• 13.12.2000, 09:21:05
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  • OTS0063

KAI-PALAST: Anerkennung Wiens als UNESCO-Weltkulturerbe in Gefahr?

Als "Unverständlich" bezeichnet Dr. Michael Petzet, Präsident von ICOMOS (UNESCO-Fachbeirat für Weltkulturerbe), die "gerade in der Wiener Innenstadt nicht selten zu beobachtenden Abbrüche/Entkernungen, nachdem dieser Bereich für eine Eintragung in die UNESCO-Liste des Welterbes vorgeschlagen werden soll"

Wien (OTS) - "Wie glaubwürdig kann noch das Bemühen der Stadt Wien
um Anerkennung der Altstadt als Weltkulturerbe sein, wenn so
fragwürdig mit so fadenscheinigen Argumenten der Demolierung dieser
Altstadt Vorschub geleistet wird?", donnert Schauspieler und
Altstadtschützer HERBERT FUX, und meint diesmal konkret den schon
seit über einem Jahr dauernden Streit um den Kai-Palast,
Franz-Josefs-Kai 47, im 1. Bezirk. Nun bekommt er auch Schützenhilfe
vom ICOMOS-Präsident Petzet, der aus der Sicht von ICOMOS ebenso
einen Abbruch dieses frühen Stahlbetonbaues von 1911 bedauern würde.
Doch nach Vorliegen von 4 (!?) Gutachten (eines von seiten des
Denkmalamts, das Gebäude wurde nicht unter Denkmalschutz gestellt)
dürfte eine Entscheidung über den Abbruch kurz bevorstehen. Dabei
scheint das dritte Gutachten, das - aufgrund unseres Drucks, der
INITIATIVE KAI-PALAST gemeinsam mit Herbert Fux - von
Planungsstadtrat Dr. Görg bei TU-Prof. Kollegger in Auftrag gegeben
wurde, eine Schlüsselrolle in der Frage um Abriss oder Erhalt zu
spielen. Über dieses Gutachten, das offenbar als einziges die
Sanierungsmöglichkeit untersucht hat, wird seit Sommer heftig
gestritten, denn ein Abbruch darf nur über Nachweis der "technischen
bzw. wirtschaftlichen Abbruchreife" erfolgen. Markus Landerer,
Sprecher der Initiative: "Wir werden solange für den Erhalt kämpfen,
solange uns nicht diese schweren Bauschäden konkret und
nachvollziehbar genannt werden können. 1000 Unterschriften für den
Erhalt, Unterstützung von der Österreichischen Gesellschaft für
Denkmal- und Ortsbildpflege, DOCOMOMO Ähttp://www.docomomo.comÜ, und
50 Wissenschafter aus dem In- und Ausland bestärken uns in dieser
Forderung, scheinen aber für eine sachliche und transparente
Diskussion wenig zu nützen." Und Robert Kuttig,
Sprecher-Stellvertreter, erfahren mit dem Umgang historischer
Bausubstanz im Ausland: "Während man etwa in Leipzig Handelshäuser
aus ähnlicher Zeit aufwendig restauriert, gedenkt man hier in der
Schutzzone - am intaktesten Teil des Kais - ein hochwertiges und für
Wien so seltenes Objekt abzureissen."

Eigenartige Auskunftsverweigerung

Herbert Fux: "Wir haben ein gesetzliches Recht auf
Auskunftserteilung über den relevanten Inhalt des Gutachtens, der als
Wissenserklärung der Auskunftspflicht der Behörde - auch im
anhängigen Verfahren - unterliegt. Dass die Behörde am 15.09. das
Auskunftsbehren der Initiative vom 13.08. abgelehnt hat, ist daher
seltsam, zumal das Kollegger-Gutachten als transparenter und
nachvollziehbarer Beitrag' (Zitat MA 19) angekündigt wurde. Ist das
TU-Gutachten zu positiv, dass nichts mitgeteilt werden darf?"

Schwerwiegende Widersprüche

Aufklärungsbedürftig sind dabei widersprüchliche Behördenaussagen.
Die MA 37 teilt am 01.11. mit, "dass sich Ä. . .Ü das von der MA 19
beauftragte TU-Gutachten ausschließlich auf eine Machbarkeitsstudie
im Zusammenhang mit einer möglichen Deckensanierung bezieht. Dadurch
wird nur ein Teilaspekt der Gesamtproblematik betrachtet, der eher
von untergeordneter Bedeutung im Zusammenhang mit der beantragten
Abbruchbewilligung ist." Dagegen steht die Behauptung der MA 19
(08.11.): "In der Auftragserteilung an Herrn Prof. Kollegger (siehe
Beilage) ist die Formulierung ja auch eindeutig. Der Experte sollte
sich Ä. . .Ü ganz gezielt mit der Sanierungsfrage auseinandersetzen
Ä. . .Ü. Daraus lässt sich schwerlich ableiten, dass nur eine
Machbarkeitsstudie für die Deckensanierung gefordert war." Markus
Landerer: "Wer soll sich da noch auskennen?"

Die letzte Chance ?

Die Zürich Kosmos Versicherung (Eigentümer) ist sich der
Genehmigung des Abbruchs offenbar - wieso eigentlich? - sicher, sonst
hätte sie nicht vor Erhalt der Abbruchbewilligung einen
Architektenwettbewerb gestartet. Auch erklärte sie am 16.11.
großzügig: "Wir haben nichts gegen eine Veröffentlichung des
Gutachtens". Ein daraufhin erfolgtes Ersuchen um Ermächtigung zur
Einsicht in das Gutachten, die umgehend Klarheit bringen könnte,
blieb bisher unbeantwortet. All dies deutet auf eine baldige
Abbruchbewilligung hin, und bereits für 18.12. lädt Zürich Kosmos zu
einer Anrainerversammlung. Herbert Fux: "Sollte die
Abbruchbewilligung erteilt werden, ist das der Beginn einer großen
Abrisswelle auch in den Schutzzonen Wiens?"

Rückfragehinweis: HERBERT FUX
Tel.: 01 / 713 47 36
INITIATIVE KAI-PALAST
c/o Kundmanngasse 33/7, 1030 Wien
http://www.nda.at/kaipalast

Markus Landerer
Sprecher der Initiative
Tel.: 01 / 715 52 23
(Mobil: 0699 / 102 44 216)

Robert Kuttig
Sprecher-Stellvertreter
Tel.: 01 / 403 92 72

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