- 14.03.2001, 12:57:50
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AK: Statt Bahn zu zerschlagen, Bahn ausbauen
Spaltungspläne der Regierung gefährden Sicherheit und Arbeitsplätze
Wien (OTS) - Die AK bekräftigt ihre Kritik an
Infrastrukturministerin Forstinger, die ÖBB zu zerschlagen:
Mehrkosten von jährlich rund 1,5 Milliarden Schilling würden
entstehen, was zu Lasten der Bahn-Beschäftigten, Steuerzahler und
Bahn-Pendler ginge. Die weltweit erfolgreichsten Unternehmen - wie in
den USA und Japan - sind integrierte Unternehmen. Bei den britischen
Bahnen, wo die Trennung zwischen Infrastruktur und Absatz bereits vor
Jahren erfolgte, gibt es Verschlechterungen: Die staatlichen
Zuschüsse haben sich verdoppelt statt verringert, die Fahrpeise
wurden teurer, die Bahnkunden müssen Zugverspätungen und ein
schlechteres Service hinnehmen, es gab wiederholt schwere
Bahnunfälle. Statt die Bahn zu spalten, soll Ministerin Forstinger
endlich ein Gesamtkonzept zur Finanzierung eines modernen und
leistungsfähigen Schienenetzes entwickeln. Es ist jetzt wichtig, in
die Bahn zu investieren, um im Wettbewerb bestehen zu können. Daher
muss die Finanzierung der Eisenbahninfrastruktur sichergestellt und
die Mittel für die Infrastruktur aufgestockt werden. Darüber hinaus
muss es zu Verbesserungen im Personenverkehr kommen. ****
Die AK lehnt erneut die von Infrastrukturministerin Forstinger
geplante Aufspaltung der Bahn strikt ab. Der diskriminierungsfreie
Trassenzugang ist in Österreich durch den unabhängigen Rail-Regulator
- der mit umfangreichen Marktbeobachtungs- und Kontrollrechten
ausgestattet ist - eindeutig gewährleistet. Der freie Wettbewerb
erfordert daher keiensfalls eine Zerschlagung der Bahn. Eine Trennung
der Unternehmensbereiche Infrastruktur und Absatz ist nicht wirklich
effizient, da es zwangsläufig zu höheren Kosten für die
Bahn-Beschäftigten und -Pendler sowie Steuerzahler kommen würde. Bei
einer Trennung gäbe es Synergieverluste in nahezu sämtlichen
Bereichen des Unternehmens und daher müssten Mehrkosten von jährlich
rund 1,5 Milliarden Schilling aufgebracht werden.
Britische Bahnen als warnendes Beispiel
Bei den britischen Bahnen erfolgte die Trennung zwischen dem
Infrastruktur- und Absatzbereich bereits vor Jahren. Im Vergleich zur
integrierten Österreichischen Bundesbahn schneiden die britischen
Bahnen schlecht ab: So werden in Großbritannien pro Jahr über jedes
Trassenstück im Schnitt 1 Million Tonnenkilometer transportiert, in
Österreich hingegen sind es noch 2,5 Millionen Tonnenkilometer. Die
staatlichen Zuschüsse haben sich in Großbritannien nicht verringert,
sondern nahezu verdoppelt. Die Abstimmung der Schienenleit- und
Sicherungssysteme stimmt nicht, die Bahnkunden zahlen die teuersten
Fahrpreise innerhalb der EU, es gibt Zugverspätungen und das Service
hat sich verschlechtert. Auch die schweren Unfälle in den letzten
Jahren geben ein trauriges Zeugnis darüber, dass durch die
Zerschlagung der Bahn die unterschiedlichen Bereiche nicht
zusammenspielen.
Soziale und technische Anpassung vorantreiben
Die Schwierigkeiten der Bahnen im grenzüberschreitenden Verkehr
wie das Umspannen von Lokomotiven können durch ein Aufspalten der
Bahn jedenfalls nicht beseitigt werden, so die AK. Sollen hier
tatsächlich Fortschritte erzielt werden, wäre die Ministerin
aufgefordert, endlich auf europäischer Ebene die soziale und
technische Harmonisierung voranzutreiben statt die Bahn durch ein
Aufspalten weiter zu schwächen.
USA und Japan: Mit integrierten Bahnunternehmen weltweit führend
In den USA und Japan wurde frühzeitig erkannt, dass ein Aufspalten
der Bahn zu enormen Reibungsverlusten führt. Nicht zuletzt auf Grund
der Organisationsform sind diese integrierten Eisenbahnunternehmen
weltweit am erfolgreichsten.
Statt Aufspaltung Gesamtkonzept für Bahnausbau
Statt die Bahn zu zerschlagen, soll daher Infrastrukturministerin
Forstinger endlich ein Gesamtkonzept entwickeln, das die Finanzierung
eines modernen und leistungsfähigen Schienennetzes garantiert,
verlangt die AK: Die Regierung muss die Finanzierung der
Eisenbahninfrastruktur sicherstellen und die Mittel für die
Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Schig) aufstocken. Bislang ist
Ministerin Forstinger eine langfristige Lösung schuldig geblieben,
kritisiert die AK.
Verbesserungen für ÖBB-Kunden
Die AK fordert außerdem Verbesserungen im Personenverkehr der
Bahn. Nur wenn die Wünsche der Kunden nachhaltig berücksichtigt
werden, ist ein starker und attraktiver öffentlicher Verkehr möglich.
Daher müssen Service, Komfort und Informationspolitik sowie die
Abstimmung der öffentlichen Verkehrsmittel verbessert werden.
Darüber hinaus fordert die AK ein kundenfreundliches Konzept für
die Nebenbahnen. Die von der ÖBB angekündigten "Buslösungen und
Sammeltaxis" für die ab dem Sommerfahrplan eingestellten Nebenbahnen,
dürfen für die ÖBB-Kunden aber auf keinen Fall teurer werden, und das
Fahrplanangebot darf sich nicht verschlechtern, verlangt die AK. Die
ÖBB darf sich nicht aus den Nebenbahnen zurückziehen - Bund, Länder
und Gemeinden müssen gemeinsam die Finanzierung sicherstellen.
Rückfragehinweis: AK Wien Presse
Tel.: (01) 501 65-0
email: [email protected]
www.akwien.at
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