Steiermark: Kulturgüter-Entsorgung durch Revi-Kastration?

Ziviltechniker: Landespolitik gegen die Regionen/Passive Sterbehilfe für historische Bausubstanz/Revitalisierungen notwendig für sanften Tourismus

Graz (OTS) - "Sollen die noch vorhandenen Kulturgüter der Steiermark durch passive Sterbehilfe sanft entsorgt werden?" fragen die steirischen ZiviltechnikerInnen die verantwortlichen Landespolitiker anbetrachts deren Ankündigung, den Revitalisierungsfonds des Landes von zuletzt 250 Mio. S (18,168 Mio. Euro) auf künftig 30 Mio. S (2,18 Mio. Euro) geradezu kastrieren zu wollen. Revitalisierte Kulturgüter wie Burgen, Schlösser und Ruinen, Bauernhäuser und Heustadeln, Kirchen, Pfarrhöfe und Bildstöcke, die man jetzt offenbar dem Verfall preisgeben will - seien nicht nur Teil der Landes-Identität sondern auch - neben anderem - Basis für eine sanfte Tourismusentwicklung und Impulsgeber für die kleinstrukturierte Wirtschaft, stellen die ZiviltechnikerInnen fest.

"Die Revitalisierung alter Bausubstanz im ländlichen Raum stellt eine ausgezeichnete Möglichkeit für Bauern dar, Zusatzeinkommen durch die touristische Nutzung dieser Kulturgüter zu erzielen. Gerade die Landwirte in Ungunstlagen, die eine Kulturlandschaft erhalten, brauchen dafür aber eine derartige Zuerwerbsmöglichkeit ganz dringend", erklärt der Grazer Revitalisierungs-Experte, Architekt Dipl. Ing. Horst Hönig. Der Revitalisierungsfonds habe viele Bauern dazu ermutigt, ihre Kulturgüter fachgerecht zu revitalisieren und damit eine hohe Sanierungsqualität gesichert. Durch die drastische Kastration auf künftig 12 Prozent des bisherigen Förderungs-Volumens bestehe nun die eminente Gefahr, dass die "alten Hütten" einfach weggeschoben würden, da von Landesseite weder Geld noch Interesse vorhanden sei.

"Es ist ziemlich sinnlos, von der "Steirischen Toscana" zu reden und gleichzeitig jede Anstrengung, die eventuell einmal dahin führen könnte, zu behindern und zu vernachlässigen. Das steirische Vulkan-und Thermenland braucht revitalisierte Bauernhöhe, Kellerstöckl, Mühlen, Schlösser, und Burgen als touristisches Angebot, um mit anderen Thermenregionen konkurrenzieren zu können. Das Authentische währt am längsten gegenüber allen Moden und Events", warnt Revitalisierungs-Experte Hönig, der auf zahlreiche Beispiele verweist.

So gehe etwa das Projekt L.O.B. - "Leben in Oststeirischen Bauernhäusern" genau in diese Richtung: Durch Pilotprojekte der Revitalisierung solle jene notwendige Mindestmenge in gehobener Qualität geschaffen werden, die es für Vermarktungsunternehmen interessant macht, die revitalisierten Bauten wie in der Toscana zu vermarkten. "Alle Bezirke der Oststeiermark haben sich diese Aufgabe für die nächsten Jahre als Leitprojekte vorgenommen. Umso härter trifft diese Regionen nun die Fördermittel-Kastration. Hier wird Landespolitik gegen die Regionen gemacht!" stellt Architekt Hönig namens der ZiviltechnikerInnen fest.

"In der Oststeiermark wird derzeit ein Revitalisierungspool gegründet, dessen Hauptanliegen die fachgerechte und qualitätsvolle Sanierung von Altbauten ist. Diese herausragende Aktion des Baugewerbes in Feldbach, bei der traditionelles Handwerk mit moderner Organisation verknüpft wird, soll auch in die Nachbarregionen +exportiert+ werden. Da die Revitalisierung von Altbauten arbeitskräfteintensiv ist und hohes Können erfordert, kann hier Kompetenz aufgebaut und verstärkt werden. Dadurch ist die Revitalisierung von Kulturgütern auch als Exportartikel höchst interessant und beständiger als etwa die Telekommunikation", so Hönig.

Die Kulturlandschaften der Steiermark mit ihren "kleinen und großen Kulturgütern" seien ein unersetzliches Potential für einen Erlebnistourismus ohne künstliche Erlebniswelten, die der Mode unterlägen und um einen viel höheren Preis eingekauft werden müßten, was die Ziviltechniker-Kammer in mehreren Veranstaltungen im Vorjahr bereits dargestellt habe.

"Das ausgezeichnete Instrument des Revitalisierungsfonds' muß als eminent wichtige innovative Wirtschaftsförderung gesehen werden, welche die wirklichen Ressourcen der Steiermark nutzt und zur Wirkung bringt. Jede Reduktion dieser Fördergelder ist ein Beitrag zur Vernichtung von nicht erneuerbaren Ressourcen und widerspricht diametral dem ständig propagierten Prinzip der Nachhaltigkeit", stellen die ZiviltechnikerInnen abschließend fest.

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