• 18.12.2000, 12:59:31
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  • OTS0171

Gewerbeverein: Wo bleiben Synergieeffekte der EU im diplomatischen Dienst?=

Wien (OTS) Das österreichische Außenministerium - ein Miniposten
im Bundesbudget - hat zu Immobilien ein gestörtes Verhältnis. Nunmehr
das Alte NÖ Landhaus in der Herrengasse anzumieten, ist wieder einmal
ein Fall, zu dem auch andere - wie der nachfolgend angeführte -
passen.

Als Istanbul noch die Hauptstadt des osmanischen Reichs war (es
endete vor nahezu achtzig Jahren), bekamen die Habsburger dort ein
feudales Botschaftsgebäude am Bosporus vom Sultan zum Geschenk. Die
Entfernung zum Stadtzentrum beträgt ungefähr zwanzig Kilometer, die
Umgebung des Botschaftspalais könnte jeden Reiseprospekt der
gehobensten Klasse zieren.

Freundliche einheimische Reiseführer machen Touristen darauf
aufmerksam, dass die Quadratmeterpreise in dieser Gegend zwischen
4000 und 40000 Dollar liegen. Das österreichische Diplomatengebäude
wird von etwa 10.000 Quadratmeter eingerahmt. Der Guide sagt dies
nicht ohne Ironie in der Stimme. In den 20er-Jahren dieses
Jahrhunderts verlegte Atatürk die Hauptstadt der Türkei von Istanbul
nach Ankara. Österreich besitzt dort selbstverständlich eine
Botschaft mit einem amtierenden Botschafter.

In Istanbul verblieb ein Generalkonsul mit einem Mitarbeiter. An
gleicher Adresse logiert auch noch das Österreichische Kulturinstitut
mit zwei Mitarbeitern. Wie sinnvoll es ist, österreichische Kultur
fernab von einem Stadtzentrum vermitteln zu wollen, bleibt
dahingestellt. Das Generalkonsulat scheint für vier Mitarbeiter (laut
Amtskalender) etwas stark überdimensioniert zu sein. Darüberhinaus
muß jeder Türke, der ein Visum braucht, in die reizvoll schöne Gegend
am Bosporus reisen, um vom Herrn Generalkonsul oder seinem
Mitarbeiter den begehrten Stempel in seinen Reisepass zu erhalten.

Dem Außenministerium scheint dieses Mißverhältnis noch nicht
aufgefallen zu sein. Fast 80 Jahre nach dem Fall des osmanischen
Reiches residiert Herr "Regierungsrat Gesandter" in einem Schloss,
das dem Sommerpalast des Sultans um nichts nachsteht.

Genau hier liegen aber die Synergieeffekte einer EU-Diplomatie.
Wenn Finnland etwa die Agenden Österreichs in Istanbul übernehmen
würde, könnte erstens der Verkauf des sündteuren Konsulatsschlosses
zur Budgetsanierung rasch vorgenommen werden. Das Personal könnte
mittelfristig eingespart werden. Stattdessen übt sich das
Außenministerium in einer Zeit des Zusammenrückens in der EU mit
Ausweitung seines Immobilienbestandes. Kommt die USA weltweit mit
15.000 Diplomaten aus (viele davon in Bereichen, von denen wir nichts
wissen wollen), beschäftigt die etwas größere EU 40.000. Nachdenken!

Rückfragehinweis: Österreichischer Gewerbeverein
Dr.Herwig Kainz
Tel.:01-587 36 33/30
Email: [email protected]

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