- 26.01.2001, 09:40:01
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Vergleich Wien-Osteuropäische Metropolen: Aufholen beim BIP=
Bruttoinlandsprodukt steigt an - mehr BewohnerInnen in Österreich, weniger in Slowenien, Tschechien und Ungarn
Wien, (OTS) Das Bruttoinlandsprodukt, BIP, pro Einwohner
stieg in den ost-mitteleuropäischen Ländern und speziell in deren
größeren Städten rapid an - zwar von einem sehr niedrigen Niveau
aus, aber jedenfalls weit schneller als in Wien. Es hat ein
deutlicher Aufholprozess eingesetzt: Das konstatieren die
AutorInnen der "Statistischen Mitteilungen" Nr. 3/2000 in einem
Bericht über "Wien und die Großstädte Ost-Mitteleuropas: Ein
Vergleich". Dabei werden Wiener Daten mit jenen der Hauptstädte
Budapest, Laibach, Prag, Pressburg und Warschau und weiteren
größeren Städten - Breslau, Brünn, Györ, Krakau, Lodz und Posen -
verglichen. Ein weiteres bemerkenswertes Detail: Zwischen 1991 und
1998 erhöhte sich die EinwohnerInnenzahl Wiens und Österreichs
deutlich (Wien: von 1,54 auf 1,6 Millionen, Österreich: von 7,79
auf 8,07 Millionen), sank aber in Tschechien, Ungarn und
Slowenien, und 1999 sank auch erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg
die Zahl der PolInnen. Die Publikation mit dem Städtevergleich ist
um 70 ATS in der MA 66-Statistisches Amt der Stadt Wien, email:
post@m66.magwien.gv.at, 1016 Wien, Volksgartenstraße 3, jeweils
von 9 bis 15.00 Uhr erhältlich. Telefonische Bestellungen:
4000/88629.****
Eines der Probleme bei der Erarbeitung der Vergleichsstudie
waren die unterschiedlich konzipierten Daten, die von den
statistischen Ämtern der Vergleichsländer veröffentlicht werden.
Dennoch wurden im Rahmen eines Pilotprojekts CEE City Audit
entsprechende Angaben gesammelt und ausgewertet, die zumindest
einen gewissen Vergleich der Lebensqualität in den einzelnen
Städten ermöglichen.
Das BIP erhöhte sich rapid und stieg etwa in Ungarn um rund
33, in Slowenien um rund 66, in Tschechien um fast 71, in der
Slowakei um fast 88 und in Polen sogar um 96 Prozent, dagegen in
Österreich - allerdings von einem wesentlich höheren Ausgangspunkt
aus - um 17 Prozent. Mangels Daten konnte das BIP allerdings nicht
für die einzelnen Städte berechnet werden, ausgenommen für Prag
mit einem Zuwachs 1993 -1996 um 60 Prozent, Wien: knapp 12
Prozent.
Da die Preisniveaus in den ärmeren Ländern vor allem bei
Dienstleistungen niedriger sind als in reicheren, zogen
StatistikerInnen Vergleiche auch mit einer anderen Methode, der
Kaufkraftparität. Auch hier bestätigte sich, dass das Pro-Kopf-
Einkommen in den ost-mitteleuropäischen Ländern im Vergleich zu
Österreich Mitte der 90er Jahre sehr niedrig war; auch Budapest,
Pressburg und Warschau erreichten damals nur etwa die Hälfte des
Wiener Niveaus. Überall gab es aber zwischen 1993 und 1998
gegenüber Österreich einen deutlichen Aufholprozess. Grobe
Schätzungen ergeben nun, dass diese Städte 1999 etwa 60 Prozent
des Wiener Niveaus erreicht haben. Prag dagegen erreichte 1993
fast drei Viertel des gesamtösterreichischen und so gleichzeitig
nahezu die Hälfte des Wiener Niveaus; 1996 hatte Prag Österreich
bereits überholt und über 70 Prozent des Niveaus von Wien
erreicht.
Auch die Arbeitsmöglichkeiten sind in den Hauptstädten - und
einzelnen der anderen Großstädten - natürlich besser. Das zeigen
die Arbeitslosenquoten. Laut offiziellen Statistiken der
betreffenden Länder hatten zB 1998 Krakau, Posen, Prag, Preßburg
und Warschau faktisch keine Arbeitslosigkeit.
Klar im Vorteil ist Wien gegenüber den ost-mitteleuropäischen
Großstädten bei der Zahl der Wohnungen - zusätzlich stagnierte der
Wohnbau in den Vergleichsstädten (die öffentliche Hand hat trotz
nicht gedecktem Wohnungsbedarfs die Wohnbauförderung fast völlig
gestoppt), florierte aber in Wien. Auch im Gesundheitswesen - Zahl
der EinwohnerInnen pro Arzt oder Krankenhausbett - liegt Wien
deutlich vorn und hat den anderen Städten gegenüber, mit der
Ausnahme Budapests, einen Vorsprung. Allerdings haben sich die
Indikatoren für Budapest als Folge einer Reform des öffentlichen
Gesundheitswesens zwischen 1995 und 1998 verschlechtert, für Wien
verbessert.
In Wien stieg, wie erwähnt, auch die Bevölkerungszahl
zwischen 1991 und 1998 deutlich an. In den ost-mitteleuropäischen
Städten - Ausnahme: Pressburg mit geringfügigem Anstieg - dagegen
sank sie. Wien hat in diesem Städtevergleich auch die höchste
Geburtenrate - wobei der Bevölkerungszuwachs aber durch
Zuwanderung entstand.
Die Motorisierung ist in den ost-mitteleuropäischen Ländern
enorm gestiegen, 1998 gab es in Prag pro 1000 EinwohnerInnen sogar
mehr PKWs als in Österreichs Hauptstadt.
Umwelt: zwar verbessern sich die Umweltindikatoren der ost-
mitteleuropäischen Länder langsam, aber stetig. Um
österreichähnliche Standards zu erreichen, werden diese Länder
laut Studie aber Jahrzehnte brauchen. Beispiele dafür:
Schwefeldioxid-Emission in Österreich 1990 0,09 Millionen Tonnen,
in Polen 3,21 Millionen Tonnen. Staubemission 1990: in Österreich
39.000 Tonnen, im tschechischen Teil der damaligen
Tschechoslowakei 631.000 Tonnen. In der zweiten Hälfte der 90er
Jahre gab es in den ost-mitteleuropäischen schnellere
Verbesserungen bei der Umweltsituation als im landesweiten
Durchschnitt der betreffenden Staaten, zwischen 1994 und 1998
verringerte sich etwa in Prag die Staubemission von 11,3 auf 2,4
Millionen Tonnen und jene von Schwefeldioxid von 30,3 auf 6,3
Millionen Tonnen.
Seit den späten 80er Jahren ist laut Bericht in Ost-
Mitteleuropa die Kriminalität im Steigen (Polen: im Jahrzehnt 1988
bis 1998 von 475.273 auf 1.073.042 kriminelle Delikte, Morde: von
530 auf 823), gleichzeitig ging die Aufklärungsquote bei
Verbrechen allgemein zurück. Die offizielle Kriminalitätsrate
(behördlich registrierte Fälle pro 1000 EinwohnerInnen) war laut
Berichten zB 1997 in den entsprechenden Großstädten niedriger als
in Wien (Wien 98,3, Prag 95,6, Brünn 55,4, Pressburg 44). Die
AutorInnen der Studie weisen allerdings darauf hin, dass die
verfügbaren Indikatoren aus verschiedenen Gründen nicht wirklich
ein Maßstab für den Grad der öffentlichen Sicherheit seien - was
teilweise aus anderen Gesetzesregelungen (etwa bei
Wirtschaftsdelikten) resultiert. Auch dürfte die Diskrepanz
zwischen tatsächlich begangenen und registrierten Delikten in Ost-
Mitteleuropa größer sein als in Österreich. Wo die Aufklärungsrate
niedrig ist, empfinden es Opfer krimineller Delikte oft als
sinnlos, Anzeige zu erstatten, stellt die Studie fest.
Im Verkehrsbereich sind die ost-mitteleuropäischen Großstädte
bei den Unfällen mit tödlichem Ausgang wesentlich gefährlicher als
Wien. (Schluss) hrs
Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Helga Ruzicka-Stanzel
Tel.: 4000/81 856
e-mail: ruz@m53.magwien.gv.at
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