- 14.03.2001, 12:10:14
- /
- OTS0149
Über 150 Verkehrsexperten aus Europa setzen auf die Schiene
Zukünftige Perspektiven der Eisenbahn in Österreich
Wien (OTS) - Über 150 Experten aus ganz Europa diskutieren auf
Einladung der ÖBB und des Fachverbandes Schienenbahnen der
Wirtschaftskammer Österreich über die zukünftigen Perspektiven der
Eisenbahn in Österreich. Gemeinsam mit Bundesministerin Monika
Forstinger und ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler welcher auch
Vorstand des Fachverbandes der Schienenbahnen in der
Wirtschaftskammer ist, stehen Christian Helmenstein vom Institut für
Höhere Studien (IHS) in Wien, Wolfgang Rauh vom Verkehrsclub
Österreich (VCÖ) und Markus Maibach vom Beratungsunternehmen INFRAS
den Teilnehmern des Symposiums aus Verkehr, Wirtschaft, Wissenschaft
und Politik Rede und Antwort.
Straße ist vier mal teurer als die Schiene
Externe Kosten im Verkehrsbereich belasten die Allgemeinheit und
führen dazu, dass der Verkehr zu billig ist. Hohe Lärmbelastungen,
Gesundheits- und Materialschäden sowie Beeinträchtigungen von Natur
und Landschaft sind die Folge davon. Eine neue Studie des
Welteisenbahnverbandes UIC hat dies Kosten nun für alle
westeuropäischen Länder ermittelt.
Die externen Unfall- und Umweltkosten belaufen sich 1995 auf
insgesamt 530 Mrd. Euro (7.293 Mrd. ATS), also 7,8% des BIP. 92% der
Kosten fallen beim Straßenverkehr an, während die Schiene mit 2% nur
einen verhältnismäßig geringen Anteil aufweist.
Die Kosten pro Kilometer sind im Straßenverkehr viermal höher als
bei der Schiene. Eine verursachergerechte Anlastung dieser Kosten
würde also vor allem den Straßenverkehr verteuern und die
Wettbewerbsfähigkeit der Schiene verbessern.
Jeder 4. Schilling wird für Verkehr ausgegeben
Ein Viertel der Wirtschaftsleistung - das sind 47 Mrd. Euro (647
Mrd. ATS) pro Jahr - ist in Österreich alleine für den Personen- und
Güterverkehr notwendig. "In Österreich muss schon jeder 4. Schilling
für den Verkehr ausgegeben werden und dazu kommen noch
Milliardenwerte in Form von Umwelt- und Gesundheitsschäden sowie
private Reisezeit", erläutert Wolfgang Rauh vom Verkehrsclub
Österreich (VCÖ).
Die durch den Verkehr entstehenden Kosten sollen sich im Preis
wiederfinden
Der VCÖ ortet ein großes Einsparungspotenzial im Verkehrsbereich.
Der Schlüssel zum Erfolg ist der Abbau von Regulierungen und
Subventionen bei allen Verkehrsarten sowie die Internalisierung
externer Kosten von Unfällen und der Umweltbelastung des Verkehrs.
Das heißt, die durch den Verkehr entstehenden Kosten sollen sich im
Preis wiederfinden. "Internalisierung hat wenig mit der Erhöhung von
Benzinpreisen zu tun", warnt VCÖ-Experte Rauh vor vorschnellen
Schlüssen. Vielmehr gilt es, auch im Verkehrsbereich, die Mechanismen
des Marktes wirken zu lassen und bestehende Marktverzerrungen
abzubauen. Effiziente Marktverhältnisse im Verkehrssektor würden
höhere Wirtschaftsleistung, Konkurrenzfähigkeit und Beschäftigung
bringen, zudem würden sie laut den Untersuchungen des VCÖ dem
öffentlichen Personenverkehr und dem Schienen-Güterverkehr wesentlich
verbesserte Marktchancen eröffnen.
Rücknahme der Abgeltungen des Bundes stärken die Straße und führen
zu Schließung von Bahnstrecken
Die österreichischen Schienenverkehrsunternehmungen sind dazu
verpflichtet, gemeinwirtschaftliche Leistungen zu erbringen. Die
Kosten hierfür werden den Bahnen vom Bund teilweise abgegolten. Das
Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien untersuchte für zwölf
Schienenverkehrsunternehmungen und insgesamt 16 Nahverkehrsstrecken,
ob und inwieweit die Erbringung gemeinwirtschaftlicher Leistungen
bzw. deren Abgeltung die Effizienz der Leistungserbringung
beeinflusst.
Es zeigt sich, dass die Erbringung gemeinwirtschaftlicher
Leistungen die durchschnittliche Effizienz bei den untersuchten
Unternehmungen zwischen 6% und 8% erhöht. Absenkungen der Abgeltungen
des Bundes für gemeinwirtschaftliche Leistungen hätten drei mögliche
Konsequenzen:
- sie führen zu Streckenschließungen, und/oder
- sie bewirken eine Verlagerung der fiskalischen Wirkungen auf die
Ebene der nachgeordneten Gebietskörperschaften und/oder
- sie erhöhen die Nutzung des Verkehrsträgers Straße zu Lasten der
Schiene mit einer entsprechenden Ausweitung der Umweltbelastung und
Erhöhung der Staukosten.
Ausbau der Schiene bringt höheren gesamtwirtschaftlichen Nutzen
als bei der Straße
Im Mittelpunkt einer weiteren IHS-Studie steht eine Untersuchung
zu den produktivitätssteigernden Effekten von Verkehrsinfrastruktur.
Die öffentlichen Verkehrsinfrastrukturinvestitionen in Österreich,
als Prozentanteil des BIP gemessen, waren während der letzten beiden
Dekaden im Aggregat deutlich rückläufig. Dadurch hat auch der
Kapitalstock relativ zum BIP abgenommen.
In Einklang mit internationalen Studien weist das IHS nach, dass
Investitionen in die österreichische Verkehrsinfrastruktur einen
signifikant kostensenkenden/produktivitäts-steigernden Effekt haben.
Dieser liegt für Investitionen in die Schieneninfrastruktur um den
Faktor 1,7 höher als für Investitionen in die Straßeninfrastruktur.
IHS-Studienautor Helmenstein: "Den vorliegenden Resultaten zufolge
bringt der Ausbau der Schieneninfrastruktur einen höheren
gesamtwirtschaftlichen Nutzen als ein Ausbau der Straße."
Die Schätzungen zeigen darüber hinaus, dass sich die Ausstattung
Österreichs mit Verkehrsinfrastruktur im Vergleich zum optimalen
Niveau spätestens seit Beginn der neunziger Jahre zunehmend
verschlechtert hat. Eine Beseitigung dieser Unterausstattung
erforderte eine Aufstockung der Schieneninfrastruktur von 7,8% auf
10% des BIP - bei steigender Tendenz. Um diese Marke nach Ablauf der
nächsten 15 Jahre zu erreichen, wäre eine Erhöhung der
Investitionsquote von 0,47% (Durchschnitt der Periode 1991-1995) auf
Werte zwischen 0,6 und 0,7% des BIP erforderlich
Schiene benötigt Kontinuität bei Investitionen
Aus den wissenschaftlichen Analysen geht hervor, dass die
bisherigen Schieneninfrastrukturinvestitionen in Höhe von jährlich 9
bis 11 Mrd. ATS auch aus volkswirtschaftlicher Sicht eine optimierte
Allokation darstellen. Seitens des Fachverbandes für Schienenbahnen
wird daher der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass für die nächsten
Jahre die Kontinuität gewahrt bleibt. Die wichtigsten Nord-Süd und
Ost-West Magistralen sind als Teil der transeuropäischen
Verkehrsnetze möglichst rasch umzusetzen. "Es hilft nichts, wenn nur
Teile einer Magistrale auf höchsten Standard gebracht werden", sagt
Fachverbandsvorsteher ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler und
vergleicht die Gesamtheit der Magistralen mit einer Kette: "Die Kette
ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied".
Fakten zum Symposium
Zukünftige Perspektiven der Eisenbahn in Österreich
Ein Beitrag zur nachhaltigen Mobilität
14. März 2001 - Wien
Eine Veranstaltung der ÖBB und des Fachverbandes Schienenbahnen
der Wirtschaftskammer Österreich
Teilnehmer
DI Dr. Monika Forstinger, Bundesministerin für Verkehr, Innovation
und Technologie
DI Dr. Helmut Draxler, ÖBB-Generaldirektor,
Vorsteher des Fachverbandes für Schienenbahnen
der Wirtschaftskammer Österreich
Markus Maibach, INFRAS
INFRAS berät seit 1976 Unternehmen, Institutionen und
Organisationen im privaten und öffentlichen Sektor. Schwerpunkte:
Umweltanalysen u. -management, Infrastrukturplanung und -nutzung,
Verkehr, Telekommunikation und Energie und arbeitet eng mit dem
Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung (IWW) der
Universität Karlsruhe zusammen
Präsentation der Studie
- Der Weg zur nachhaltigen Mobilität
Dr. Christian Helmenstein, Institut für Höhere Studien (IHS) Wien
Präsentation der Studien
- Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Schieneninfrastruktur in
Österreich
- Die gemeinschaftlichen Leistungen und Effizienz
DI Wolfgang Rauh - Verkehrsclub Österreich (VCÖ)
Präsentation der Studie
- Wohlstand und Beschäftigung durch effizienten Verkehr
Rückfragehinweis: ÖBB Kommunikation
Mag.Michael H.Hlava
Tel +43 1 93000 32233
[email protected]
Fachverband der Schienenbahnen (WKÖ)
Dr.Erik Wolf
Tel +43 1 501 05 3165
[email protected]
*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER
VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NBB/OTS






