LEINER: FRAGE DER EMBRYONENFORSCHUNG AUF EUROPÄISCHER EBENE DISKUTIEREN

ÖVP-Gesundheitspolitiker bezieht sich auf Studie der Europäischen Ethik-Beratergruppe =

Wien, 21. Dezember 2000 (ÖVP-PK) ÖVP-Gesundheitspolitiker Dr. Günter Leiner erhofft sich in der heiklen ethischen Frage der Embryonenforschung, die nach der Entscheidung in Großbritannien wieder aktuell geworden ist, Unterstützung auch auf europäische Ebene. Erst im November hat die Europäische Ethik-Beratergruppe ihre Stellungnahme über "ethische Aspekte der Erforschung menschlicher Stammzellen" in Paris vorgestellt. Diese einstimmig angenommene Stellungnahme befasst sich mit den Erwartungen, Hoffnungen und Sorgen im Zusammenhang mit den jüngsten Entdeckungen in der Stammzellenforschung. Ihr erstes Ziel ist die Aufklärung der europäischen Entscheidungsträger über die ethischen Fragen im Zusammenhang mit der Wahrnehmung ihrer Kompetenzen. Die Gemeinschaft ist u.a. zuständig für die Finanzierung durch gemeinschaftliche Forschungsrahmenprogramme und für Sicherheitsnormen zur Gewährleistung der menschlichen Gesundheit bei der Nutzung von Stammzellen zu therapeutischen Zwecken, berichtete Leiner heute, Donnerstag.****

Die Gruppe betont in ihrer Stellungnahme, dass "im Sinne eines auf Vorsicht ausgerichteten Vorgehens mögliche langfristige Folgen der Forschung an Stammzellen sowie deren Verwendung für den Einzelnen und die Gesellschaft in Betracht zu ziehen" sind. Ohne die vielversprechenden Aussichten der Stammzellenforschung insbesondere auf therapeutischem Gebiet zu vernachlässigen (Erforschung von Krankheiten des Menschen am Tiermodell, Kultivierung differenzierter Zelllinien zur Verwendung in pharmakologischen Studien und toxikologischen Versuchen, Einsatz von Stammzellen in der Gentherapie und schließlich - sofern realisierbar - Erzeugung von spezifischen Zelllinien zur therapeutischen Transplantation von Geweben und Organen), mahnt die Gruppe zur Zurückhaltung: "die Erzeugung von Embryonen durch den Kerntransfer somatischer Zellen ("therapeutisches Klonen") wäre insofern verfrüht, als sich der Wissenschaft ein weites Feld für Forschungen mit alternativen Quellen für menschliche Stammzellen (überzählige Embryonen, fötales Gewebe, adulte Stammzellen) bietet".

Aus diesen Gründen gelangt die Gruppe zu folgenden Empfehlungen:
- Die Gemeinschaft sollte für die Stammzellforschung, bei der alternative Quellen benutzt werden, einen besonderen Forschungshaushalt vorsehen und dabei insbesondere die Forschung an adulten Stammzellen fördern.
- Die Gemeinschaft sollte darauf achten, "dass die gewonnenen Forschungsergebnisse weit verbreitet und nicht aus kommerziellen Interessen zurückgehalten werden". (Deswegen muss die Eizellenforschung in Ländern, in denen sie zugelassen ist, einer "strengen öffentlichen Kontrolle durch eine zentralisierte Einrichtung ... unterstellt werden. Außerdem ist zu gewährleisten, dass Genehmigungen für derartige Forschungsarbeiten äußerst selektiv und nur im Einzelfall erteilt werden. Dabei ist für größtmögliche Transparenz Sorge zu tragen.")
- Nicht vor dem Anlaufen von Vorhaben zur Stammzellenforschung, sondern auch in der Überwachungsphase muss eine Bewertung unter ethischen Aspekten gesichert sein.
- Schließlich wäre "sicherzustellen, dass Frauen durch die Nachfrage nach überzähligen Embryonen und Eizellenspenden nicht noch mehr belastet werden", wenn sie sich einer Unfruchtbarkeitsbehandlung unterziehen.

In Bezug auf die Verwendung von Stammzellen in klinischen Versuchen betont die Gruppe den Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Patienten. Sie erinnert an das "Risiko, dass durch transplantierte Zellen Anomalien hervorgerufen oder das Entstehen von Tumoren oder Krebs begünstigt werden. Der potenzielle Nutzen für den Patienten sollte auf jeden Fall in Erwägung gezogen, jedoch nicht überbewertet werden."

Leiner fordert im Hinblick auf die britischen Entscheidung eine rasche Realisierung dieser Vorschläge, denn "die Ethik und die Würde des menschlichen Lebens ist grenzenlos".
(Schluss)

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