• 03.01.2001, 17:05:23
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  • OTS0167

2001: Es wird ein gutes Jahr von Jens Tschebull - Kommentar 4.1.2001

Wien (OTS) - Mit grosser Mühe, einem gehörigen Schuss Resignation,
genügend Hass auf die Regierung, konsequentem Zweckpessimismus und
neurotischer Furcht vor allen möglichen Turbulenzen kann es gelingen,
ängstlich jammernd zum Blindflug in das beginnende Wirtschaftsjahr zu
starten. Ein nüchterner Beobachter erkennt über dem jahreszeitlich
bedingten Hochnebel allerdings blauen Himmel, der einen ruhigen
Steigflug der Wirtschaft verspricht. Der mediale
Wachstumsfetischismus verleitet dazu, eine Verlangsamung der
Zuwachsgeschwindigkeit (von 3,3 auf 2,6 Prozent des BIP) gleich als
Schubumkehr darzustellen. Das ist so, als wollte man jemandem
weismachen, ein Auto, das zunächst mit 130 und dann nur noch mit 100
km/h unterwegs ist, sei stehen geblieben und rolle zurück. Wer das
glaubt, und aussteigt, fällt gewaltig auf die Nase. Ein Wachstum von
2,6 Prozent wie es das Wifo jetzt für 2001 vermutet, bedeutet einen
Wohlstandszuwachs von rund 80 Milliarden Schilling auf den
vorhandenen BIP-Polster in der Grössenordnung von 3000 Milliarden im
Jahr, aufgeteilt auf Löhne, Gewinne, Kapitalerträge (z.B. Sparzinsen)
etc. Eigentlich kein Grund zur Traurigkeit. Der private Konsum, der
im Vorjahr inflationsbereinigt um 2,7 Prozent gewachsen ist, wird
laut Wifo heuer neuerlich um zwei Prozent steigen. Die
Arbeitslosenrate (in Prozent der unselbstständig Erwerbstätigen) soll
von 5,9 auf 5,3 Prozent sinken. Für die Exporte, die im Vorjahr um
zwölf Prozent gewachsen sind, wird eine reale Steigerung um sieben
Prozent erwartet; Also keineswegs ein Rückschlag, sondern eine
weitere Verbesserung. Einziger Rettungsanker für Pessimisten ist die
Konjunkturabschwächung in den USA und die Wertsteigerung des Euro,
die den Export in den Dollarraum erschweren könnte. (Wer erinnert
sich noch an die aufgeregten Schlagzeilen "Euro stürzt ins
Bodenlose³?) Wenn der amerikanischen Wirtschaft, die jahrelang die
Spur für den konjunkturellen Langlauf in aller Welt gezogen hat,
tatsächlich die Puste ausgeht, kann man das in vorauseilender
Verzweiflung bejammern. Man könnte aber auch darauf bauen, dass
Europa für die nächste Konjunkturetappe zum Spurmacher der
Weltwirtschaft wird. Es wird eine Freude sein, im Jahr 2001 zu
wirtschaften; Es sei denn: siehe oben. (Schluss) JT

Rückfragehinweis: WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 91919-305

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