• 17.12.2000, 12:17:10
  • /
  • OTS0040

Grünewald: 'Erweiterte Uni-Autonomie' kann Scheinautonomie sein

Neues Dienstrecht führt zu hohem Risiko bei niedrigem Gehalt

Wien (OTS) "Die von Gehrer am Freitag vorgestellte Universitätsreform
könnte den Universitäten nur scheinbar eine 'erweiterte Autonomie'
bringen. So könnte zwar eine vermehrte Flexibilität an den einzelnen
Unis die Folge sein, aber das angedachte Vetorecht in maßgeblichen
budgetären Fragen durch das Finanz(!)ministerium könnte die Autonomie
ad absurdum führen", kritisiert der Wissenschaftssprecher der Grünen,
Kurt Grünewald. Positiv sieht Grünewald beim Reformvorschlag die
Möglichkeit von mehrjährigen Globalbudgets, höchst kritisch dagegen
das neue Dienstrecht.

"Der vorliegende Dienstrechtsentwurf bietet nämlich nur scheinbar dem
Nachwuchs vermehrte Chancen, da strikt zeitlich begrenzte
Dienstverträge jederzeit das Aus der Uni-Karriere bedingen könnte",
so Grünewald. Das Risiko, sich auf Forschung zu konzentrieren wird
damit deutlich erhöht, zumal Wirtschaft und Industrie für
ForscherInnen kaum Arbeitsplätze haben. Und für Geistes- und
Sozialwissenschafter ist die Lage noch prekärer. "Es droht ein hohes
Risiko bei schlechtem Gehalt" so Grünewald. Problematisch ist das
Dienstrecht aber auch deshalb, weil in Zukunft kaum mehr jemand mit
Erfahrung in Wirtschaft oder Industrie sich finden wird, der an der
Uni lehren will. Damit wird der nötige Wissenstransfer unterbunden",
so Grünewald.

Die Reform führt zudem zu einer weiteren Reduktion demokratischer
Prozesse an den Universitäten und immer mehr Uni-Angehörige werden
von Entscheidungsprozessen augeschlossen. So wird etwa der
demokratisch legitimierte Senat zugunsten der Ministerin oder eines
Universitätsbeirates in seinen Befugnissen halbiert", kritisiert
Grünewald.

Die Möglichkeit, daß die Universitäten die Studiengebühren innerhalb
eines gewissen Rahmens selbst festlegen können, ist eine bloße
Augenauswischerei. "Angesichts der angespannten finanziellen
Situation der Universitäten wird kaum eine Uni ihre Gebühren auf dem
niedrigsten Level anlegen, sondern wohl eher am höchsten", so
Grünewald, der Studiengebühren prinzipiell ablehnt.

Abzuwarten bleibe auch, wie ernst die Worte der Ministerin bei der
Präsentation zu nehmen sind, die von einem ersten Diskussionsentwurf
sprach, an dem gemeinsam weitergearbeitet werden soll. "Es ist nur zu
hoffen, daß Gehrer auch meint, was sie sagt, denn bei den
Studiengebühren hat sie auch bis zuletzt heftig deren Einführung
dementiert und nun sind sie beschlossene Sache. Mit einem großen
Vertrauensvorschuß seitens der Universitäten kann die Ministerin
sicher nicht rechnen", so Grünewald abschließend.

Rückfragehinweis: Pressebüro der Grünen im Parlament

Tel.: (01) 40110-6697
http://www.gruene.at
eMail: pressebuero@gruene.at

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FMB/FMB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel