"Die Presse"-Kommentar: "Mit vollem Risiko" (von Josef Urschitz)

Ausgabe vom 22.11.2000

WIEN (OTS). Niki Lauda, in jungen Jahren von Mitschülern als "Seicherl" völlig verkannt, war immer mit vollem Risiko unterwegs. Als Formel-1-Pilot wie als Unternehmer. Da kann es schon passieren, daß es einen gelegentlich aus der Kurve trägt. So wie es jetzt dem Vorstandsvorsitzenden der Lauda Air offenbar ergangen ist.
Denn was ihn den beruflichen Kopf gekostet hat, waren offensichtlich nicht grobe Management-Schnitzer in seiner Airline - sondern schiefgegangene Währungsspekulationsgeschäfte. Volles Risiko eben. Der Mann, dem der Großvater zu Beginn der Rennfahrerkarriere pikiert entgegengeschleudert haben soll, daß ein Lauda auf den Wirtschaftsseiten der "Presse" und nicht auf den Sportseiten der "Krone" ganz oben zu stehen habe (und der schließlich beides schaffte), hat für das Image Österreichs in der Welt sicher mehr getan, als alle Österreich-Werber seit dem zweiten Weltkrieg zusammen.
Aber er hat seinen Star-Status auch ein wenig überstrapaziert: Ein Vorstand einer Aktiengesellschaft kann halt, auch wenn er Niki Lauda heißt und zudem ein beträchtliches Aktienpaket an seiner Airline hält, nicht einfach über alles "drüberfahren" und auf alle formalen Kriterien - etwa Aufsichtsratsbeschlüsse - pfeifen.
Niki Lauda hat im Laufe seiner Unternehmerkarriere gezeigt, daß es mit eisernem Willen (und - wir sind ja in Österreich - mit den richtigen Freunden) möglich ist, gegen einen Staatsmonopolisten (das war die AUA damals) ein großes Unternehmen in einer schwierigen Branche hochzuziehen.
Er hat, als eines seiner Flugzeug mit mehr als 200 Menschen abstürzte, gezeigt, daß er kein ins Management hochgekommener Technokrat, sondern eine echte Persönlichkeit ist. Ein Marketing-und PR-Genie zudem.
Aber er hat auch bewiesen, daß man übertreiben kann: Die Aktionen im "Krieg" gegen die AUA waren zuletzt nicht immer ganz rational (im übrigen auch von Seiten der AUA nicht).
Daß er jetzt über einen Prüfbericht stolpert, ist ein eher unwürdiges Ende seiner glitzernden Karriere. Aber man wird sicher noch von ihm hören: Zum Rentner eignet sich ein Niki Lauda nicht.

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