- 14.12.2000, 10:11:21
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Experten warnen vor Zunahme der Brandschäden
Symposium zeigt: Höheres Risiko durch Vormarsch der Holzbauweise Fachleute kritisieren die Abminderung der Sicherheit in den Baugesetzen Versicherungen reagieren mit geänderter Tarifpolitik
Wien (PWK1082) - Rund 6000 Brände verursachen in Österreich
jedes Jahr Gesamtschäden in der Höhe von 4 Milliarden Schilling.
Statistisch gesehen brennt es täglich 17 mal, wobei der Sachschaden
jeweils mehr als 10 Millionen Schilling beträgt. Allein im
Wohnbereich erreichten die Sach- und Personenschäden bei steigender
Tendenz zuletzt 2,3 Milliarden Schilling. Sieht man vom Ausnahmejahr
2000 ab, werden hierzulande durchschnittlich 60 Menschen durch Brände
getötet und 350 verletzt. Angesichts dieser Entwicklung warnen
Fachleute vor einer sorglosen Abminderung der Brandschutzvorschriften
zugunsten von Bauweisen, die das Brandrisiko und Schadenspotential
zusätzlich vergrößern. Die Liberalisierung in den Baugesetzen habe
eine Zunahme vor allem der Holzbauweise, die die hohen
Sicherheitsstandards der Massivbauweise nicht erreicht, zur Folge.
Im Rahmen eines Symposiums in Wien mit dem Thema "Brandschutz heute -
wie sicher sind unsere Häuser?" warnten kürzlich Fachleute vor
ähnlichen Verhältnissen, wie sie in Ländern mit einem traditionell
hohen Anteil an Holzhäusern bestehen. Sind etwa in Japan, den USA und
in den skandinavischen Ländern jährlich zwischen 17 und 21 Brandtote
je Million Einwohner zu beklagen, weist Österreich mit statistisch
7,9 Opfern derzeit noch eine vergleichsweise niedrige Rate auf.
Dies könne sich bald ändern, so der Vorstand des Instituts für
Bauphysik, Baustofflehre und Brandschutz der TU Wien, Univ. Prof.
Ulrich Schneider, wenn das Risiko von brennbaren Baukonstruktionen
durch den Gesetzgeber nicht ausreichend berücksichtigt wird. So sei
die Brandlast - das ist die Summe aller brennbaren Stoffe - in einem
Holzhaus bis zu dreimal höher als in einem vergleichbaren Massivhaus.
Es sei eindeutig erwiesen, dass Holzhäuser öfter brennen, sich der
Brand schneller ausbreitet, und die Gefährdung der Bewohner durch
Rauchgase und Kohlenmonoxid erheblich größer ist als in Häusern aus
mineralischen Baustoffen. Letzteres sei insofern bedeutsam, als rund
zwei Drittel der Brandopfer durch Ersticken ums Leben kommen. Prof.
Schneider geht davon aus, dass mit dem Vormarsch der Holzbauweise die
Zahl der Brände in Österreich deutlich zunehmen wird. Der
Brandschutzexperte verweist in diesem Zusammenhang auf die
vorgenommenen Absenkungen der Anforderungen in den Bauvorschriften.
Diese gehen in einigen Bundesländern so weit, kritisiert Schneider,
dass der Gesetzgeber in der novellierten Bauordnung bezüglich der
Brennbarkeit von Bauteilen überhaupt keine Auflagen mehr vorsieht.
Auch der Leiter der Landeskommission für Brandverhütung in Kärnten,
Gerald Wedenig, stellte den Zusammenhang zwischen dem Brandrisiko und
der Bauweise in den Mittelpunkt seines Vortrages. Dabei verwies
Wedenig u.a. auf eine Auswertung der Großbrandschäden an
Wirtschaftsgebäuden. Demnach liegt der Zerstörungsgrad bei Bauwerken
mit Holzdecken bei 86 Prozent, gegenüber 57 Prozent bei
Deckenkonstruktionen aus massiven Baustoffen. Eine Schweizer Studie
besagt, dass 66 Prozent der Großbrandschäden auf nicht massive Häuser
entfallen, und die Schadenbelastung der Versicherungen viermal höher
ist als nach Bränden an Massivhäusern.
Mittlerweile haben auch die heimischen Versicherungen auf die
veränderten Risikoverhältnisse reagiert. Die Mindestprämientarife
betragen etwa in Wien und Niederösterreich für Gebäude in
Massivbauweise 0,8 Promille, für Holzhäuser hingegen 2,4 Promille des
Neubauwertes. (MH)
Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich
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