AMA: BSE-Krisenplan funktioniert

Weber: Sehr geringes BSE-Risiko in Österreich

Wien, 15. Jänner 2001 (AIZ). - "Die Agrarmarkt Austria wurde gestern, Sonntag, um 12.45 Uhr, über den BSE-Verdachtsfall in Tirol informiert, bereits um 13.30 Uhr konnten wir alle relevanten Daten zu diesem Fall - von der Identität des möglicherweise infizierten Tieres, über den Rinderbestand in diesem Betrieb bis zu den Tierbewegungen - an den Krisenstab im Landwirtschaftsministerium weiterleiten. Das beweist, dass vonseiten der AMA der BSE-Krisenplan einwandfrei funktioniert9, berichtete heute der Vorstandsvorsitzende der AMA, Georg Schöppl, bei einer Tagung zur BSE-Diskussion in Österreich. Möglich sei dies durch ein umfangreiches System der Registrierung, Kennzeichnung und Kontrolle der Rinderbestände, das sich nunmehr bewährt habe. "Das vielkritisierte, weil aufwändige System der Rinderdatenbank hat sich damit als richtig herausgestelltb, so Schöppl. Er wies mit Nachdruck darauf hin, dass es sich im erwähnten Fall um einen BSE-Verdacht handle, der erst durch eine zweite Untersuchung bestätigt werden müsse. ****

"Die Agrarmarkt Austria hat sich bereits vor einigen Jahren entschieden, ein umfassendes System der Rinderkennzeichnung aufzubauenü, berichtete Andreas Steidl, Leiter des Qualitätsmanagements in der AMA. Dieses komme nunmehr der Landwirtschaft und vor allem auch kritischen Konsumenten zugute, da man eine lückenlose Dokumentation der Herkunft - von der Geburt eines Rindes bis zum Rindfleisch in der Kühlvitrine - ermöglicht habe. Seit 1. Jänner 1998 würden in der Rinderdatenbank der AMA alle neugeborenen Kälber erfasst, seit 1. Dezember 1998 auch der vollständige Altbestand. Die Erfassung aller Tierbewegungen, die umfangreichen Kontrollen - auch im Schlacht- und Zerlegebetrieb -sowie das lückenlose und praktisch fälschungssichere Kennzeichnungssystem würden ein höchstes Maß an Transparenz und Sicherheit für die Konsumenten garantieren.

Umfangreiche und unabhängige Kontrollen

"Die hohe Qualität der Datenbank kann insbesondere durch die umfangreichen Kontrollen sichergestellt werdenJ, erklärte Eva Scheiflinger, Leiterin der Abteilung Vieh und Fleisch in der AMA. Mindestens 10 % der landwirtschaftlichen Betriebe würden vor Ort kontrolliert (im Jahr 2000 rund 14.000 Betriebe), gleiches gelte für 20 % des Viehhandels und 35 % der Schlachtbetriebe. Überprüfungen würden neben der AMA auch von den Amtstierärzten, Tierschutzdiensten und -organisationen sowie von Klassifizierungsdiensten, der SGS Austria, der Lebensmittelaufsicht und von privaten unabhängigen Stellen (Biokontrollstellen, usw.) durchgeführt.

Weber: Äußerst geringes BSE-Risiko in Österreich

Zur speziellen Situation aus veterinär-medizinischer Sicht nahm MR Univ. Prof. Peter Weber vom Gesundheitsministerium Stellung. Weber wies ausdrücklich darauf hin, dass es sich im vorliegenden Fall in Tirol um einen BSE-Verdacht handle, der auf Grund eines "nicht eindeutig negativenh Befunds zu Stande gekommen sei. Auch die Qualität des angewendeten Schnelltests sei zu hinterfragen, da diese Tests noch nicht sehr lange im Einsatz seien und sich daher in der Praxis noch nicht entsprechend bewährt hätten. "Ein absolutes Null-Risiko bei BSE kann es auch in Österreich nicht geben, das Auftreten von Rinderwahn ist aber sehr unwahrscheinlichw, stellte Weber fest.

Er begründete dies mit sehr umfangreichen Vorsorgemaßnahmen in Österreich. So bestehe - im Gegensatz zu manchen anderen EU-Ländern -seit 1991 eine BSE-Anzeigepflicht und ein permanentes, effizientes Überwachungsprogramm. In der Tierkörperverwertung bediene man sich seit zehn Jahren eines Hochdruckverfahrens, das Prionen inaktiviere. Dazu komme, dass Österreich im Agrarbereich keine intensiven Handelsbeziehungen mit Großbritannien aufweise. Positiv wirke sich bezüglich des BSE-Risikos auch die heimische Agrarstruktur, geprägt von kleinen Betrieben und extensiven Haltungsformen und der Dominanz von Zweinutzungsrassen, aus. Daher habe auch die EU-Kommission Österreich gemeinsam mit Schweden und Finnland den sichersten Status bei der BSE-Risikobemessung zugestanden.

Schneider: Große Bedeutung der Rinderhaltung

Auf die kleinbäuerliche Struktur in Österreich wies auch der Agrarexperte des WIFO, Matthias Schneider, hin. Während in anderen EU-Staaten wie Großbritannien die meisten BSE-Fälle in spezialisierten Großbetrieben aufgetreten seien, würden sich in Österreich lediglich 3 % des Rinderbestandes in Betrieben mit über 100 Tieren befinden. Im Schnitt halte ein heimischer Bauer etwa 20 Rinder. Dennoch habe die Rinderhaltung mit einer Wertschöpfung von rund ATS 8 Mrd. eine große Bedeutung für die heimische Landwirtschaft, dazu kämen noch ATS 11,3 Mrd. durch die Milchproduktion, also insgesamt knapp ATS 20 Mrd.

Seit dem erneuten Auftreten gehäufter BSE-Fälle (ab November 2000) seien in Österreich die Stierpreise um etwa 15 % und die Schlachtkuhpreise um 20 % gesunken. Die Absätze seien bis Jahresende um 15 % zurückgegangen. Damit sei die Marktsituation nicht so dramatisch wie in Deutschland. Für die einkommensmäßig ohnehin hinten nachhinkenden Futterbaubetriebe in Österreich sei die Lage dennoch kritisch.

Keine Wende in EU-Agrarpolitik nötig

Schneider ging in diesem Zusammenhang auf die aktuelle und insbesondere in Deutschland geführte Debatte über eine - infolge der BSE-Krise - notwendige Wende in der EU-Agrarpolitik ein. "Ich finde die Diskussion über mehr Ökologie in der Landwirtschaft grundsätzlich richtig, eine totale Kurskorrektur in der EU-Agrarpolitik ist dennoch nicht notwendig. Die Agenda 2000 bietet ja viele Möglichkeiten einer ökologischen Produktion und Österreich nützt diese Möglichkeiten etwa beim Umweltprogramm auch ausR, so der WIFO-Experte.

Er warnte insbesondere davor, leistungsfähige bäuerliche Familienbetriebe mit etwa 80 Rindern bereits als Agrarfabriken zu bezeichnen und künftig förderungsmäßig schlechter zu stellen. "BSE kann auch in kleinsten Betrieben auftreten. Viel wichtiger im Kampf gegen BSE sind höhere Produktionsstandards, wie zum Beispiel ein generelles Tiermehlverbot oder eine stärkere Bindung von Förderungen an ökologische Auflagen,, unterstrich Schneider. Diese müssten aber dann EU-weit gelten. Österreichische Landwirte würden ohnehin vielfach teurer produzieren als ihre Kollegen in zahlreichen anderen EU-Ländern. Weiters müsse sichergestellt werden, dass importierte Agrarprodukte den gleichen hohen Sicherheitsstandards entsprechen. Dies werde noch zu harten Diskussionen im Rahmen der WTO führen. Die EU dürfe aber dem freien Warenverkehr keinen höheren Stellenwert einräumen als dem Konsumentenschutz, betonte Schneider.
(Schluss) kam

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