- 14.03.2001, 11:10:39
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Steiermark: Kulturgüter-Entsorgung durch Revi-Kastration?
Ziviltechniker: Landespolitik gegen die Regionen/Passive Sterbehilfe für historische Bausubstanz/Revitalisierungen notwendig für sanften Tourismus
Graz (OTS) - "Sollen die noch vorhandenen Kulturgüter der
Steiermark durch passive Sterbehilfe sanft entsorgt werden?" fragen
die steirischen ZiviltechnikerInnen die verantwortlichen
Landespolitiker anbetrachts deren Ankündigung, den
Revitalisierungsfonds des Landes von zuletzt 250 Mio. S (18,168 Mio.
Euro) auf künftig 30 Mio. S (2,18 Mio. Euro) geradezu kastrieren zu
wollen. Revitalisierte Kulturgüter wie Burgen, Schlösser und Ruinen,
Bauernhäuser und Heustadeln, Kirchen, Pfarrhöfe und Bildstöcke, die
man jetzt offenbar dem Verfall preisgeben will - seien nicht nur Teil
der Landes-Identität sondern auch - neben anderem - Basis für eine
sanfte Tourismusentwicklung und Impulsgeber für die
kleinstrukturierte Wirtschaft, stellen die ZiviltechnikerInnen fest.
"Die Revitalisierung alter Bausubstanz im ländlichen Raum stellt
eine ausgezeichnete Möglichkeit für Bauern dar, Zusatzeinkommen durch
die touristische Nutzung dieser Kulturgüter zu erzielen. Gerade die
Landwirte in Ungunstlagen, die eine Kulturlandschaft erhalten,
brauchen dafür aber eine derartige Zuerwerbsmöglichkeit ganz
dringend", erklärt der Grazer Revitalisierungs-Experte, Architekt
Dipl. Ing. Horst Hönig. Der Revitalisierungsfonds habe viele Bauern
dazu ermutigt, ihre Kulturgüter fachgerecht zu revitalisieren und
damit eine hohe Sanierungsqualität gesichert. Durch die drastische
Kastration auf künftig 12 Prozent des bisherigen Förderungs-Volumens
bestehe nun die eminente Gefahr, dass die "alten Hütten" einfach
weggeschoben würden, da von Landesseite weder Geld noch Interesse
vorhanden sei.
"Es ist ziemlich sinnlos, von der "Steirischen Toscana" zu reden
und gleichzeitig jede Anstrengung, die eventuell einmal dahin führen
könnte, zu behindern und zu vernachlässigen. Das steirische Vulkan-
und Thermenland braucht revitalisierte Bauernhöhe, Kellerstöckl,
Mühlen, Schlösser, und Burgen als touristisches Angebot, um mit
anderen Thermenregionen konkurrenzieren zu können. Das Authentische
währt am längsten gegenüber allen Moden und Events", warnt
Revitalisierungs-Experte Hönig, der auf zahlreiche Beispiele
verweist.
So gehe etwa das Projekt L.O.B. - "Leben in Oststeirischen
Bauernhäusern" genau in diese Richtung: Durch Pilotprojekte der
Revitalisierung solle jene notwendige Mindestmenge in gehobener
Qualität geschaffen werden, die es für Vermarktungsunternehmen
interessant macht, die revitalisierten Bauten wie in der Toscana zu
vermarkten. "Alle Bezirke der Oststeiermark haben sich diese Aufgabe
für die nächsten Jahre als Leitprojekte vorgenommen. Umso härter
trifft diese Regionen nun die Fördermittel-Kastration. Hier wird
Landespolitik gegen die Regionen gemacht!" stellt Architekt Hönig
namens der ZiviltechnikerInnen fest.
"In der Oststeiermark wird derzeit ein Revitalisierungspool
gegründet, dessen Hauptanliegen die fachgerechte und qualitätsvolle
Sanierung von Altbauten ist. Diese herausragende Aktion des
Baugewerbes in Feldbach, bei der traditionelles Handwerk mit moderner
Organisation verknüpft wird, soll auch in die Nachbarregionen
+exportiert+ werden. Da die Revitalisierung von Altbauten
arbeitskräfteintensiv ist und hohes Können erfordert, kann hier
Kompetenz aufgebaut und verstärkt werden. Dadurch ist die
Revitalisierung von Kulturgütern auch als Exportartikel höchst
interessant und beständiger als etwa die Telekommunikation", so
Hönig.
Die Kulturlandschaften der Steiermark mit ihren "kleinen und
großen Kulturgütern" seien ein unersetzliches Potential für einen
Erlebnistourismus ohne künstliche Erlebniswelten, die der Mode
unterlägen und um einen viel höheren Preis eingekauft werden müßten,
was die Ziviltechniker-Kammer in mehreren Veranstaltungen im Vorjahr
bereits dargestellt habe.
"Das ausgezeichnete Instrument des Revitalisierungsfonds' muß als
eminent wichtige innovative Wirtschaftsförderung gesehen werden,
welche die wirklichen Ressourcen der Steiermark nutzt und zur Wirkung
bringt. Jede Reduktion dieser Fördergelder ist ein Beitrag zur
Vernichtung von nicht erneuerbaren Ressourcen und widerspricht
diametral dem ständig propagierten Prinzip der Nachhaltigkeit",
stellen die ZiviltechnikerInnen abschließend fest.
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