Über 150 Verkehrsexperten aus Europa setzen auf die Schiene

Zukünftige Perspektiven der Eisenbahn in Österreich

Wien (OTS) - Über 150 Experten aus ganz Europa diskutieren auf Einladung der ÖBB und des Fachverbandes Schienenbahnen der Wirtschaftskammer Österreich über die zukünftigen Perspektiven der Eisenbahn in Österreich. Gemeinsam mit Bundesministerin Monika Forstinger und ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler welcher auch Vorstand des Fachverbandes der Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer ist, stehen Christian Helmenstein vom Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien, Wolfgang Rauh vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) und Markus Maibach vom Beratungsunternehmen INFRAS den Teilnehmern des Symposiums aus Verkehr, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Rede und Antwort.

Straße ist vier mal teurer als die Schiene

Externe Kosten im Verkehrsbereich belasten die Allgemeinheit und führen dazu, dass der Verkehr zu billig ist. Hohe Lärmbelastungen, Gesundheits- und Materialschäden sowie Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft sind die Folge davon. Eine neue Studie des Welteisenbahnverbandes UIC hat dies Kosten nun für alle westeuropäischen Länder ermittelt.

Die externen Unfall- und Umweltkosten belaufen sich 1995 auf insgesamt 530 Mrd. Euro (7.293 Mrd. ATS), also 7,8% des BIP. 92% der Kosten fallen beim Straßenverkehr an, während die Schiene mit 2% nur einen verhältnismäßig geringen Anteil aufweist.

Die Kosten pro Kilometer sind im Straßenverkehr viermal höher als bei der Schiene. Eine verursachergerechte Anlastung dieser Kosten würde also vor allem den Straßenverkehr verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene verbessern.

Jeder 4. Schilling wird für Verkehr ausgegeben

Ein Viertel der Wirtschaftsleistung - das sind 47 Mrd. Euro (647 Mrd. ATS) pro Jahr - ist in Österreich alleine für den Personen- und Güterverkehr notwendig. "In Österreich muss schon jeder 4. Schilling für den Verkehr ausgegeben werden und dazu kommen noch Milliardenwerte in Form von Umwelt- und Gesundheitsschäden sowie private Reisezeit", erläutert Wolfgang Rauh vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Die durch den Verkehr entstehenden Kosten sollen sich im Preis wiederfinden

Der VCÖ ortet ein großes Einsparungspotenzial im Verkehrsbereich. Der Schlüssel zum Erfolg ist der Abbau von Regulierungen und Subventionen bei allen Verkehrsarten sowie die Internalisierung externer Kosten von Unfällen und der Umweltbelastung des Verkehrs. Das heißt, die durch den Verkehr entstehenden Kosten sollen sich im Preis wiederfinden. "Internalisierung hat wenig mit der Erhöhung von Benzinpreisen zu tun", warnt VCÖ-Experte Rauh vor vorschnellen Schlüssen. Vielmehr gilt es, auch im Verkehrsbereich, die Mechanismen des Marktes wirken zu lassen und bestehende Marktverzerrungen abzubauen. Effiziente Marktverhältnisse im Verkehrssektor würden höhere Wirtschaftsleistung, Konkurrenzfähigkeit und Beschäftigung bringen, zudem würden sie laut den Untersuchungen des VCÖ dem öffentlichen Personenverkehr und dem Schienen-Güterverkehr wesentlich verbesserte Marktchancen eröffnen.

Rücknahme der Abgeltungen des Bundes stärken die Straße und führen zu Schließung von Bahnstrecken

Die österreichischen Schienenverkehrsunternehmungen sind dazu verpflichtet, gemeinwirtschaftliche Leistungen zu erbringen. Die Kosten hierfür werden den Bahnen vom Bund teilweise abgegolten. Das Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien untersuchte für zwölf Schienenverkehrsunternehmungen und insgesamt 16 Nahverkehrsstrecken, ob und inwieweit die Erbringung gemeinwirtschaftlicher Leistungen bzw. deren Abgeltung die Effizienz der Leistungserbringung beeinflusst.

Es zeigt sich, dass die Erbringung gemeinwirtschaftlicher Leistungen die durchschnittliche Effizienz bei den untersuchten Unternehmungen zwischen 6% und 8% erhöht. Absenkungen der Abgeltungen des Bundes für gemeinwirtschaftliche Leistungen hätten drei mögliche Konsequenzen:

- sie führen zu Streckenschließungen, und/oder

- sie bewirken eine Verlagerung der fiskalischen Wirkungen auf die Ebene der nachgeordneten Gebietskörperschaften und/oder

- sie erhöhen die Nutzung des Verkehrsträgers Straße zu Lasten der Schiene mit einer entsprechenden Ausweitung der Umweltbelastung und Erhöhung der Staukosten.

Ausbau der Schiene bringt höheren gesamtwirtschaftlichen Nutzen als bei der Straße

Im Mittelpunkt einer weiteren IHS-Studie steht eine Untersuchung zu den produktivitätssteigernden Effekten von Verkehrsinfrastruktur. Die öffentlichen Verkehrsinfrastrukturinvestitionen in Österreich, als Prozentanteil des BIP gemessen, waren während der letzten beiden Dekaden im Aggregat deutlich rückläufig. Dadurch hat auch der Kapitalstock relativ zum BIP abgenommen.

In Einklang mit internationalen Studien weist das IHS nach, dass Investitionen in die österreichische Verkehrsinfrastruktur einen signifikant kostensenkenden/produktivitäts-steigernden Effekt haben. Dieser liegt für Investitionen in die Schieneninfrastruktur um den Faktor 1,7 höher als für Investitionen in die Straßeninfrastruktur.

IHS-Studienautor Helmenstein: "Den vorliegenden Resultaten zufolge bringt der Ausbau der Schieneninfrastruktur einen höheren gesamtwirtschaftlichen Nutzen als ein Ausbau der Straße."

Die Schätzungen zeigen darüber hinaus, dass sich die Ausstattung Österreichs mit Verkehrsinfrastruktur im Vergleich zum optimalen Niveau spätestens seit Beginn der neunziger Jahre zunehmend verschlechtert hat. Eine Beseitigung dieser Unterausstattung erforderte eine Aufstockung der Schieneninfrastruktur von 7,8% auf 10% des BIP - bei steigender Tendenz. Um diese Marke nach Ablauf der nächsten 15 Jahre zu erreichen, wäre eine Erhöhung der Investitionsquote von 0,47% (Durchschnitt der Periode 1991-1995) auf Werte zwischen 0,6 und 0,7% des BIP erforderlich

Schiene benötigt Kontinuität bei Investitionen

Aus den wissenschaftlichen Analysen geht hervor, dass die bisherigen Schieneninfrastrukturinvestitionen in Höhe von jährlich 9 bis 11 Mrd. ATS auch aus volkswirtschaftlicher Sicht eine optimierte Allokation darstellen. Seitens des Fachverbandes für Schienenbahnen wird daher der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass für die nächsten Jahre die Kontinuität gewahrt bleibt. Die wichtigsten Nord-Süd und Ost-West Magistralen sind als Teil der transeuropäischen Verkehrsnetze möglichst rasch umzusetzen. "Es hilft nichts, wenn nur Teile einer Magistrale auf höchsten Standard gebracht werden", sagt Fachverbandsvorsteher ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler und vergleicht die Gesamtheit der Magistralen mit einer Kette: "Die Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied".

Fakten zum Symposium

Zukünftige Perspektiven der Eisenbahn in Österreich
Ein Beitrag zur nachhaltigen Mobilität

14. März 2001 - Wien

Eine Veranstaltung der ÖBB und des Fachverbandes Schienenbahnen der Wirtschaftskammer Österreich

Teilnehmer

DI Dr. Monika Forstinger, Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie

DI Dr. Helmut Draxler, ÖBB-Generaldirektor,
Vorsteher des Fachverbandes für Schienenbahnen
der Wirtschaftskammer Österreich

Markus Maibach, INFRAS

INFRAS berät seit 1976 Unternehmen, Institutionen und Organisationen im privaten und öffentlichen Sektor. Schwerpunkte:
Umweltanalysen u. -management, Infrastrukturplanung und -nutzung, Verkehr, Telekommunikation und Energie und arbeitet eng mit dem Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung (IWW) der Universität Karlsruhe zusammen

Präsentation der Studie
- Der Weg zur nachhaltigen Mobilität

Dr. Christian Helmenstein, Institut für Höhere Studien (IHS) Wien Präsentation der Studien
- Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Schieneninfrastruktur in Österreich
- Die gemeinschaftlichen Leistungen und Effizienz

DI Wolfgang Rauh - Verkehrsclub Österreich (VCÖ)
Präsentation der Studie
- Wohlstand und Beschäftigung durch effizienten Verkehr

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