Experten warnen vor Zunahme der Brandschäden

Symposium zeigt: Höheres Risiko durch Vormarsch der Holzbauweise Fachleute kritisieren die Abminderung der Sicherheit in den Baugesetzen Versicherungen reagieren mit geänderter Tarifpolitik

Wien (PWK1082) - Rund 6000 Brände verursachen in Österreich jedes Jahr Gesamtschäden in der Höhe von 4 Milliarden Schilling. Statistisch gesehen brennt es täglich 17 mal, wobei der Sachschaden jeweils mehr als 10 Millionen Schilling beträgt. Allein im Wohnbereich erreichten die Sach- und Personenschäden bei steigender Tendenz zuletzt 2,3 Milliarden Schilling. Sieht man vom Ausnahmejahr 2000 ab, werden hierzulande durchschnittlich 60 Menschen durch Brände getötet und 350 verletzt. Angesichts dieser Entwicklung warnen Fachleute vor einer sorglosen Abminderung der Brandschutzvorschriften zugunsten von Bauweisen, die das Brandrisiko und Schadenspotential zusätzlich vergrößern. Die Liberalisierung in den Baugesetzen habe eine Zunahme vor allem der Holzbauweise, die die hohen Sicherheitsstandards der Massivbauweise nicht erreicht, zur Folge.

Im Rahmen eines Symposiums in Wien mit dem Thema "Brandschutz heute -wie sicher sind unsere Häuser?" warnten kürzlich Fachleute vor ähnlichen Verhältnissen, wie sie in Ländern mit einem traditionell hohen Anteil an Holzhäusern bestehen. Sind etwa in Japan, den USA und in den skandinavischen Ländern jährlich zwischen 17 und 21 Brandtote je Million Einwohner zu beklagen, weist Österreich mit statistisch 7,9 Opfern derzeit noch eine vergleichsweise niedrige Rate auf.

Dies könne sich bald ändern, so der Vorstand des Instituts für Bauphysik, Baustofflehre und Brandschutz der TU Wien, Univ. Prof. Ulrich Schneider, wenn das Risiko von brennbaren Baukonstruktionen durch den Gesetzgeber nicht ausreichend berücksichtigt wird. So sei die Brandlast - das ist die Summe aller brennbaren Stoffe - in einem Holzhaus bis zu dreimal höher als in einem vergleichbaren Massivhaus. Es sei eindeutig erwiesen, dass Holzhäuser öfter brennen, sich der Brand schneller ausbreitet, und die Gefährdung der Bewohner durch Rauchgase und Kohlenmonoxid erheblich größer ist als in Häusern aus mineralischen Baustoffen. Letzteres sei insofern bedeutsam, als rund zwei Drittel der Brandopfer durch Ersticken ums Leben kommen. Prof. Schneider geht davon aus, dass mit dem Vormarsch der Holzbauweise die Zahl der Brände in Österreich deutlich zunehmen wird. Der Brandschutzexperte verweist in diesem Zusammenhang auf die vorgenommenen Absenkungen der Anforderungen in den Bauvorschriften. Diese gehen in einigen Bundesländern so weit, kritisiert Schneider, dass der Gesetzgeber in der novellierten Bauordnung bezüglich der Brennbarkeit von Bauteilen überhaupt keine Auflagen mehr vorsieht.

Auch der Leiter der Landeskommission für Brandverhütung in Kärnten, Gerald Wedenig, stellte den Zusammenhang zwischen dem Brandrisiko und der Bauweise in den Mittelpunkt seines Vortrages. Dabei verwies Wedenig u.a. auf eine Auswertung der Großbrandschäden an Wirtschaftsgebäuden. Demnach liegt der Zerstörungsgrad bei Bauwerken mit Holzdecken bei 86 Prozent, gegenüber 57 Prozent bei Deckenkonstruktionen aus massiven Baustoffen. Eine Schweizer Studie besagt, dass 66 Prozent der Großbrandschäden auf nicht massive Häuser entfallen, und die Schadenbelastung der Versicherungen viermal höher ist als nach Bränden an Massivhäusern.

Mittlerweile haben auch die heimischen Versicherungen auf die veränderten Risikoverhältnisse reagiert. Die Mindestprämientarife betragen etwa in Wien und Niederösterreich für Gebäude in Massivbauweise 0,8 Promille, für Holzhäuser hingegen 2,4 Promille des Neubauwertes. (MH)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Presseabteilung
Tel.: (01) 50105-4431
Fax: (01) 50105-263
e-mail: presse@wkoe.wk.or.at
http://www.wko.at/Presse

Wirtschaftskammer Österreich

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK