ÖGB-Csörgits: Gesundheit älterer ArbeitnehmerInnen schützen

Betriebliche Gesundheitsförderung hat oberste Priorität

Wien (ÖGB). "In Zeiten, in denen unter dem Motto 'zu alt für die Arbeit - zu jung für die Pension' gerade ältere ArbeitnehmerInnen massiv verunsichert werden, muss neu über Gesundheitsvorsorge bei der Arbeit nachgedacht werden", fordert ÖGB-Vizepräsidentin und ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits im Rahmen der ÖGB-AK-Veranstaltung 'Gesund bleiben in der Arbeitswelt...' heute, Dienstag, in Wien.++++

Die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur mache es notwendig, schleunigst geeignete Maßnahmen für die Gesundheitsförderung älterer ArbeitnehmerInnen zu ergreifen. Denn schon in zehn Jahren werde es in der Altersgruppe der 25-bis 45-Jährigen 400.000 ArbeitnehmerInnen weniger geben, erläutert Csörgits. "Dementsprechend werden einige hunderttausend ältere ArbeitnehmerInnen mehr als heute im Arbeitprozess stehen. Dieser Entwicklung kann nur mit einer forcierten Präventionspolitik Rechnung getragen werden", so Csörgits weiter.

Dass Ältere heute am Arbeitsmarkt massiv benachteiligt würden, liege auf der Hand, ist Csörgits überzeugt: "Ältere werden leichter aus dem Arbeitsmarkt gedrängt als jüngere ArbeitnehmerInnen, gleichzeitig ist die Dauer der Arbeitslosigkeit von Personen über 50 Jahren etwa dreimal so lang wie jene von jüngeren. Oft können ältere Arbeitslose vor der Pension überhaupt keinen Job mehr finden. Krank und arbeitslos in Pension zu gehen ist in diesem Land schon lange kein Einzelschicksal mehr."

Die derzeitige Regierung habe auf die schwierige Lage vieler älterer ArbeitnehmerInnen in den letzen Monaten sehr menschenfeindlich reagiert. So sei etwa die Frühpension wegen verminderter Arbeitsfähigkeit einfach abgeschafft worden. Dies führe zu einer inakzeptablen Verschärfung der Lebenssituation vieler Menschen. "Aber", so Csörgits weiter, "auch die überfallsartige Anhebung des Pensionsalters samt Kürzung hat dazu geführt, dass viele Ältere, die keine Arbeit mehr finden, am Ende ihres Erwerbslebens empfindliche finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. So wird durch das Belastungspaket der derzeitigen Regierung enormes menschliches Leid verursacht."

Bisher seien die unbestreitbaren Qualitäten älterer ArbeitnehmerInnen nicht ausreichend gefördert und genützt worden. Statt dessen gäbe es immer noch viele unrichtige Vorurteile gegen die Älteren am Arbeitsmarkt. "Dabei", korrigiert Csörgits, "haben Ältere mehr Berufserfahrung und zeichnen sich oft durch eine besondere persönliche Beziehung zur Arbeit aus. Sie verfügen über wertvolle Qualifikationen wie Teamgeist, Überblickswissen und soziale Kompetenz."

Die Globalisierung stelle an alle ArbeitnehmerInnen völlig neue Anforderungen. Auf diese müsse man auch im Rahmen der betrieblichen Gesundsheitsvorsorge Rücksicht nehmen, fordert Csörgits:
"Gesundheitsförderung muss während des gesamten Arbeitslebens stattfinden, und nicht erst, wenn im Alter der Blutdruck ruiniert ist oder stressbedingte Magenbeschwerden chronisch geworden sind. In der heutigen Arbeitswelt ist aber vor allem die Psyche vielfältigen Gesundheitsgefahren ausgeliefert."

Von Seiten der Gewerkschaften gebe es zahlreiche gute Vorschläge zu einer Verbesserung des ArbeitnehmerInnenschutzes. "Wir wollen gesundheitsfördernde Maßnahmen dort, wo die Belastungen am größten sind." Daher fordert der ÖGB:
Eine Obergrenze von 25 kg für alle Lasten, die händisch getragen werden müssen, vor allem in der Baubranche.
Strengere Kontrollen und Schwerpunktaktionen durch das Arbeitsinspektorat im Bereich Handel und Verkauf.
Psychische Belastungen sollen körperlichen Gesundheitsgefahren gleichgestellt werden.
Berücksichtigung von Alterskriterien am Arbeitsplatz bei Weiterbildung und Gesundheitsförderungsprojekten.
Öffentliche Förderungen und Aufträge nur an Betriebe, die gesundheitsfördernde Arbeitszeiten nachweisen können und die Verankerung von gesundheitsfördernder Arbeitszeit im Arbeitnehmerschutzrecht und in der Arbeitsverfassung.
"Durch die Umsetzung dieser Forderungen kommen wir unserem Ziel 'Alt werden- gesund bleiben' ein Stück näher", gibt sich Csörgits optimistisch. (hk)

ÖGB, 31. Oktober 2000
Nr. 906

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