Brauner: Wien ist bei Gewaltschutz vorbildlich

Eröffnung der europäischen Informationsstelle gegen Gewalt in Wien

Wien, (OTS) "Gewalt in der Familie kommt in allen Ländern und in allen sozialen Schichten vor. Mag häusliche Gewalt auch hinter verschlossenen Türen ausgeübt werden, sie ist eindeutig ein Problem der gesamten Gesellschaft", unterstrich Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner bei einer Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der europäischen Informationsstelle gegen Gewalt in Wien. Europäische Statistiken belegen, dass in der EU eine von fünf Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch ihren männlichen Partner wird; diese Zahlen gelten auch für Österreich. In 25 Prozent aller gemeldeten Gewaltverbrechen greift ein Mann seine Frau oder Partnerin tätlich an. Jedes Jahr verlassen Tausende von Frauen und Kindern ihr Heim, weil sie Opfer von Missbrauch wurden.****

Gewalt gegen Frauen und Kinder ist kein Kavaliersdelikt

"Gewalt ist auch keine Privatsache, sondern ein gesellschaftliches Problem, das alle angeht", betonte Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner. Rund 90 Prozent aller Gewalttaten werden in der Familie verübt. Ein wichtiger Pfeiler im Kampf gegen familiäre Gewalt sei daher ein dichtes Netz an Einrichtungen, die in Akutsituationen rund um die Uhr erreichbar sind. Die Erfahrungen seit Inkrafttreten des "Gewaltschutzgesetzes" im Mai 1997 zeigen, dass Gewaltopfern am effizientesten geholfen werden kann, wenn die Kooperation zwischen den einzelnen Institutionen gut funktioniert und die Informationen gebündelt sind. Ziel muss daher die bestmögliche Vernetzung aller Institutionen, wie Polizei, Frauenhäusern, Frauennotruf, Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie und Spitälern sein. Das heißt, dass neben den bereits zum Standard zählenden Schulungen von PolizistInnen in Sachen familiärer Gewalt weitere Maßnahmen gesetzt werden müssen, um die gute Zusammenarbeit weiter zu verbessern.

Mehrjährige Absicherung von Anti-Gewalt-Einrichtungen - Heftige Kritik an der Bundesregierung

Das Wichtigste im Bereich der Anti-Gewalt-Arbeit, ist die Kontinuität. Frauenstadträtin Brauner kündigte daher Mehr-Jahres-Verträge für Einrichtungen im Anti-Gewalt- Bereich an. "Die Stadt Wien legt damit ein klares Bekenntnis gegen Gewalt in der Familie ab. Wir stehen auf Seite der Opfer und wollen die bestmögliche Unterstützung und Hilfe anbieten." Besonders scharfe Kritik übte Brauner in diesem Zusammenhang an der Vorgehensweise der Bundesregierung. Wie im Rahmen der Pressekonferenz berichtet wurde, fehlt der einzigen österreichweiten Helpline gegen Gewalt an Frauen und Kindern über eine Million Schilling an Subventionen. Zudem habe die Einrichtung bislang für das heurige Jahr nur 300.000 Schilling überwiesen bekommen. "Bei Opfern von Gewalt zu sparen, ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit", empörte sich Brauner heftig.

Wiener Gewaltschutzsystem europaweit vorbildhaft

Seit vier Jahren gibt es in Wien zudem einen 24-Stunden-Frauennotruf, der vollständig von der Gemeinde Wien finanziert wird, und kostenlose Beratung und Betreuung für Frauen, die Opfer familiärer Gewalt wurden, bietet. Darüber hinaus entsteht gerade das vierte Frauenhaus - damit entspricht Wien den europäischen Vorgaben, wonach pro 10.000 EinwohnerInnen ein Platz in einem Frauenhaus angeboten werden soll. Wien hat somit österreichweit die höchste Dichte an Frauenhäusern. Außerdem gilt seit drei Jahren das so genannte Gewaltschutzgesetz, eine bundesweite Regelung, die vorgibt, dass nicht mehr das Opfer sondern der Täter im Fall von Gewaltausübung in der Familie den gemeinsamen Wohnraum verlassen muss.

Dieses Gesetz sieht zudem eine Reihe von weiteren Maßnahmen zum Schutz der Frauen und Kinder vor - unter anderem wurden Interventionsstellen eingerichtet, die eine optimale Vernetzung von Hilfseinrichtungen, der Polizei und der Justiz vorsehen.

Gewaltschutzgesetzes zeigt große Erfolge in Wien - Tötungsdelikte in der Familie um ein Drittel gesunken!

Das seit Mai 1997 gültige Gewaltschutzgesetz zeigt vor allem bei den Betretungsverboten einen signifikanten Anstieg:

Jahr bundesweit in Wien
1998 2.673 494
1999 3.076 723
2000 3.364 960

Als "besonders erfreulich" bezeichnete Brauner den Rückgang der Tötungsdelikte: "Innerhalb von 3 Jahren nach In-Kraft-Treten des Gesetzes ist in Wien die Zahl der Opfer vorsätzlicher Tötungsdelikte um ein Drittel zurückgegangen", zitierte die Stadträtin aus Polizeistatistiken. "Dies ist als klarer Erfolg des Gewaltschutzgesetzes in Wien zu werten!", so Brauner weiter. Zudem hab die gute Zusammenarbeit von Opferschutzeinrichtungen, im Besonderen natürlich der Interventionsstelle und der Wiener Polizei, bewirkt, dass gerade in Wien das Gewaltschutzgesetz diesen wirklich bemerkenswerten Erfolg aufzuweisen hat.

"Damit dieser Trend weiter geführt werden kann, ist es einerseits wichtig, Opferschutzeinrichtungen finanziell abzusichern und nicht durch Sparmaßnahmen zu bedrohen und andererseits keine Personaleinsparungen bei der Exekutive vorzunehmen. Sonst ist so eine erfolgreiche Arbeit nicht durchführbar" unterstrich Brauner. Abschließend richtete Brauner daher einen dringlichen Appell an die Bundesregierung: "Sparen bei der Sicherheit von Frauen und Kindern geht auf Kosten von Leben. Der Rückgang der Tötungsdelikte zeigt deutlich: Gewaltschutz kann Leben retten!" (Schluss) kat

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Sonja Kato
Tel.: 4000/81 840 oder 0664/2209131
e-mail: kat@gif.magwien.gv.at

PID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK