- 15.11.2000, 10:13:56
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Binder: Kinder haben ein Recht auf klare Verhältnisse auch nach der Trennung der Eltern
Wien (SK) "Kinder werden beim Streit um die gemeinsame Obsorge einem
Loyalitätskonflikt zwischen Mutter und Vater ausgesetzt. Kinder haben
ein Recht auf klare Verhältnisse auch nach der Trennung der Eltern",
erklärte SPÖ-Abgeordnete und Familiensprecherin der Österreichischen
Kinderfreunde, Gabriele Binder, anlässlich der heutigen Debatte über
die gemeinsame Obsorge im Justizausschuss gegenüber dem
SPÖ-Pressedienst. ****
Bisher habe in 90 Prozent der Fälle die Mutter das Sorgerecht und
damit auch die Pflichten des täglichen Lebens für das Kind alleine
erhalten. Aus Studien gehe hervor, dass 40 Prozent der Kinder drei
Jahre nach der Scheidung ihrer Eltern keinen Kontakt mehr zum nicht
obsorgeberechtigten Elternteil, meist dem Vater, hat. "Für die
betroffenen Kinder wäre ein regelmäßiger und konfliktfreier Kontakt
zu beiden Eltern wünschenswert, doch dies lässt sich nicht per Gesetz
erzwingen" ist Binder überzeugt.
"Die Kinder leiden unter einer Trennung am meisten, doch noch mehr
leiden sie unter den Streitigkeiten ihrer Eltern", stellte Binder
fest. Wenn die gemeinsame Obsorge zum Regelfall wird, sei zu
befürchten, dass alte Familienkonflikte weiterhin und verstärkt auf
dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. Es würde das Kind auch
weiterhin nur bei einem Elternteil leben, dieser hätte die
überwiegende Verantwortung und die tägliche Versorgung zu leisten,
müsste jedoch jederzeit gewärtig sein, dass seine Entscheidungen vom
anderen Elternteil angefochten und aufgehoben werden. Die
Entscheidung der Gerichte im Streitfall könnte auf Grund der bereits
derzeitigen Überlastung sicher nicht in angemessenem Tempo erfolgen,
was Kinder und Eltern in einen inakzeptablen Zustand der
Orientierungslosigkeit drängt und ein erhöhtes Konfliktpotenzial
darstellt.
"Es darf nicht sein, dass Konflikte, die zu einer Scheidung geführt
haben, auch nach der Trennung weitergeführt werden. Deswegen sind
klare Verhältnisse nach einer Scheidung unbedingt notwendig, damit
die Kinder nicht zum Spielball fortgesetzter Ehestreitigkeiten
werden", erklärte Binder abschließend. (Schluss) ns/mp
Rückfragehinweis: Pressedienst der SPÖ
Tel.: (01) 53427-275
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