Major Franz Lang zu Gast im Ö3 "Frühstück bei mir"

Leiter der Kriminalabteilung Salzburg im Portrait

Wien (OTS) - Major Franz Lang von der Kriminalabteilung Salzburg, Koordinator der kriminalistischen Ermittlungen der Seilbahnkatastrophe von Kaprun, war heute, Sonntag, zu Gast im Ö3-Frühstück bei mir. Im folgenden die Fortsetzung des Interviews, das Claudia Stöckl mit ihm führte.****

Major Franz Lang über die Arbeit beim FBI

Claudia Stöckl: "Herr Major Lang, Sie haben eine Zusatzausbildung beim FBI in Amerika gemacht. Wie läuft es beim FBI ab?"

Franz Lang: "Beim FBI Büro in Manhattan Süd hat man es halt jeden Tag mit fünf Mordfällen zu tun. So um halb acht in der Früh liest man sich die durch und dann sagt man sich so "Einen nach dem Anderen" und..."

Claudia Stöckl: "Dann fährt man an den Tatort und sieht halt..."

Franz Lang: "Das FBI kümmert sich eigentlich nur um wirklich spezielle Phänomene, um Serien, dort wo wirklich ein ganz neues Täterverhalten dahinter steckt."

Claudia Stöckl: "Gibt’s immer wieder was Neues?"

Franz Lang: "Sind auch spannende Dinge, kein Fall schaut gleich aus."

Claudia Stöckl : "Was war Ihr spannendster Fall in Amerika, z. B.?"

Franz Lang: "Für mich das Spannendste war, was ich aber in Europa immer nur von der Theorie her kannte, das waren so diese Selbstmorde im autoerotischen Bereich. Das war für mich absolut neu."

Claudia Stöckl: "Also Sie meinen, so wie sich Michael Hutchence umgebracht hat, den Gürtel bei einem erotischen Spiel ..., und sich dabei erhängt hat ? "

Franz Lang: "Das wirklich Interessante dabei sind die Leute, die so geschickt sind, dass sie eine jahrelange Routine bekommen und man kommt in ein Zimmer rein, wo Vorrichtungen gebaut sind, die das ganze Zimmer ausfüllen, mit allen möglichen Mechanismen von Zug und Druck und irgendwo funktioniert das dann doch nicht, dann sieht man eine Person inmitten von lauter Apparaten, Vorrichtungen, Seilen, Balken, Galgen oder sonst was. Also, wenn man das noch nicht gesehen hat, da hat man mal eine halbe Stunde die Augen und den Mund offen und tut und sagt überhaupt nichts."

Claudia Stöckl: "Hat Sie das am Anfang schockiert?"

Franz Lang: "Ja, wirklich."

Claudia Stöckl: "Den FBI stellt man sich so klischeehaft vor, wenn man eben Filme sieht, Menschen in Trenchcoats, die bei einer Tasse schwarzen Kaffee sitzen und dann ausrücken, um die seltsamsten Mordfälle aufzuklären und das auch irrsinnig effizient tun. Ist das so?"

Franz Lang: "Ich glaube, die Supertruppe gibt’s auf der ganzen Welt nicht. Die gibt’s wirklich nur im Fernsehen. Wenn wir beim Fernsehen sind, muss ich auch sagen, was ich halbwegs akzeptiere, das sind so Stockinger bis Kottan. Sie beschreiben real Umwelt, Seele in diesem Job. Was mich immer stört, ist, diese Ermittlungsarbeit wird zu einfach am Stereotyp dargestellt. In Wirklichkeit kommt es vielmehr auf Zufälle, auf Intuition an. Oft findet man drei Monate lang überhaupt nichts, und auf einmal hat man eine Idee, einen schlechten Schlaf oder sonst irgendwas und dann geht’s auf einmal weiter und es geht alles. Und diese Dinge lassen sich nicht in 1,5 Stunden lösen, wenn theoretisch drei Tage dargestellt werden. Es gibt, glaube ich, wenige wirklich komplizierte Mordfälle, die in so kurzer Zeit gelöst werden.

Lang über den Beruf des Kriminalisten

Franz Lang: "(Lacht).Darf man lachen?"

Claudia Stöckl: "Natürlich!"

Franz Lang: "Das Lachen ist ganz was Witziges. (...)Das drinnen ist die Working Area und heraußen, das dürfen Sie jetzt nicht so wörtlich nehmen, ist die Theatre Area. Heraußen muss man viel für die Umgebung tun, viel für die Öffentlichkeit und drinnen muss man komplett absperren, weil, es würde keine Presse der Welt und vor allem keine Angehörigen, würde die Reaktionen unserer Leute verstehen. Denn wenn sie vom Berg runter kommen, das ist ein lautes, befreiendes Lachen und das ist nur dadurch, dass sie einfach abwerfen wollen, was sie gerade zwei Stunden hinter sich haben und das hat nichts mit Pietätlosigkeit zu tun, das müssen sie einfach tun. Würden sie oben mitweinen, muss man ihn sofort heimschicken."

Claudia Stöckl: "Also, dass heißt, wenn gelacht wird, dann ist das einfach, um den Druck abzulassen, dass man in irgendeiner Form das herauslässt?"

Franz Lang: "Sehr richtig, ja."

Claudia Stöckl: Herr Lang, Ihre Biografie ist ja sehr interessant. Sie sind Sohn eines Gendarmen und wollten nie Gendarm werden und sind es dann doch geworden. Was hat sie eigentlich dann angezogen, an diesem Beruf?"

Franz Lang: "Ich bin sieben Jahre jetzt in dieser Abteilung, die kümmert sich um die Schwerkriminalität im Bundesland und um internationale Sachen und ich glaube, ich habe in den sieben Jahren keinen einzigen Tag auf die Uhr geschaut, wie spät es ist oder sonst was. Die Zeit vergeht wie im Flug, es ist kein Tag wie der andere, unser Klientel ist sehr spannend, das reizt mich auch sehr."

Claudia Stöckl: "Sie meinen die Kriminellen, oder ... ?"

Franz Lang: "Ja, und das ist einfach das ganze menschliche Spektrum, das sind extreme Menschen oder Menschen, die in Situationen extrem reagieren und das ist sehr, sehr interessant, mit diesen Leuten zu sprechen."

Claudia Stöckl: "Das heißt, Sie schauen gerne in die Abgründe der menschlichen Seele. Ist das nicht auch ein furchtbarer Anblick, manchmal?"

Franz Lang: "Es ist oft wirklich ein Challenge, wenn man ein Gegenüber hat, dass sehr selbstbewusst ist und der wirklich schwer zu knacken ist und im Prinzip ist es immer wieder ein Wettbewerb. Jedes Verhör, wer ist der Bessere, das reizt mit der Zeit schon. Die Seele ist ein weites Land und ein tiefer Ozean und da immer herumzugründeln ist bei Leuten, die irgendetwas Extremes hinter sich haben, immer interessant."

Claudia Stöckl: "Wie führt man ein gutes Verhör eigentlich?"

Franz Lang: "Möglichst gut vorbereiten, sich gute Informationen über das Gegenüber zu holen, gut beobachten. Ein gutes Timing, wann man welche Frage in welchem Ton stellt und absolut nachvollziehen, also den Unterschied zwischen dem, was gesagt und gedacht wird."

(Fortsetzung)

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