Sallmutter zu IT-Fachkräften: Aufstockung der Zuwanderungsquote als temporäre Notlösung vorstellbar

Kritik am nationalistischen Zugang der Debatte

Wien (GPA/ÖGB). Als temporäre Notlösung, um den akuten Bedarf an IT-SpezialistInnen abzudecken, kann sich der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Hans
Sallmutter, grundsätzlich eine Aufstockung der Zuwanderungsquote für
Schlüsselarbeitskräfte vorstellen. Die Kontingenterhöhung will Sallmutter aber
an einige Bedingungen knüpfen.++++

"Bevor man über mögliche Kontingente diskutiert, muss
erst einmal der
tatsächliche Bedarf an zusätzlichen IT-SpezialistInnen seriös ermittelt werden,
die Schätzungen gehen da abenteuerlich weit auseinander", so Sallmutter.

Weiters sei eine Aus- und Weiterbildungsoffensive
erforderlich, die auch die
Wirtschaft in die Pflicht nehme. Lebenslanges Lernen dürfe kein leeres
Schlagwort bleiben, sondern müßte durch konkrete Initiativen der Unternehmen
ermöglicht und gefördert werden. Die IT-Branche werde sich von der Vorstellung
verabschieden müssen, sie könne auf bequeme und kostengünstige Weise den
Arbeitskräftebedarf abdecken. Es gehe auch darum, die angebotenen Jobs
attraktiver zu gestalten, insbesondere für Frauen. Das propagierte Bild des
selbstausbeuterisch und rund um die Uhr flexiblen IT-Beschäftigten halte viele
von einer Beschäftigung im IT-Bereich fern. Mit dem jüngst abgeschlossenen
EDV-Kollektivvertrag sei ein sinnvoller Rahmen geschaffen worden, der auch die
Bedürfnisse der Beschäftigten berücksichtige und nun entsprechend genützt werden
müsse.

Für absolut kontraproduktiv hält Sallmutter die Maßnahmen der Bundesregierung im
Bildungssektor: "Studienbeiträge und Kürzungen im Schulbereich zeigen, dass die
Regierung ihr fragwürdiges Nulldefizit-Ziel über Investitionen in die Zukunft
unseres Landes stellt".

Sallmutter stört auch der eindimensionale, nationalistische Zugang in der
Debatte rund um die IT-Fachkräfte. Es sei verantwortungslos, einfach mit
Lockangeboten die Arbeitsmärkte in Osteuropa leerzufegen und sich damit eigene
Ausbildungsinvestitionen zu ersparen Erforderlich sei vielmehr die Entwicklung
einer gemeinsamen arbeitsmarktpolitischen Strategie mit den Nachbarländern.
"Eine Ausdünnung der osteuropäischen Arbeitsmärkte im Bereich der IT-Branche und
eine damit verbundene Schwächung der osteuropäischen Volkswirtschaften ist
angesichts der bevorstehenden EU-Erweiterung auch gegen
das Interesse
Österreichs", so Sallmutter abschließend(ff)

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