• 31.10.2000, 10:12:39
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ÖGB-Csörgits: Gesundheit älterer ArbeitnehmerInnen schützen

Betriebliche Gesundheitsförderung hat oberste Priorität

Wien (ÖGB). "In Zeiten, in denen unter dem Motto 'zu alt für die
Arbeit - zu jung für die Pension' gerade ältere ArbeitnehmerInnen
massiv verunsichert werden, muss neu über Gesundheitsvorsorge bei der
Arbeit nachgedacht werden", fordert ÖGB-Vizepräsidentin und
ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits im Rahmen der
ÖGB-AK-Veranstaltung 'Gesund bleiben in der Arbeitswelt...' heute,
Dienstag, in Wien.++++

Die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur mache es notwendig,
schleunigst geeignete Maßnahmen für die Gesundheitsförderung älterer
ArbeitnehmerInnen zu ergreifen. Denn schon in zehn Jahren werde es in
der Altersgruppe der 25-bis 45-Jährigen 400.000 ArbeitnehmerInnen
weniger geben, erläutert Csörgits. "Dementsprechend werden einige
hunderttausend ältere ArbeitnehmerInnen mehr als heute im
Arbeitprozess stehen. Dieser Entwicklung kann nur mit einer
forcierten Präventionspolitik Rechnung getragen werden", so Csörgits
weiter.

Dass Ältere heute am Arbeitsmarkt massiv benachteiligt würden,
liege auf der Hand, ist Csörgits überzeugt: "Ältere werden leichter
aus dem Arbeitsmarkt gedrängt als jüngere ArbeitnehmerInnen,
gleichzeitig ist die Dauer der Arbeitslosigkeit von Personen über 50
Jahren etwa dreimal so lang wie jene von jüngeren. Oft können ältere
Arbeitslose vor der Pension überhaupt keinen Job mehr finden. Krank
und arbeitslos in Pension zu gehen ist in diesem Land schon lange
kein Einzelschicksal mehr."

Die derzeitige Regierung habe auf die schwierige Lage vieler
älterer ArbeitnehmerInnen in den letzen Monaten sehr
menschenfeindlich reagiert. So sei etwa die Frühpension wegen
verminderter Arbeitsfähigkeit einfach abgeschafft worden. Dies führe
zu einer inakzeptablen Verschärfung der Lebenssituation vieler
Menschen. "Aber", so Csörgits weiter, "auch die überfallsartige
Anhebung des Pensionsalters samt Kürzung hat dazu geführt, dass viele
Ältere, die keine Arbeit mehr finden, am Ende ihres Erwerbslebens
empfindliche finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. So wird durch das
Belastungspaket der derzeitigen Regierung enormes menschliches Leid
verursacht."

Bisher seien die unbestreitbaren Qualitäten älterer
ArbeitnehmerInnen nicht ausreichend gefördert und genützt worden.
Statt dessen gäbe es immer noch viele unrichtige Vorurteile gegen die
Älteren am Arbeitsmarkt. "Dabei", korrigiert Csörgits, "haben Ältere
mehr Berufserfahrung und zeichnen sich oft durch eine besondere
persönliche Beziehung zur Arbeit aus. Sie verfügen über wertvolle
Qualifikationen wie Teamgeist, Überblickswissen und soziale
Kompetenz."

Die Globalisierung stelle an alle ArbeitnehmerInnen völlig neue
Anforderungen. Auf diese müsse man auch im Rahmen der betrieblichen
Gesundsheitsvorsorge Rücksicht nehmen, fordert Csörgits:
"Gesundheitsförderung muss während des gesamten Arbeitslebens
stattfinden, und nicht erst, wenn im Alter der Blutdruck ruiniert ist
oder stressbedingte Magenbeschwerden chronisch geworden sind. In der
heutigen Arbeitswelt ist aber vor allem die Psyche vielfältigen
Gesundheitsgefahren ausgeliefert."

Von Seiten der Gewerkschaften gebe es zahlreiche gute Vorschläge
zu einer Verbesserung des ArbeitnehmerInnenschutzes. "Wir wollen
gesundheitsfördernde Maßnahmen dort, wo die Belastungen am größten
sind." Daher fordert der ÖGB:
Eine Obergrenze von 25 kg für alle Lasten, die händisch getragen
werden müssen, vor allem in der Baubranche.
Strengere Kontrollen und Schwerpunktaktionen durch das
Arbeitsinspektorat im Bereich Handel und Verkauf.
Psychische Belastungen sollen körperlichen Gesundheitsgefahren
gleichgestellt werden.
Berücksichtigung von Alterskriterien am Arbeitsplatz bei
Weiterbildung und Gesundheitsförderungsprojekten.
Öffentliche Förderungen und Aufträge nur an Betriebe, die
gesundheitsfördernde Arbeitszeiten nachweisen können und die
Verankerung von gesundheitsfördernder Arbeitszeit im
Arbeitnehmerschutzrecht und in der Arbeitsverfassung.
"Durch die Umsetzung dieser Forderungen kommen wir unserem Ziel 'Alt
werden- gesund bleiben' ein Stück näher", gibt sich Csörgits
optimistisch. (hk)

ÖGB, 31. Oktober 2000
Nr. 906

Rückfragehinweis: ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Mag. Heidemarie Kargl
Tel. (01) 534 44/480 DW
Fax.: (01) 533 52 93
E-Mail: [email protected]
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