Institut "Sicher Leben": Jährlich sterben rund 80.000 Menschen in Europa bei Heim- und Freizeitunfällen

Unter dem Thema "The Challenges of Consumer Safety in New Europe" findet vom 15. bis 16. März die "3rd European Convention in Injury Prevention and Safety Promotion" in Wien statt - Ziel ist es, KonsumentInnen mit Hilfe neuer und wirksamerer Mechanismen vor gefährlichen Produkten und mangelhaften Dienstleistungen zu schützen

Wien (OTS) - In der Europäischen Union sterben jährlich rund 130.000 Menschen an Unfällen; davon etwa 60% (oder 80.000) zu Hause oder in der Freizeit. Im Vergleich zu den umfassenden Programmen für die Sicherheit am Arbeitsplatz oder im Verkehr wird die Sicherheit der KonsumentInnen vernachlässigt. Wie dieses Versäumnis an der Gesundheit der Kinder, Hausfrauen und Senioren wieder gutgemacht werden kann, berät derzeit eine internationale Konferenz in Wien.

Die "3rd European Convention in Injury Prevention and Safety Promotion" findet unter dem Thema "The Challenges of Consumer Safety in New Europe" statt. Veranstalter der Konferenz sind die "European Consumer Safety Association" (ECOSA), das österreichische Institut "Sicher Leben" in Zusammenarbeit mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und dem Büro für Konsumentenfragen im Justizministerium, unter Sponsoring von Johnson & Johnson und des TÜV Österreich.

Rund 150 hochrangige Vertreter der Europäischen Kommission, der nationalen Verwaltungen, Experten von Forschungseinrichtungen, Versicherungen und Sicherheitsagenturen sowie Produzenten beraten, wie die europäischen Bürger besser vor Unfällen im Alltag geschützt werden können. "Die Erweiterung der Union und der gemeinsame Markt brauchen neue und wirksamere Mechanismen, um die Menschen vor gefährlichen Produkten und mangelhaften Dienstleistungen zu schützen," so Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher Leben".

Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher Leben", zum Konsumentenschutz

"Wie brisant Fehler beim Konsumentenschutz für die Union sind, hat die BSE-Krise gezeigt. Die Sicherheit von Kindern, Hausfrauen und Senioren wird nicht nur von der Union, sondern leider auch in Österreich vernachlässigt", kritisiert Dr. Kisser. "Ein Grund ist, daß die Betroffenen über keine mächtigen Lobbies verfügen. Ein anderer, daß die meisten privaten Unfälle bei täglichen Handlungen und mit alltäglichen Produkten passieren, vor denen sich niemand fürchtet. Anders als am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr glauben die meisten Menschen, daß die Unfallopfer an ihrem Unfall selbst schuld seien." Dabei könnten rund 1/4 bis 1/3 der Unfälle leicht verhindert werden: z.B. durch bessere Produkte, ordentliche Wartung, klare Gebrauchsanleitungen, barrierefreies Bauen und Sicherheitserziehung

Dr. Josef Probst: Unfälle bedeuten nicht nur Schmerzen und Leid für die Betroffenen, sie verursachen auch Kosten in Milliardenhöhen

"In Österreich sterben rund 1.400 Menschen an Unfällen im Privatbereich; etwa 600.000 Menschen werden verletzt. Acht Prozent aller Behandlungstage in den Spitälern entfallen auf Unfälle zu Hause, in der Freizeit und beim Sport. Diese Unfälle erfordern rund 1,3 Mio. Spitalstage jährlich. Allein die Krankenkassen müssen für die Behandlung dieser Unfälle jährlich rund ATS 3,5 Mrd. (Euro 250 Mio.) aufwenden," rechnet Generaldirektor-Stellvertreter Dr. Josef Probst vor. "Die Unfallverhütung ist die humanste Form der Einsparung, weil nicht nur Kosten, sondern gleichzeitig Schmerzen und Leid verringert werden. Gerade in Zeiten, in denen jeder Schilling vor dem Ausgeben zweimal umgedreht werden muß, darf nicht an der Prävention gespart werden." Unfallverhütung ist aber nicht Aufgabe der Sozialversicherung alleine, sondern auch Aufgabe der Länder, des Bundes und der EU. Entsprechende Aktivitäten müssen intensiviert und besser koordiniert werden. Die Arbeit wird durch gute Dokumentation des Unfallgeschehens und Statistiken, der Förderung einschlägiger Forschung und den Informationsaustausch mit Partnern im In- und Ausland erleichtert.

Dr. Wim Rogmans, Generalsekretär der ECOSA

"Die Mitgliedsstaaten haben mit dem Vertrag von Maastricht Befugnisse für die Produktsicherheit an die Union abgetreten und fühlen sich nicht mehr hauptverantwortlich. Die Union nützt aber ihre Befugnisse bisher nur mangelhaft. Dadurch entsteht eine für die Konsumenten gefährliche Lücke", stellt Dr. Wim Rogmans, Generalsekretär der ECOSA, fest. Die ECOSA hat ein "White Book" erarbeitet, in dem die Mängel festgestellt und erforderliche Maßnahmen aufgezeigt werden.

Im "White Book" werden gefordert

- Eine europaweite Unfallstatistik und ein effizientes Informationssystem über produktbezogene Unfälle, um gefährliche Produkte rasch vom Markt nehmen zu können (wie es etwa in den USA existiert).

- Ausbau des CE-Zeichens zu einem für alle Produkte verpflichtenden Sicherheitszeichen (derzeit ist das CE-Zeichen eine unüberprüfte Deklaration des Produzenten, daß sein Produkt bestehenden Normen entspricht, die aber nur bei einigen Produktgruppen verlangt wird).

- Bei Verletzungen durch Produktschäden sollen die Konsumenten einen leichteren Zugang zu ihrem Recht bekommen (z.B. durch Zusammenarbeit mit den Sozialversicherungen, die die Behandlungskosten tragen).

- Die Forschung über Unfallursachen und Abhilfen soll gefördert und der Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten sichergestellt werden.

- Die Mitgliedsländer sollen - in Abstimmung mit der Union -nationale Unfallverhütungsprogramme in Kraft setzen, um für alle Europäer die gleiche Sicherheit zu erreichen (derzeit ist etwa das Unfallrisiko für österreichische Kinder doppelt so groß wie das für schwedische Kinder).

- Forderung nach einer Europäischen Agentur für die Sicherheit der Konsumenten (ähnliche Einrichtungen für die Sicherheit von Nahrungsmitteln oder die Sicherheit am Arbeitsplatz haben sich gut bewährt).

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