- 29.11.2000, 12:20:05
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- OTS0212
Kaprun-Unfall durch Materialermüdung? - Ein Zeuge meldet sich bei NEWS: Vor dem Unfall gab es umfangreiche nächtliche Sondertransporte. - Anwalt der Gletscherbahnen Kaprun gibt gegenüber NEWS zu:
"Luftschleuse der Bergstation wurde durch menschliches Versagen geöffnet. Dies könnte zur raschen Ausbreitung des Feuers geführt haben." Vorausmeldung zu NEWS Nr. 48/30. November 2000
Wien (OTS) - Die morgen erscheinende Ausgabe des
Nachrichtenmagazins NEWS veröffentlicht die Aussage eines Zeugen, der
behauptet, dass die Kapruner Gletscherbahn in den Nächten vor der
Katastrophe vom 11. November für umfangreiche Sondertransporte
benützt worden war.
Dies könnte zu einer fatalen Materialermüdung geführt haben.
Der Hintergrund: Der von Mai bis November projektierte Umbau des
Alpincenters auf der Bergstation des Kitzsteinhorns wurde nicht
rechtzeitig fertig, weshalb die Bahn für tonnenschwere
Materialtransporte "missbraucht" worden war. So wurden laut Aussage
des Zeugen, dessen Name NEWS bekannt ist, täglich bis zu 5 Tonnen
Baugerät, Zement und Werkzeug auf den Gletscher gebracht. Dies hätte,
so der Zeuge, zu Materialermüdung geführt, die wiederum Auslöser für
den Brand gewesen sein könnte. Die Betreiber der Kapruner
Gletscherbahn hatten diese Sondertransporte bisher in Abrede
gestellt.
Mit der Aussage des NEWS-Zeugen konfrontiert, gibt der Anwalt der
Gletscherbahnen, Georg Karasek nun zu: "Ja es hat in den Tagen vor
dem Unglück bis 22 Uhr Sonderfahrten gegeben."
Der Wiener Anwalt Karasek bestätigt im Interview mit NEWS auch
erstmals, dass es im Verlauf der Katastrophe zu menschlichem Versagen
gekommen ist. Nachdem der Zugsführer um 9.10 Uhr das Funksignal
"Hilfe, wir brennen" abgesetzt hatte, informierte der Maschinist in
der Bergstation den Betriebsleiter. Dann waren beide Männer gemeinsam
in den Maschinenraum gelaufen. Auf dem Weg zurück hatten sie die
Luftschleuse zu durchqueren, die immer geschlossen sein muß, um die
gewaltige Sogwirkung im Stollen zu unterbinden. Karasek: " Dabei ist
die Schleuse einen Spalt offen geblieben."
Karasek könne sich "vorstellen", dass das Gericht dieses Öffnen
der Luftschleuse als "menschliches Versagen" werten könnte.
Rückfragehinweis: Sekretariat NEWS-Chefredaktion
Tel. (01) 213 12 DW 103
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