- 14.03.2001, 12:30:45
- /
- OTS0160
Institut "Sicher Leben": Jährlich sterben rund 80.000 Menschen in Europa bei Heim- und Freizeitunfällen
Unter dem Thema "The Challenges of Consumer Safety in New Europe" findet vom 15. bis 16. März die "3rd European Convention in Injury Prevention and Safety Promotion" in Wien statt - Ziel ist es, KonsumentInnen mit Hilfe neuer und wirksamerer Mechanismen vor gefährlichen Produkten und mangelhaften Dienstleistungen zu schützen
Wien (OTS) - In der Europäischen Union sterben jährlich rund
130.000 Menschen an Unfällen; davon etwa 60% (oder 80.000) zu Hause
oder in der Freizeit. Im Vergleich zu den umfassenden Programmen für
die Sicherheit am Arbeitsplatz oder im Verkehr wird die Sicherheit
der KonsumentInnen vernachlässigt. Wie dieses Versäumnis an der
Gesundheit der Kinder, Hausfrauen und Senioren wieder gutgemacht
werden kann, berät derzeit eine internationale Konferenz in Wien.
Die "3rd European Convention in Injury Prevention and Safety
Promotion" findet unter dem Thema "The Challenges of Consumer Safety
in New Europe" statt. Veranstalter der Konferenz sind die "European
Consumer Safety Association" (ECOSA), das österreichische Institut
"Sicher Leben" in Zusammenarbeit mit dem Hauptverband der
österreichischen Sozialversicherungsträger und dem Büro für
Konsumentenfragen im Justizministerium, unter Sponsoring von Johnson
& Johnson und des TÜV Österreich.
Rund 150 hochrangige Vertreter der Europäischen Kommission, der
nationalen Verwaltungen, Experten von Forschungseinrichtungen,
Versicherungen und Sicherheitsagenturen sowie Produzenten beraten,
wie die europäischen Bürger besser vor Unfällen im Alltag geschützt
werden können. "Die Erweiterung der Union und der gemeinsame Markt
brauchen neue und wirksamere Mechanismen, um die Menschen vor
gefährlichen Produkten und mangelhaften Dienstleistungen zu
schützen," so Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher
Leben".
Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher Leben", zum
Konsumentenschutz
"Wie brisant Fehler beim Konsumentenschutz für die Union sind, hat
die BSE-Krise gezeigt. Die Sicherheit von Kindern, Hausfrauen und
Senioren wird nicht nur von der Union, sondern leider auch in
Österreich vernachlässigt", kritisiert Dr. Kisser. "Ein Grund ist,
daß die Betroffenen über keine mächtigen Lobbies verfügen. Ein
anderer, daß die meisten privaten Unfälle bei täglichen Handlungen
und mit alltäglichen Produkten passieren, vor denen sich niemand
fürchtet. Anders als am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr glauben
die meisten Menschen, daß die Unfallopfer an ihrem Unfall selbst
schuld seien." Dabei könnten rund 1/4 bis 1/3 der Unfälle leicht
verhindert werden: z.B. durch bessere Produkte, ordentliche Wartung,
klare Gebrauchsanleitungen, barrierefreies Bauen und
Sicherheitserziehung
Dr. Josef Probst: Unfälle bedeuten nicht nur Schmerzen und Leid
für die Betroffenen, sie verursachen auch Kosten in Milliardenhöhen
"In Österreich sterben rund 1.400 Menschen an Unfällen im
Privatbereich; etwa 600.000 Menschen werden verletzt. Acht Prozent
aller Behandlungstage in den Spitälern entfallen auf Unfälle zu
Hause, in der Freizeit und beim Sport. Diese Unfälle erfordern rund
1,3 Mio. Spitalstage jährlich. Allein die Krankenkassen müssen für
die Behandlung dieser Unfälle jährlich rund ATS 3,5 Mrd. (Euro 250
Mio.) aufwenden," rechnet Generaldirektor-Stellvertreter Dr. Josef
Probst vor. "Die Unfallverhütung ist die humanste Form der
Einsparung, weil nicht nur Kosten, sondern gleichzeitig Schmerzen und
Leid verringert werden. Gerade in Zeiten, in denen jeder Schilling
vor dem Ausgeben zweimal umgedreht werden muß, darf nicht an der
Prävention gespart werden." Unfallverhütung ist aber nicht Aufgabe
der Sozialversicherung alleine, sondern auch Aufgabe der Länder, des
Bundes und der EU. Entsprechende Aktivitäten müssen intensiviert und
besser koordiniert werden. Die Arbeit wird durch gute Dokumentation
des Unfallgeschehens und Statistiken, der Förderung einschlägiger
Forschung und den Informationsaustausch mit Partnern im In- und
Ausland erleichtert.
Dr. Wim Rogmans, Generalsekretär der ECOSA
"Die Mitgliedsstaaten haben mit dem Vertrag von Maastricht
Befugnisse für die Produktsicherheit an die Union abgetreten und
fühlen sich nicht mehr hauptverantwortlich. Die Union nützt aber ihre
Befugnisse bisher nur mangelhaft. Dadurch entsteht eine für die
Konsumenten gefährliche Lücke", stellt Dr. Wim Rogmans,
Generalsekretär der ECOSA, fest. Die ECOSA hat ein "White Book"
erarbeitet, in dem die Mängel festgestellt und erforderliche
Maßnahmen aufgezeigt werden.
Im "White Book" werden gefordert
- Eine europaweite Unfallstatistik und ein effizientes
Informationssystem über produktbezogene Unfälle, um gefährliche
Produkte rasch vom Markt nehmen zu können (wie es etwa in den USA
existiert).
- Ausbau des CE-Zeichens zu einem für alle Produkte
verpflichtenden Sicherheitszeichen (derzeit ist das CE-Zeichen eine
unüberprüfte Deklaration des Produzenten, daß sein Produkt
bestehenden Normen entspricht, die aber nur bei einigen
Produktgruppen verlangt wird).
- Bei Verletzungen durch Produktschäden sollen die Konsumenten
einen leichteren Zugang zu ihrem Recht bekommen (z.B. durch
Zusammenarbeit mit den Sozialversicherungen, die die
Behandlungskosten tragen).
- Die Forschung über Unfallursachen und Abhilfen soll gefördert
und der Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten
sichergestellt werden.
- Die Mitgliedsländer sollen - in Abstimmung mit der Union -
nationale Unfallverhütungsprogramme in Kraft setzen, um für alle
Europäer die gleiche Sicherheit zu erreichen (derzeit ist etwa das
Unfallrisiko für österreichische Kinder doppelt so groß wie das für
schwedische Kinder).
- Forderung nach einer Europäischen Agentur für die Sicherheit der
Konsumenten (ähnliche Einrichtungen für die Sicherheit von
Nahrungsmitteln oder die Sicherheit am Arbeitsplatz haben sich gut
bewährt).
Rückfragehinweis: Institut Sicher Leben
Tel: 71770 - 161
Pressestelle
Mag. Tamara Blaschek
*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER
VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | KFV/OTS






