- 12.11.2000, 08:00:05
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FORMAT: Ed Fagan klagt namens ungarischer Opfer auf Restitution.
Arisierungs-Sammelklage im Streitwert von 80 Milliarden Schilling. Erstmals ist auch die Oesterreichische Nationalbank geklagt
Wien (OTS) - Der New Yorker Sammelkläger Edward Fagan klagt die
Republik Österreich, das Dorotheum, die ÖIAG, österreichische Banken
sowie erstmals auch die Oesterreichische Nationalbank im Rahmen einer
Sammelklage auf fünf Milliarden Dollar oder umgerechnet rund 80
Milliarden Schilling.
Wie das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden
Ausgabe berichtet, bringt Fagan die Sammelklage am Montag, 13.11.
2000, namens des ungarischen jüdischen Opferverbandes "Maszok" bei
einem New Yorker Gericht ein. Am selben Tag beginnen in Washington
die ersten Gespräche zwischen Österreichs Sonderbotschafter für
Restitutionsfragen, Ernst Sucharipa, und US-Staatssekretär Stuart
Eizenstat. Ziel der Sammelklage ist es, Entschädigungsleistungen für
von den Nationalsozialisten "arisiertes" Vermögen zu erhalten.
Erstmals treten als Kläger nicht einzelne Opfer auf, sondern ein
Verband.
Der Vorsitzende von "Maszok", Gabor Sebes, begründet den Schritt,
Republik und Unternehmen zu klagen, gegenüber FORMAT so: "Uns geht es
um das in Ungarn geraubte und nach Österreich verschleppte Eigentum
ungarischer Juden. Wir haben damals unsere eigene Ausrottung
bezahlt." Daß "Maszok" zwar an den Zwangsarbeiterverhandlungen
teilgenommen hat, "zu den jetzigen Gesprächen über die
Arisierungsentschädigungen aber nicht eingeladen ist" (Sebes), hat
Sebes zur Klagseinbringung gebracht. Sebes in FORMAT: "Wir wollen
nicht um unsere Teilnahme streiten. Deshalb haben wir jetzt eben
geklagt."
Sonderbotschafter Sucharipa zeigt sich laut FORMAT gelassen - und
spricht von einer "fast konstruktiven Klage". Sucharipa im FORMAT:
"Mich stört diese Klage nicht. So wird wenigstens die Frage
beantwortet, was konkret von Österreich verlangt wird. Das wurde uns
nämlich noch nicht gesagt."
Die Notenbank wird laut Fagan aufgrund von dokumentierten Vorfällen
im November 1946 belangt. Damals habe die Salzburger Zweigstelle der
Notenbank Gold- und Silberbestände von der amerikanischen
Militärverwaltung im Wert von rund 437.000 Dollar übernommen. Die
Wertgegenstände hätten aus dem legendären "ungarischen Goldzug"
gestammt: Ein mit geraubtem Vermögen beladener Zug, den ungarische
Faschisten und flüchtende Nazis vor Kriegsende nach Westen
losgeschickt hatten und der bei Werfen von der 5. Armee beschlagnahmt
wurde. Bis heute ist nicht restlos geklärt, welche dieser ungarischen
Juden geraubten Pretiosen Österreich Ungarn noch schuldet. Ein
Sprecher der Notenbank laut FORMAT: "Wir werden die Fakten und die
Rechtslage prüfen, wenn wir die Klage kennen."
Rückfragehinweis: FORMAT
Renate Graber
TEl.: 0699 / 10 / 63-86-93.
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