• 11.12.2000, 15:22:36
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  • OTS0227

Ausstellung: Gabriele Münter - Das gesamte druckgraphische Werk Lenbachhaus / 16.12.2000 - 16.04.2001

München (ots) - Gabriele Münter (1877-1962) schuf als wichtigste
Künstlerin des "Blauen Reiter" nicht nur ein umfangreiches
malerisches Oeuvre von strahlender Farbkraft und expressiver
Formensprache, sondern auch ein bedeutendes druckgraphisches Werk.

Es umfaßt insgesamt 88 Blätter, überwiegend Holz- und
Linolschnitte, aber auch Radierungen und Lithographien. Rund ein
Viertel ihrer Druckgraphiken schuf Münter während der Periode ihres
Frühwerks bis 1908, hier handelt es sich überwiegend um Farbholz-
bzw. Linolschnitte, wobei die Künstlerin mit bis zu sechs
verschiedenen Farbzuständen pro Blatt experimentierte.

Als junge Kunststudentin in München kurz nach der Jahrhundertwende
war sie erstmals mit der Technik des Holzschneidens in Berührung
gekommen. 1902 wurde Münter Schülerin von Wassily Kandinsky, von 1903
bis 1914 war sie seine Lebensgefährtin. Ab 1903 begannen sich beide
intensiv mit dem Farbholzschnitt zu beschäftigen. Besonders während
ihres gemeinsamen Aufenthaltes in Paris 1906/07 entstanden die
meisten von Münters frühen Drucken, die eine erstaunliche
Meisterschaft in der Beherrschung der Technik und der Farbeffekte
erkennen lassen. Das Medium der Druckgraphik kam ganz offensichtlich
der ausgeprägten zeichnerischen Begabung Münters und ihrer Fähigkeit
entgegen, ein Bild in einfachen, flächigen Formeinheiten anzulegen.
Damit geht ihre Druckgraphik formal den revolutionären Neuerungen
voraus, die Münter und dem Kreis des "Blauen Reiter" wenig später in
der Malerei gelangen.

Während der Jahre des "Blauen Reiter" von 1908 bis 1914 mit ihrem
äußerst produktiven Durchbruch zu einer neuartigen Malerei trat das
druckgraphische Arbeiten für Münter vorübergehend in den Hintergrund.
Eine Ausnahme bilden eine Gruppe von klar konturierten
Schwarz-Weiß-Holzschnitten, die Münter Ende 1912 im Auftrag von
Herwarth Walden für dessen Zeitschrift "Der Sturm" schuf, ein
wichtiges Forum expressionistischer Graphik der Jahre vor dem Ersten
Weltkrieg. In der Zeit ihres schwedischen Exils ab 1916 entstanden
überwiegend feinlinige Radierungen oft weiblicher Porträts oder
Ansichten ihrer Umgebung. Im Winter 1915/16 war sie in Stockholm ein
letztes Mal mit Kandinsky zusammengetroffen, der sich während dieses
Aufenthaltes ebenfalls mit Radierungen befaßte.

Während der Neuorientierung in Deutschland in den zwanziger Jahren
konzentrierte sich Münter in ihren Druckgraphiken fast ausschließlich
auf die Menschendarstellung, die auch in den berühmt gewordenen
knappen Bleistiftzeichnungen zum Hauptgegenstand ihres Interesses
wurde, wobei sie die Technik der Lithographie wählte, die eine
möglichst unmittelbare Umsetzung der zeichnerischen Vorlage
ermöglichte.

Nach ihrer endgültigen Rückkehr nach Murnau 1930 knüpfte Münter
auch in ihren Holzschnitten, jetzt meist von vignettenhaftem Format,
wieder an den Stil und die Motive ihrer Malerei der "Blauen
Reiter"-Zeit an, die sie im Medium der Druckgraphik zu einfachen
Strukturen verdichtet.

Sämtliche in der Ausstellung gezeigten Druckgraphiken stammen aus
dem Besitz der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, die mit
der großzügigen Schenkung Gabriele Münters 1957 auch das gesamte
druckgraphische Werk der Künstlerin erhielt. Erstmals wird dieses
wertvolle Material als ein wichtiger Aspekt ihres Schaffens mit einer
Sonderausstellung im Ganzen vorgestellt, ergänzt durch ausgewählte
Originalentwürfe, Skizzenbücher und Photographien, die sich zum Teil
im Besitz der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung als
Sachwalterin des persönlichen Nachlasses der Künstlerin befinden.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreich bebildertes Katalogbuch,
das ein Standardwerk zur Druckgraphik Gabriele Münters darstellt.
Neben einigen einleitenden Essays werden alle Druckgraphiken in einem
ausführlichen Werkkatalog in verschiedenen Farbzuständen abgebildet
und mit Originalentwürfen, etwa farbenprächtigen Gouachen und
Aquarellen, aber auch Skizzenbüchern oder historischen Photographien
konfrontiert. Damit ergibt sich ein reichhaltiger und neuartiger
Überblick über Münters künstlerisches Oeuvre.

(Prestel Verlag München, ca. 344 Seiten mit 240 größtenteils
farbigen Abbildungen, Preis an der Museumskasse ca. 48 DM)

Die Ausstellung wird im Anschluß im August Macke Haus, Bonn (29.4.
- 8.7.2001) und im Schloßmuseum Murnau (20.7. - 4.11.2001) gezeigt.

ots Originaltext: Lenbachhaus Kunstbau
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de

Für weitere Informationen zur Ausstellung wenden Sie sich bitte an
Dr. Johanna zu Eltz (tel. 004989/233 32020) und Karola Rattner (tel.
004989/233 32027/fax. 233 32003).

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

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