Grünewald: 'Erweiterte Uni-Autonomie' kann Scheinautonomie sein

Neues Dienstrecht führt zu hohem Risiko bei niedrigem Gehalt

Wien (OTS) "Die von Gehrer am Freitag vorgestellte Universitätsreform könnte den Universitäten nur scheinbar eine 'erweiterte Autonomie' bringen. So könnte zwar eine vermehrte Flexibilität an den einzelnen Unis die Folge sein, aber das angedachte Vetorecht in maßgeblichen budgetären Fragen durch das Finanz(!)ministerium könnte die Autonomie ad absurdum führen", kritisiert der Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald. Positiv sieht Grünewald beim Reformvorschlag die Möglichkeit von mehrjährigen Globalbudgets, höchst kritisch dagegen das neue Dienstrecht.

"Der vorliegende Dienstrechtsentwurf bietet nämlich nur scheinbar dem Nachwuchs vermehrte Chancen, da strikt zeitlich begrenzte Dienstverträge jederzeit das Aus der Uni-Karriere bedingen könnte", so Grünewald. Das Risiko, sich auf Forschung zu konzentrieren wird damit deutlich erhöht, zumal Wirtschaft und Industrie für ForscherInnen kaum Arbeitsplätze haben. Und für Geistes- und Sozialwissenschafter ist die Lage noch prekärer. "Es droht ein hohes Risiko bei schlechtem Gehalt" so Grünewald. Problematisch ist das Dienstrecht aber auch deshalb, weil in Zukunft kaum mehr jemand mit Erfahrung in Wirtschaft oder Industrie sich finden wird, der an der Uni lehren will. Damit wird der nötige Wissenstransfer unterbunden", so Grünewald.

Die Reform führt zudem zu einer weiteren Reduktion demokratischer Prozesse an den Universitäten und immer mehr Uni-Angehörige werden von Entscheidungsprozessen augeschlossen. So wird etwa der demokratisch legitimierte Senat zugunsten der Ministerin oder eines Universitätsbeirates in seinen Befugnissen halbiert", kritisiert Grünewald.

Die Möglichkeit, daß die Universitäten die Studiengebühren innerhalb eines gewissen Rahmens selbst festlegen können, ist eine bloße Augenauswischerei. "Angesichts der angespannten finanziellen Situation der Universitäten wird kaum eine Uni ihre Gebühren auf dem niedrigsten Level anlegen, sondern wohl eher am höchsten", so Grünewald, der Studiengebühren prinzipiell ablehnt.

Abzuwarten bleibe auch, wie ernst die Worte der Ministerin bei der Präsentation zu nehmen sind, die von einem ersten Diskussionsentwurf sprach, an dem gemeinsam weitergearbeitet werden soll. "Es ist nur zu hoffen, daß Gehrer auch meint, was sie sagt, denn bei den Studiengebühren hat sie auch bis zuletzt heftig deren Einführung dementiert und nun sind sie beschlossene Sache. Mit einem großen Vertrauensvorschuß seitens der Universitäten kann die Ministerin sicher nicht rechnen", so Grünewald abschließend.

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