- 24.01.2001, 14:21:15
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Grünewald: Gerede von Ärzteschwemme soll von eigenem Versagen ablenken
Überfüllte Wartezimmer und Arbeitsüberlastung der Ärzte sprechen andere Sprache
Wien (OTS) "Wenn Waneck nun von einer drohenden Ärzteschwemme spricht
und sich dabei über die bisherige Bildungspolitik, die Universitäten
und die Krankenkassen beschwert, lenkt er nur von der mangelnden
Schwerpunktsetzung und eigenem Versagen ab. Die PatientInnen, die bei
bestimmten FachärztInnen oft wochenlang auf einen Termin warten
müssen, haben jedenfalls von einer Ärzteschwemme noch nichts
bemerkt", kritisiert der Gesundheitssprecher der Grünen, Kurt
Grünewald.
Daß viele Wartezimmer überfüllt sind, daß die arbeitsmedizinische
Versorgung in Österreich erhebliche Mängel aufweist, daß es seit
Jahren bekannte Versorgungsengpässe gibt, daß das Stadt-Land-Gefälle
der Versorgung bei weitem nicht erfolgreich bekämpft wurde und die
Arbeitsüberlastung von Ärztinnen und Ärzten wie bei anderen
Gesundheitsberufen ein Dauerbrenner ist, all das scheint Wancek
nicht zu kümmern. "Allein die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes in
Krankenanstalten würde einen erheblichen Mehrbedarf an ÄrztInnen
nötig machen", so Grünewald.
Niemand verlangt eine unreflektierte 'Produktion' von arbeitslosen
AkademikerInnen. Der richtige Weg dazu ist Aufklärung noch vor der
Matura, ein Ausbau der Studienberatung und Information und eine
geeignete Orientierungsphase am Beginn eines Studiums mit
Möglichkeiten eines unbürokratischen Studienwechsels unter möglichst
hoher Anerkennung von Prüfungsleistungen. Das ist jedenfalls
willkürlichen und wenig intelligenten Eingangsbeschränkungen
vorzuziehen.
Zudem sollte Waneck bekannt sein, daß das Studium der Medizin nicht
notwendigerweise allein zu streng ärztlichen Tätigkeiten am Patienten
führen muss. Zahlreiche AbsolventInnen arbeiten in unterschiedlichen
und nicht nur medizinischen Forschungsbereichen. Auch der Sektor der
Dienstleistungsberufe im Gesundheits- und Sozialwesen ist stark
expandierend. Waneck soll offen sagen, wenn er hier kein Geld
investieren will, wenn er Spezialisten durch Laienhilfe ersetzen
soll.
Die derzeitige Studienreform an den Universitäten beschäftigt sich
mit dieser Thematik jedenfalls viel kompetenter und gründlicher als
das dem Ministerium bekannt zu sein scheint.
"Es ist jedenfalls nicht so, daß für all das, was Waneck und die
Bundesregierung nicht haben wollen, kein Bedarf vorhanden wäre", so
Grünewald.
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