Mitteilung des Österreichischen Presserates

Wien (OTS) - Der Österreichische Presserat hat sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Beschwerde von Mag. Wolfgang Thill wegen der Kolumnen "Staberl" in Neue Kronen Zeitung vom 24.9.2000 und vom 4.11.2000 befasst und ist zu folgendem Ergebnis gelangt:

1)
Mit der Veröffentlichung der Kolumne vom 24.9.2000 wurden die Berufspflichten der österreichischen Presse (gemäss § 13.(2).c.1. der Geschäftsordnung) dadurch verletzt, dass der Autor durch Unterlassung der Recherche den Beschwerdeführer zu Unrecht als Verfasser eines Artikels in der Zeitschrift Dialog bezeichnet hat.

2)
In derselben Kolumne wurde das "Dokumentationszentrum des Österreichischen Widerstandes" (DÖW) als "Denunziationsarchiv" bezeichnet. Damit wurden die Berufspflichten der österreichischen Presse gemäß § 13. (2).c.2. der Geschäftsordnung des Österreichischen Presserates grob verletzt.

Begründung:
Die Bezeichnung "Denunziationsarchiv" für das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) stellt eine schwere Verletzung journalistischer Verantwortung dar. Es kann nicht hingenommen werden, dass eine dem Staatswohl unbestritten dienende Einrichtung in strafrechtlich relevanter Weise herabgesetzt wird.

3)
Bezüglich der Kolumne vom 4.11.2000 über die Zulässigkeit der Bezeichnung "Neger" sieht der Österreichische Presserat keinen Grund zum Einschreiten.

Die Senatsmitglieder plädierten einstimmig auf die Publikation des Spruchs.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Paul Twaroch
(Vorsitzender)

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