• 22.03.2001, 11:15:22
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  • OTS0107 OTW0079

das diskursive museum - MAK-Symposium

Zeitraum: 27. März - 20. Mai 2001, Ort: MAK-Ausstellungshalle, Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien

Wien (OTS) - Im Rahmen des MAK-Symposiums "das diskursive
museum", das vom

27. März bis 20. Mai 2001 in den leeren Ausstellungshallen
stattfindet, setzen sich Theoretiker und Künstler in Vorträgen,
Dialoggesprächen und Roundtable-Diskussionen mit der Frage
auseinander, ob das Museum als Gedankengebäude begriffen werden kann,
das sich von anschaulichen und imaginären Inhalten emanzipiert. Das
Museum als Ort der Reflexion, ein Museum, das sich gegen die
bildsüchtige Zeit und die latenten Nivellierungsverdächtigungen - das
Beliebige, Artifizielle und Vergängliche - wendet, kann nicht zuletzt
auch als Antwort auf die gegenwärtig zwingenden strukturellen
Veränderungen gelesen werden. Das Museum als Ort der geistigen
Sammlung stellt eine Herausforderung dar, den Ort der Bilder mit dem
Ort der Rede neu zu figurieren und die daraus resultierende Identität
tauglich für die gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen zu
machen.

"das diskursive museum" ist ein hypothetisches Modell, in dem
Entfaltungspotenziale und Grenzen des Museums zur Sprache kommen
sollen. Bestimmte Grundannahmen und Paradigmen der aktuellen
Sammlungs- und Ausstellungskonzepte werden hinterfragt genauso wie
Vermittlungs- und Verwertungsformen, die sich an der
Unternehmensstrategie des Marktes und dessen Erfolgszwängen
orientieren. Die Bedeutung und Tragfähigkeit der
informationsgesättigten und medienbeherrschten Bildangebote werden
ebenso diskutiert wie die Kunst, auf die sich diese Realitätsmuster
auswirken. Statt identitätsstiftender Präsenz Verlust an Eigendynamik
zugunsten sekundärer Inhalte: Erfolgszahlen, Statussymbole. Dagegen
verspricht eine kritische Würdigung des hypothetischen Ansatzes eines
diskursiven Museums neue Impulse und Anstöße für ein Museum des 21.
Jahrhunderts.

Die gegenwärtige Situation lässt zunehmend grundverschiedene
Museumstypologien erkennen, deren Differenzierungsmerkmale
marktwirtschaftlich zu beschreiben sind. Kunstinstitutionen, die von
öffentlichen Geldern großteils oder völlig unabhängig sind und daher
mit der publikumsnahen Vermittlungs- und Vermarktungsstrategie ihrer
Ausstellungen große Besucherströme anziehen. Auf der anderen Seite
stehen Museen, die ganz andere Ziele und Interessen verfolgen und in
erster Linie Forschung, Bildung und Kunstproduktion ins Zentrum ihrer
Arbeit stellen. Die Entertainment-Institution, deren Produkt als
"Kunst light" nach allen Regeln der Marktwirtschaft vertrieben wird,
steht einem Ort der Kunst gegenüber, dessen Inhalte nur innerhalb
eines kritischen ästhetischen Kontextes erschlossen werden können.
Vor diesem Hintergrund ist auch die sich wandelnde Museumslandschaft
im Zuge der Privatisierung staatlicher Museen zu sehen, die die
Verantwortlichen mit ganz neuen Anforderungen und Erwartungshaltungen
konfrontiert, denen sie nur gerecht werden, wenn sie ihre Programme
reduzieren, Teile ihrer Sammlungen schließen oder mit Hilfe von
privaten Sponsoren, Institutionen und Marktstrategen eine dem
Zeitgeist nahe stehende Museumsarbeit forcieren. Vor der Gefahr, dass
dabei auch die traditionellen und konservatorischen Pflichten wie
Bildung, Kunstkennerschaft, Pflege des Museumsbestandes, Forschung
etc. zurücktreten und das Museum zum verlängerten Arm des Marktes
wird, warnen Kritiker und Museumsfachleute.

Zerstreuung vs. Konzentration

Die Tendenz zu globalen Museumsfusionen, erweiterten Sammlungen
und Großausstellungen zeigt, dass die Quantität - die Masse - sowohl
im Angebot als auch in der Nachfrage zum bestimmenden Faktor wird.
Darüber hinaus erzeugt die Masse einen Gleichmachereffekt, der
zersetzend ist für die Kunst. Das Museum wird zum Ort der Simulakren,
wo Künstlichkeit statt Kunst Einzug findet. Dagegen hilft ein
engagiertes kuratorisches Wagnis, das nur die Konzentration, die
geistige Sammlung, zum Ziele haben kann. Statt Huldigung der
kultischen Präsenz, die die Akteure und Teilnehmer in das
Kunstgeschehen einbezieht, ist ein neues Wahrnehmungsfeld gefragt,
das sich dem beliebigen, nivellierenden und selbstbezüglichen
Charakter der Eventkultur widersetzt.

Publikation

Im Anschluss an das MAK-Symposium wird eine Publikation
erscheinen, die alle Vorträge, Dialoggespräche und
Roundtable-Diskussionen wiedergeben wird. Die Autoren repräsentieren
eine Vielfalt von Disziplinen und Standpunkten zum aktuellen Thema
und geben einen Ausblick auf mögliche Museumsformen der Zukunft.

Programm
das diskursive museum
MAK-Symposium

Dienstag, 27. März 2001
19.00 Uhr Vortrag: Magdalena Jetelova, Künstlerin, Düsseldorf
McDonald's oder MAK?
Dialoggespräch: Magdalena Jetelova / Pavel Liska, Direktor Haus
der Kunst Brünn
Zur Pauperisierung der Fantasie

Dienstag, 3. April 2001
19.00 Uhr Vortrag: Bazon Brock, Bergische Universität Wuppertal
Gott und Müll - Museen sind Schöpfer der Zeit

Dienstag, 10. April 2001
19.00 Uhr Vortrag: Elisabeth Schweeger, künstlerische Leiterin des
Marstall München, design. Intendantin des Frankfurter
Schauspielhauses
Verkommene Ufer - Kunstmaterial
Von notwendigen Anachronismen wider die globale Infantilisierung
Dialoggespräch: Elisabeth Schweeger / Ernst Pöppel, Vorstand des
Instituts für medizinische Psychologie, München
Ein anachronistischer Dialog

Dienstag, 17. April 2001
19.00 Uhr Vortrag (in englischer Sprache): James Cuno, Direktor
der Harvard University Art Museums
Against Sensationalism: Art Museums and Intimacy at the Turn of
the 21st Century (Wider die Sensation: Kunstmuseen und Intimität
am Beginn des 21. Jahrhunderts)

Dienstag, 24. April 2001
19.00 Uhr Vortrag: Laszlo Földenyi, Eötvös-Universität, Budapest
Die Grenzenlosigkeit des Museums

Dienstag, 8. Mai 2001
19.00 Uhr Vortrag: Hans Belting, Hochschule für Gestaltung,
Karlsruhe
Das Museum als Medium

Dienstag, 15. Mai 2001
19.00 Uhr Vortrag: Peter Sloterdijk, design. Rektor der Hochschule
für Gestaltung, Karlsruhe
O. T.

Freitag, 18. Mai 2001
17.00 Uhr Vortrag (in englischer Sprache): Joshua Decter, Kurator
und Kritiker,
New York
Synergy Museum (Synergie-Museum)

18.00 Uhr Dialoggespräch (in englischer Sprache): Swetlana Heger,
Künstlerin, Wien / Plamen Dejanov, Künstler, Wien / Joshua Decter
The Mobile Collection: Heger & Dejanov’s Car Synergy (Die mobile
Sammlung: Die Autosynergie von Heger & Dejanov)

19.00 Uhr Roundtable-Diskussion:
Die unsichtbare Sammlung - Strategien der Zukunft
Gregor Eichinger, Architekt, Wien / Rainald Franz, MAK-Bibliothek
/ Peter Gorsen, Universität für angewandte Kunst, Wien / Angela
Völker, MAK-Kustodin für Textilien / Daniela Zyman, MAK-Chefkuratorin
/ Stella Rollig, Kritikerin und Kuratorin, Wien (Moderation)

Samstag, 19. Mai 2001
17.00 Uhr Dialoggespräch: Gerhard Merz, Künstler, Pescia, Berlin /
Herbert Molderings, Ruhr-Universität Bochum
Es bleibt dabei: Jede Störung der Lautlosigkeit, Zeitlosigkeit,
Reglosigkeit und Leblosigkeit eines wahren Museums ist respektlos

19.00 Uhr Roundtable-Diskussion (in Kooperation mit dem
WirtschaftsBlatt)
Kunst trifft Wirtschaft - Neue Wege im Sponsoring
Brigitte Kössner, Initiativen Wirtschaft für Kunst, Wien / Willy
Lehmann, Römerquelle, Wien / Franz Morak, Staatsekretär für Kultur
und Medien im BKA, Wien / Peter Noever, Direktor MAK Wien / Mario
Pregesbauer, Casinos Austria, Wien / Wolfgang M. Rosam, Direktor
der Agentur Publico, Wien / Christiane Zentgraf, BMW
KulturKommunikation, München / Peter Muzik, Chefredakteur
WirtschaftsBlatt, Wien (Moderation)

Sonntag, 20. Mai 2001
17.00 Uhr Dialoggespräch (in englischer Sprache): Vito Acconci,
Künstler, New York / Hans Ulrich Obrist, Kurator, Paris
Museums: The Mausoleum, the Laboratory, the Meditation-Chamber &
the Rave (Mausoleum, Laboratorium, Meditationszelle & Rave)

19.00 Uhr Roundtable-Diskussion (in englischer Sprache)
Art Institutions in Conflict between Monoculture and
Cosmopolitanism (Kunstinstitutionen im Spannungsfeld zwischen
Monokultur und Weltoffenheit)
Marina Abramovic, Künsterin, Amsterdam / Lynne Cooke, Kurator Dia
Center for the Arts, New York / Boris Groys, Rektor der Akademie
der bildenden Künste / Zaha M. Hadid, Architektin, London / Viktor
Misiano, Kurator und Kritiker, Moskau / Peter Noever, Direktor MAK
Wien / Peter Weibel, Künstler, Vorstand des ZKM, Karlsruhe /
Herbert Muschamp, Architekturkritiker der New York Times, New York
(Moderation)

Pressedaten
das diskursive museum
MAK-Symposium

Zeitraum: 27. März - 20. Mai 2001
Ort: MAK-Ausstellungshalle
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst
Weiskirchnerstr. 3, A-1010 Wien
Wissenschaftliche Leitung:
Peter Noever, Regina Haslinger
Projektleitung: Martina Kandeler-Fritsch
MAK-Öffnungszeiten: Di (MAK NITE) 10.00 - 24.00 Uhr,
Mi -S o 10.00 - 18.00 Uhr, Mo geschlossen
Kartenverkauf: Eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn
MAK-Kassa Weiskirchnerstraße
Keine Reservierungen
Eintritt: ATS 90.- / Euro 6,54
ermäßigter Eintritt für Studenten:
ATS 45,- / Euro 3,27
Freier Eintritt für Mitglieder der MARS
MAK-Hotline: (+43-1) 712 80 00

Presse: MAK Dorothea Apovnik, Martina Wachter
Tel. (+43-1) 711 36-233, 212
Fax (+43-1) 711 36-227
E-Mail: [email protected]
www.MAK.at

Rückfragehinweis: MAK Presse / Press Relations
Dorothea Apovnik, Martina Wachter
Stubenring 5, A-1010 Vienna
Tel.: (+43) 1-71136 233 212
Fax: (+43) 1-71136 227
mailto:[email protected]
mailto:[email protected]
http://www.mak.at/

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