KAI-PALAST: Anerkennung Wiens als UNESCO-Weltkulturerbe in Gefahr?

Als "Unverständlich" bezeichnet Dr. Michael Petzet, Präsident von ICOMOS (UNESCO-Fachbeirat für Weltkulturerbe), die "gerade in der Wiener Innenstadt nicht selten zu beobachtenden Abbrüche/Entkernungen, nachdem dieser Bereich für eine Eintragung in die UNESCO-Liste des Welterbes vorgeschlagen werden soll"

Wien (OTS) - "Wie glaubwürdig kann noch das Bemühen der Stadt Wien um Anerkennung der Altstadt als Weltkulturerbe sein, wenn so fragwürdig mit so fadenscheinigen Argumenten der Demolierung dieser Altstadt Vorschub geleistet wird?", donnert Schauspieler und Altstadtschützer HERBERT FUX, und meint diesmal konkret den schon seit über einem Jahr dauernden Streit um den Kai-Palast, Franz-Josefs-Kai 47, im 1. Bezirk. Nun bekommt er auch Schützenhilfe vom ICOMOS-Präsident Petzet, der aus der Sicht von ICOMOS ebenso einen Abbruch dieses frühen Stahlbetonbaues von 1911 bedauern würde. Doch nach Vorliegen von 4 (!?) Gutachten (eines von seiten des Denkmalamts, das Gebäude wurde nicht unter Denkmalschutz gestellt) dürfte eine Entscheidung über den Abbruch kurz bevorstehen. Dabei scheint das dritte Gutachten, das - aufgrund unseres Drucks, der INITIATIVE KAI-PALAST gemeinsam mit Herbert Fux - von Planungsstadtrat Dr. Görg bei TU-Prof. Kollegger in Auftrag gegeben wurde, eine Schlüsselrolle in der Frage um Abriss oder Erhalt zu spielen. Über dieses Gutachten, das offenbar als einziges die Sanierungsmöglichkeit untersucht hat, wird seit Sommer heftig gestritten, denn ein Abbruch darf nur über Nachweis der "technischen bzw. wirtschaftlichen Abbruchreife" erfolgen. Markus Landerer, Sprecher der Initiative: "Wir werden solange für den Erhalt kämpfen, solange uns nicht diese schweren Bauschäden konkret und nachvollziehbar genannt werden können. 1000 Unterschriften für den Erhalt, Unterstützung von der Österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege, DOCOMOMO Ähttp://www.docomomo.comÜ, und 50 Wissenschafter aus dem In- und Ausland bestärken uns in dieser Forderung, scheinen aber für eine sachliche und transparente Diskussion wenig zu nützen." Und Robert Kuttig, Sprecher-Stellvertreter, erfahren mit dem Umgang historischer Bausubstanz im Ausland: "Während man etwa in Leipzig Handelshäuser aus ähnlicher Zeit aufwendig restauriert, gedenkt man hier in der Schutzzone - am intaktesten Teil des Kais - ein hochwertiges und für Wien so seltenes Objekt abzureissen."

Eigenartige Auskunftsverweigerung

Herbert Fux: "Wir haben ein gesetzliches Recht auf Auskunftserteilung über den relevanten Inhalt des Gutachtens, der als Wissenserklärung der Auskunftspflicht der Behörde - auch im anhängigen Verfahren - unterliegt. Dass die Behörde am 15.09. das Auskunftsbehren der Initiative vom 13.08. abgelehnt hat, ist daher seltsam, zumal das Kollegger-Gutachten als transparenter und nachvollziehbarer Beitrag' (Zitat MA 19) angekündigt wurde. Ist das TU-Gutachten zu positiv, dass nichts mitgeteilt werden darf?"

Schwerwiegende Widersprüche

Aufklärungsbedürftig sind dabei widersprüchliche Behördenaussagen. Die MA 37 teilt am 01.11. mit, "dass sich Ä. . .Ü das von der MA 19 beauftragte TU-Gutachten ausschließlich auf eine Machbarkeitsstudie im Zusammenhang mit einer möglichen Deckensanierung bezieht. Dadurch wird nur ein Teilaspekt der Gesamtproblematik betrachtet, der eher von untergeordneter Bedeutung im Zusammenhang mit der beantragten Abbruchbewilligung ist." Dagegen steht die Behauptung der MA 19 (08.11.): "In der Auftragserteilung an Herrn Prof. Kollegger (siehe Beilage) ist die Formulierung ja auch eindeutig. Der Experte sollte sich Ä. . .Ü ganz gezielt mit der Sanierungsfrage auseinandersetzen Ä. . .Ü. Daraus lässt sich schwerlich ableiten, dass nur eine Machbarkeitsstudie für die Deckensanierung gefordert war." Markus Landerer: "Wer soll sich da noch auskennen?"

Die letzte Chance ?

Die Zürich Kosmos Versicherung (Eigentümer) ist sich der Genehmigung des Abbruchs offenbar - wieso eigentlich? - sicher, sonst hätte sie nicht vor Erhalt der Abbruchbewilligung einen Architektenwettbewerb gestartet. Auch erklärte sie am 16.11. großzügig: "Wir haben nichts gegen eine Veröffentlichung des Gutachtens". Ein daraufhin erfolgtes Ersuchen um Ermächtigung zur Einsicht in das Gutachten, die umgehend Klarheit bringen könnte, blieb bisher unbeantwortet. All dies deutet auf eine baldige Abbruchbewilligung hin, und bereits für 18.12. lädt Zürich Kosmos zu einer Anrainerversammlung. Herbert Fux: "Sollte die Abbruchbewilligung erteilt werden, ist das der Beginn einer großen Abrisswelle auch in den Schutzzonen Wiens?"

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