Gewerbeverein: Wo bleiben Synergieeffekte der EU im diplomatischen Dienst?

Wien (OTS) Das österreichische Außenministerium - ein Miniposten im Bundesbudget - hat zu Immobilien ein gestörtes Verhältnis. Nunmehr das Alte NÖ Landhaus in der Herrengasse anzumieten, ist wieder einmal ein Fall, zu dem auch andere - wie der nachfolgend angeführte -passen.

Als Istanbul noch die Hauptstadt des osmanischen Reichs war (es endete vor nahezu achtzig Jahren), bekamen die Habsburger dort ein feudales Botschaftsgebäude am Bosporus vom Sultan zum Geschenk. Die Entfernung zum Stadtzentrum beträgt ungefähr zwanzig Kilometer, die Umgebung des Botschaftspalais könnte jeden Reiseprospekt der gehobensten Klasse zieren.

Freundliche einheimische Reiseführer machen Touristen darauf aufmerksam, dass die Quadratmeterpreise in dieser Gegend zwischen 4000 und 40000 Dollar liegen. Das österreichische Diplomatengebäude wird von etwa 10.000 Quadratmeter eingerahmt. Der Guide sagt dies nicht ohne Ironie in der Stimme. In den 20er-Jahren dieses Jahrhunderts verlegte Atatürk die Hauptstadt der Türkei von Istanbul nach Ankara. Österreich besitzt dort selbstverständlich eine Botschaft mit einem amtierenden Botschafter.

In Istanbul verblieb ein Generalkonsul mit einem Mitarbeiter. An gleicher Adresse logiert auch noch das Österreichische Kulturinstitut mit zwei Mitarbeitern. Wie sinnvoll es ist, österreichische Kultur fernab von einem Stadtzentrum vermitteln zu wollen, bleibt dahingestellt. Das Generalkonsulat scheint für vier Mitarbeiter (laut Amtskalender) etwas stark überdimensioniert zu sein. Darüberhinaus muß jeder Türke, der ein Visum braucht, in die reizvoll schöne Gegend am Bosporus reisen, um vom Herrn Generalkonsul oder seinem Mitarbeiter den begehrten Stempel in seinen Reisepass zu erhalten.

Dem Außenministerium scheint dieses Mißverhältnis noch nicht aufgefallen zu sein. Fast 80 Jahre nach dem Fall des osmanischen Reiches residiert Herr "Regierungsrat Gesandter" in einem Schloss, das dem Sommerpalast des Sultans um nichts nachsteht.

Genau hier liegen aber die Synergieeffekte einer EU-Diplomatie. Wenn Finnland etwa die Agenden Österreichs in Istanbul übernehmen würde, könnte erstens der Verkauf des sündteuren Konsulatsschlosses zur Budgetsanierung rasch vorgenommen werden. Das Personal könnte mittelfristig eingespart werden. Stattdessen übt sich das Außenministerium in einer Zeit des Zusammenrückens in der EU mit Ausweitung seines Immobilienbestandes. Kommt die USA weltweit mit 15.000 Diplomaten aus (viele davon in Bereichen, von denen wir nichts wissen wollen), beschäftigt die etwas größere EU 40.000. Nachdenken!

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Gewerbeverein
Dr.Herwig Kainz
Tel.:01-587 36 33/30
Email: oest.gewerbeverein@apanet.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OGV/OTS