AK Tumpel: Sparen beim Arbeitnehmerschutz heißt am falschen Fleck sparen - 1

AK fordert arbeitspsychologische Betreuung

Wien (AK) - "Ein effektiver Arbeitnehmerschutz spart Leid und
enorme Kosten", betonte AK Präsident Herbert Tumpel heute Dienstag bei einer Veranstaltung von AK und ÖGB zum Thema "Gesund bleiben in der Arbeitswelt". Statt Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz noch weiter auszubauen, soll der ArbeitnehmerInnenschutz demontiert und auf massives Betreiben seitens der Wirtschaft aufgeweicht werden. Entgegen den Ratschlägen der Experten will die Wirtschaft bei Sicherheitskräften und Arbeitsmediziner sparen, die Ermittlung und die Beurteilung möglicher Gefahren soll zum Teil gänzlich eingespart werden. Das könnte wieder zu mehr Unfällen und Berufserkrankungen und damit zu erheblichen Mehrkosten für Betriebe und Volkswirtschaft führen. Auch gegen eine Aufnahme von Arbeitspsychologen in das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz stemmt sich die Wirtschaftskammer, obwohl psychische Arbeitsbelastungen immer mehr im Vormarsch und häufig Ursache für Arbeitsunfälle und Erkrankungen sind. Bereits fast jeder dritte Arbeitnehmer leidet darunter. Statt der geforderten Einschränkung des ArbeitnehmerInnenschutzrechtes fordert Tumpel eine Ausweitung in Richtung Einführung von Arbeitspsychologen: "Es geht um den Schutz der Menschen am Arbeitsplatz, es geht um die Absicherung unseres sozialen Systems. Deshalb ist es immer wichtiger, dass die Beschäftigten in der Arbeitswelt länger gesund bleiben und länger im Beruf sein können."****

Seit Einführung des neuen ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes 1994 ist die Zahl der Arbeitsunfälle österreichweit ständig zurückgegangen. Dadurch wurde viel menschliches Leid verhindert. Gleichzeitig haben sich die Betriebe und die Volkswirtschaft Kosten in Milliardenhöhe erspart, so Tumpel. Jetzt gibt es massive Bestrebungen, diese Schutzbestimmungen wieder aufzuweichen und den Arbeitnehmerschutz zu demontieren. Die Vorschläge von Regierung und Arbeitgeberseite laufen darauf hinaus, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz einzudämmen statt laufend auszubauen. "Wer beim Arbeitnehmerschutz spart, spart am falschen Fleck", verweist Tumpel neben dem persönlichen Leid auf die hohen Folgekosten für Arbeitsunfälle und Berufserkrankungen.

Mit der Verlagerung der Arbeitnehmerschutzkompetenzen und der Arbeitsinspektion in das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit wurde offensichtlich die Richtung vorgegeben. Nicht mehr der Arbeitnehmer soll im Mittelpunkt des Arbeitnehmerschutzes stehen, sondern der größtmögliche Vorteil für die Unternehmer. In diese Richtung gehe auch die geplante Senkung des Arbeitgeber-Beitrages zur Unfallversicherung, kritisiert der AK Präsident: "Das bringt den Arbeitgebern 1,7 Milliarden, geht aber zu Lasten der Arbeitnehmer, weil die AUVA damit gezwungen wird, bei der Prävention zu sparen."

Geht es nach der Wirtschaft sollte es künftig um ein Viertel weniger Sicherheitsfachkräfte und um ein Drittel weniger Arbeitsmediziner geben, sollten die Arbeitsinspektorate nur mehr eine Service- und Dienstleistungeinrichtung der Unternehmen sein, sowie die Ermittlung und Beurteilung möglicher Gefahren eingeschränkt werden und bei Betrieben bis zu 10 Arbeitnehmer völlig entfallen. Damit werde nicht nur gegen EU-Recht verstossen, damit kommt es zu einem massiven Rückschritt in der Bekämpfung von Arbeitsunfällen, erklärt Tumpel und kündigt massiven Widerstand von AK und ÖGB an.

Ausbauen statt sparen - neuen Tendenzen Rechnung tragen

Die Arten der Gesundheitsgefährdung am Arbeitsplatz ändern sich ständig, betont AK Präsident Tumpel. Standen vor 10 Jahren noch sicherheitstechnische Mängel im Vordergrund, kommt es nun europaweit zu einer deutlichen Zunahme von psychischer Arbeitsbelastung, von Stress und Arbeitsdruck. Das sind Belastungen die immer wieder in gefährliche Herz- und Kreislauferkrankungen münden. Tumpel fordert die Verbesserung der psychologischen Versorgung der Arbeitnehmer in den Betrieben und die Einrichtung von Arbeitspsychologen als dritte Präventivkraft im ArbeitnehmerInnenschutzrecht neben den Sicherheitsvertrauenspersonen und den Arbeitsmedizinern.

(Forts. mgl.)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 501 65-2578
email: akpresse@akwien.or.at
http://www.akwien.atAK Wien Presse T. Angerer

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW/AKW