Verzetnitsch: Arbeitsunfälle unter 100.000er Grenze drücken

Erstmals ArbeitspsychologInnen im Einsatz

Wien (ÖGB). "Wir wollen die jährlichen Arbeitsunfälle unter die 100.000er Grenze drücken. Nachdem der Stress im Arbeitsleben immer größer wird, sollen erstmals auch ArbeitspsychologInnen zum Einsatz kommen", erklärte ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, bei der die Sozialpartner das gemeinsame Ergebnis zur Reform des ArbeitnehmerInnenschutzes präsentierten.++++

Die Einigung im Bereich des ArbeitnehmerInnenschutzes sei vom gemeinsamen Willen getragen gewesen, mehr Sicherheit am Arbeitsplatz zu schaffen, die Bürokratie dort, wo sie nicht notwendig ist zurückzudrängen, sowie bei ArbeitnehmerInnen und Arbeitgebern ein verstärktes Bewusstsein für ArbeitnehmerInnenschutz zu schaffen, waren sich Verzetnitsch und Leitl einig. Verzetnitsch: "Von unseren Vorschlägen sind mehr als die Hälfte aller ArbeitnehmerInnen betroffen und wir tragen damit zu einer neuen Politikgestaltung in diesem Land bei."

In Zukunft sollen die Arbeitsinspektoren verstärkt Berater sein, ohne ihren Kontrollauftrag zu verlieren. Wörtlich heißt es dazu im Sozialpartnerpapier: "Die Arbeitsinspektion ist und bleibt eine Behörde mit Beratungs. Service- und Überwachungsauftrag. Die Arbeitsinspetoren sollen selbst entscheiden, ob sie ihre Kontrollen ankündigen. Dabei soll auf Erfolg und Zweck der beabsichtigten Kontrolle sowie auf betriebliche Erfordernisse Bedacht genommen werden."

Die sogenannten Mindesteinsatzzeiten der ArbeitsmedizinnerInnen und Sicherheitsfachkräfte werden in Zukunft Präventionszeit genannt. Dabei gibt es drei Abstufungen. An Arbeitsplätzen mit geringer Belastung wird die Präventionszeit 1,2 Stunden pro ArbeitnehmerIn und Jahr betragen - bisher zwischen 1,6 und 1,7 Stunden. Für alle anderen gelten 1,5 Stund - bisher ebenfalls zwischen 1,6 und 1,7 Stunden. Für ArbeitnehmerInnen an Nachtarbeitsplätzen gibt es einen Zeitzuschlag von 0,5 Stunden. Per Verordnung können an besonders gefährdeten Arbeitsplätzen höhere Präventivzeiten angeordnet werden.

Die Präventionszeit soll auch neu verteilt werden. Neben den ArbeitsmedizinerInnen und Sicherheitsfachkräften können in Zukunft in bis zu einem Viertel der Präventionszeit auch ArbeitspsychologInnen und andere ExpertInnen tätig werden. Verzetnitsch: "Es gibt immer mehr Belastungen, die nicht sichtbar sind. Der Stress im Arbeitsleben wird immer größer. Bereits ein Viertel der Neueintritte in die Berufsunfähigkeitspension sind stressbedingt. Daher ist der Einsatz von ArbeitspsychologInnen ein wichtiger Beitrag zu mehr Qualität."

Das Ziel sei, so der ÖGB-Präsident, dass es in Zukunft weniger als 100.000 Arbeitsunfälle pro Jahr gebe. Derzeit sind es rund 120.000. Verzetnitsch: "ZIEL der Gewerkschaften ist es, weniger Arbeitsunfälle zu haben und nicht mehr Strafzettel durch die Arbeitsinspektoren zu haben."(ff)

ÖGB, 29. März 2001
Nr. 254

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