• 23.02.2001, 10:56:26
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  • OTS0102

Baustoffindustrie: Aufschwung bitte warten

Umsätze der Stein- und keramischen Industrie stiegen 2000 nur um 1,7% - Kompromiss beim MinroG in Sicht

Wien (PWK138) - In der Stein- und keramischen Industrie will
derzeit keine rechte Freude aufkommen. Der Grund: die
Branchenkonjunktur hinkt der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung
deutlich hinterher. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im
vergangenen Jahr um 3,3% und die Sachgüterproduktion sogar um 6,5%
gestiegen ist, müssen sich die 356 Mitglieder des Fachverbandes der
Stein- und keramischen Industrie mit einem mageren Umsatzwachstum von
1,7% auf 37,5 Mrd. Schilling im Jahr 2000 zufrieden geben.

"Seit dem 2. Halbjahr 2000 läuft es für unsere Betriebe immer
schlechter", berichtete Manfred Winkler, Mitglied des
Fachverbandausschusses und Generaldirektor von Knauf Österreich, bei
der Jahrespressekonferenz. Einmal mehr macht den Baustofflieferanten
die schwächelnde Baukonjunktur bei gleichzeitig rückläufigen Mengen
und weiterhin fallenden Preisen zu schaffen. In den baunahen Branchen
kratzten die Umsätze mit einem Plus von 0,5% nur mühsam an der
"schwarzen Null". Große Sorgen bereiten den Unternehmen derzeit die
hohen Energiepreise und die stark steigenden Transportkosten,
während die Produktpreise weiter fallen. Besonders schwierig ist die
Situation in der energieintensiven Ziegelindustrie (-7,7%) und in der
Transportbetonindustrie (-9%). Die bauunabhängigen Branchen, zu
welchen die Schleifmittelindustrie, die Feuerfestindustrie oder
Feinkeramik zählen, konnten ihre Umsätze hingegen um 8,9% steigern.
Erfreulich ist auch die Entwicklung im Export. Nach einem größeren
Einbruch im Jahr 1999 stiegen die Ausfuhren 2000 um fast 5% auf 6,3
Mrd. Schilling. Die Importe erhöhten sich um 2%. Erstmals seit sechs
Jahren ist auch die Zahl der Beschäftigten nicht mehr rückläufig.
Ende 2000 waren 15.664 Mitarbeiter in der Branche beschäftigt. Das
entspricht einem leichten Plus von 0,2%.

Zunehmender Druck lastet auf den Unternehmen durch die stark
steigenden Energiepreise. Heizöl extra leicht war netto ab Raffinerie
Ende 2000 um 28,4% teurer als im Vorjahr, Diesel an der Tankstelle um
10% und der Gaseinfuhrpreis kletterte gar um 65,4%. "Jetzt droht uns
auch noch ein Horrorszenario aus Brüssel", fürchtet
Fachverbands-Geschäftsführer Carl Hennrich. Sollte der Europäische
Gerichtshof zu dem Schluss kommen, dass die teilweise Vergütung von
Energieabgaben an produzierende Unternehmen in Österreich seit 1996
eine verbotene Beihilfe und darüber hinaus zurückzuzahlen ist, dann
drohen den Unternehmen Nachzahlungen in Millionenhöhe. "Das kann
einen ganzen Jahresumsatz ausmachen, was für viele kleine und
mittlere Unternehmen den Todesstoß bedeuten würde", sagte Hennrich,
der nicht nur eine wirtschaftsfreundliche Deckelungsregelung bei den
Energiepreisen, sondern auch eine Harmonisierung der Netzgebühren
forderte.

Bei der Novelle des für die Branche zentralen Mineralrohstoffgesetzes
(MinroG) deutet sich hingegen ein Kompromiss an. Die Abstandsregelung
von 300 m zum nächsten Bauland-Wohngebiet könnte flexibler gehandhabt
werden. Im Bewilligungsverfahren hat der Unternehmer nachzuweisen,
dass durch das Unterschreiten der 300 m-Grenze die Schutzinteressen
der Anrainer nicht verletzt werden. Weiters sollen Genehmigungen für
bergfreie Rohstoffe von derzeit einem auf fünf Jahre verlängert oder
gegebenenfalls sogar unbefristet ausgestellt werden. Die geplante
Deregulierung bei der Bestellung der verantwortlichen Personen -
Betriebsleiter und Markscheider - wird das Problem der fehlenden
Fachkräfte zumindest abschwächen. Ungelöst ist nach wie vor die hohe
Kostenbelastung bei den Genehmigungsverfahren. Diese wird
ausschließlich von den Unternehmen zu tragen sein. "Das ist besonders
für kleine Firmen äußerst problematisch, die schon jetzt mindestens
zehn Gutachten für eine Genehmigung beibringen müssen und dafür tief
in die Tasche greifen. Das geht in die Millionen", so Hennrich. Damit
werde aber auch die rasche und kostengünstige Nahversorgung mit
mineralischen Rohstoffen gefährdet. "Die lokale Versorgung ohne lange
Transportwege muss schon aus Gründen des Umweltschutzes auch
weiterhin ein vorrangiges Ziel bleiben", schloss Hennrich. (MH)

Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich

FV Stein- und keramische Industrie
Tel.: (01) 50105-3531

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