Recherchen befinden sich unter den Karteikarten auch solche von erst 14-jährigen Verhafteten, denen staatsfeindliche Betätigung vorgeworfen wurden. Aber auch Registrierungskarten von später prominent gewordenen Gestapo-Häftlingen, wie jene des späteren Justizministers Christian Broda wurde nun entdeckt. Broda war 1943 wegen "Verdachts kommunistischer Betätigung" verhaftet worden, nachdem die Gestapo einem Widerstandskämpfer Brodas Namen herausgepresst hatte.

Wolfgang Neugebauer, Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes, erklärte gegenüber "profil", dass er die umfangreiche Kartei bereits vor 30 Jahren bei der Wiener Polizei und über das Innenministerium gesucht habe. Damals war die Existenz der sensiblen NS-Erkennungsdienst-Unterlagen bestritten worden. Laut Peter Csendes vom Wiener Stadt- und Landesarchiv wurden die Dokumente von der Polizeidirektion Wien 1975 dem Archiv übergeben und dort seither im Depot "verwahrt".

Die Karteikarten werden derzeit im Dokumentationsarchiv des Widerstandes erfasst und auf EDV gespeichert. Sie dokumentieren die Dimension des Gestapo-Terrors und enthalten auch exakte Angaben über die Verfolgungsgründe wie "staatsfeindliche Betätigung", verbotener Umgang mit Kriegsgefangenen, Homosexualität und Arbeitsvertragsbruch, der besonders NS-Zwangsarbeitern oft zum Verhängnis wurde.

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