FORMAT: Ed Fagan klagt namens ungarischer Opfer auf Restitution.

Arisierungs-Sammelklage im Streitwert von 80 Milliarden Schilling. Erstmals ist auch die Oesterreichische Nationalbank geklagt

Wien (OTS) - Der New Yorker Sammelkläger Edward Fagan klagt die Republik Österreich, das Dorotheum, die ÖIAG, österreichische Banken sowie erstmals auch die Oesterreichische Nationalbank im Rahmen einer Sammelklage auf fünf Milliarden Dollar oder umgerechnet rund 80 Milliarden Schilling.

Wie das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, bringt Fagan die Sammelklage am Montag, 13.11. 2000, namens des ungarischen jüdischen Opferverbandes "Maszok" bei einem New Yorker Gericht ein. Am selben Tag beginnen in Washington die ersten Gespräche zwischen Österreichs Sonderbotschafter für Restitutionsfragen, Ernst Sucharipa, und US-Staatssekretär Stuart Eizenstat. Ziel der Sammelklage ist es, Entschädigungsleistungen für von den Nationalsozialisten "arisiertes" Vermögen zu erhalten. Erstmals treten als Kläger nicht einzelne Opfer auf, sondern ein Verband.

Der Vorsitzende von "Maszok", Gabor Sebes, begründet den Schritt, Republik und Unternehmen zu klagen, gegenüber FORMAT so: "Uns geht es um das in Ungarn geraubte und nach Österreich verschleppte Eigentum ungarischer Juden. Wir haben damals unsere eigene Ausrottung bezahlt." Daß "Maszok" zwar an den Zwangsarbeiterverhandlungen teilgenommen hat, "zu den jetzigen Gesprächen über die Arisierungsentschädigungen aber nicht eingeladen ist" (Sebes), hat Sebes zur Klagseinbringung gebracht. Sebes in FORMAT: "Wir wollen nicht um unsere Teilnahme streiten. Deshalb haben wir jetzt eben geklagt."

Sonderbotschafter Sucharipa zeigt sich laut FORMAT gelassen - und spricht von einer "fast konstruktiven Klage". Sucharipa im FORMAT:
"Mich stört diese Klage nicht. So wird wenigstens die Frage beantwortet, was konkret von Österreich verlangt wird. Das wurde uns nämlich noch nicht gesagt."

Die Notenbank wird laut Fagan aufgrund von dokumentierten Vorfällen im November 1946 belangt. Damals habe die Salzburger Zweigstelle der Notenbank Gold- und Silberbestände von der amerikanischen Militärverwaltung im Wert von rund 437.000 Dollar übernommen. Die Wertgegenstände hätten aus dem legendären "ungarischen Goldzug" gestammt: Ein mit geraubtem Vermögen beladener Zug, den ungarische Faschisten und flüchtende Nazis vor Kriegsende nach Westen losgeschickt hatten und der bei Werfen von der 5. Armee beschlagnahmt wurde. Bis heute ist nicht restlos geklärt, welche dieser ungarischen Juden geraubten Pretiosen Österreich Ungarn noch schuldet. Ein Sprecher der Notenbank laut FORMAT: "Wir werden die Fakten und die Rechtslage prüfen, wenn wir die Klage kennen."

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Renate Graber
TEl.: 0699 / 10 / 63-86-93.FORMAT

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMT/OTS