- 31.10.2000, 09:40:00
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AK Tumpel: Sparen beim Arbeitnehmerschutz heißt am falschen Fleck sparen - 1
AK fordert arbeitspsychologische Betreuung
Wien (AK) - "Ein effektiver Arbeitnehmerschutz spart Leid und
enorme Kosten", betonte AK Präsident Herbert Tumpel heute Dienstag
bei einer Veranstaltung von AK und ÖGB zum Thema "Gesund bleiben in
der Arbeitswelt". Statt Sicherheit und Gesundheitsschutz am
Arbeitsplatz noch weiter auszubauen, soll der ArbeitnehmerInnenschutz
demontiert und auf massives Betreiben seitens der Wirtschaft
aufgeweicht werden. Entgegen den Ratschlägen der Experten will die
Wirtschaft bei Sicherheitskräften und Arbeitsmediziner sparen, die
Ermittlung und die Beurteilung möglicher Gefahren soll zum Teil
gänzlich eingespart werden. Das könnte wieder zu mehr Unfällen und
Berufserkrankungen und damit zu erheblichen Mehrkosten für Betriebe
und Volkswirtschaft führen. Auch gegen eine Aufnahme von
Arbeitspsychologen in das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz stemmt sich
die Wirtschaftskammer, obwohl psychische Arbeitsbelastungen immer
mehr im Vormarsch und häufig Ursache für Arbeitsunfälle und
Erkrankungen sind. Bereits fast jeder dritte Arbeitnehmer leidet
darunter. Statt der geforderten Einschränkung des
ArbeitnehmerInnenschutzrechtes fordert Tumpel eine Ausweitung in
Richtung Einführung von Arbeitspsychologen: "Es geht um den Schutz
der Menschen am Arbeitsplatz, es geht um die Absicherung unseres
sozialen Systems. Deshalb ist es immer wichtiger, dass die
Beschäftigten in der Arbeitswelt länger gesund bleiben und länger im
Beruf sein können."****
Seit Einführung des neuen ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes 1994 ist
die Zahl der Arbeitsunfälle österreichweit ständig zurückgegangen.
Dadurch wurde viel menschliches Leid verhindert. Gleichzeitig haben
sich die Betriebe und die Volkswirtschaft Kosten in Milliardenhöhe
erspart, so Tumpel. Jetzt gibt es massive Bestrebungen, diese
Schutzbestimmungen wieder aufzuweichen und den Arbeitnehmerschutz zu
demontieren. Die Vorschläge von Regierung und Arbeitgeberseite laufen
darauf hinaus, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz am
Arbeitsplatz einzudämmen statt laufend auszubauen. "Wer beim
Arbeitnehmerschutz spart, spart am falschen Fleck", verweist Tumpel
neben dem persönlichen Leid auf die hohen Folgekosten für
Arbeitsunfälle und Berufserkrankungen.
Mit der Verlagerung der Arbeitnehmerschutzkompetenzen und der
Arbeitsinspektion in das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit wurde
offensichtlich die Richtung vorgegeben. Nicht mehr der Arbeitnehmer
soll im Mittelpunkt des Arbeitnehmerschutzes stehen, sondern der
größtmögliche Vorteil für die Unternehmer. In diese Richtung gehe
auch die geplante Senkung des Arbeitgeber-Beitrages zur
Unfallversicherung, kritisiert der AK Präsident: "Das bringt den
Arbeitgebern 1,7 Milliarden, geht aber zu Lasten der Arbeitnehmer,
weil die AUVA damit gezwungen wird, bei der Prävention zu sparen."
Geht es nach der Wirtschaft sollte es künftig um ein Viertel
weniger Sicherheitsfachkräfte und um ein Drittel weniger
Arbeitsmediziner geben, sollten die Arbeitsinspektorate nur mehr eine
Service- und Dienstleistungeinrichtung der Unternehmen sein, sowie
die Ermittlung und Beurteilung möglicher Gefahren eingeschränkt
werden und bei Betrieben bis zu 10 Arbeitnehmer völlig entfallen.
Damit werde nicht nur gegen EU-Recht verstossen, damit kommt es zu
einem massiven Rückschritt in der Bekämpfung von Arbeitsunfällen,
erklärt Tumpel und kündigt massiven Widerstand von AK und ÖGB an.
Ausbauen statt sparen - neuen Tendenzen Rechnung tragen
Die Arten der Gesundheitsgefährdung am Arbeitsplatz ändern sich
ständig, betont AK Präsident Tumpel. Standen vor 10 Jahren noch
sicherheitstechnische Mängel im Vordergrund, kommt es nun europaweit
zu einer deutlichen Zunahme von psychischer Arbeitsbelastung, von
Stress und Arbeitsdruck. Das sind Belastungen die immer wieder in
gefährliche Herz- und Kreislauferkrankungen münden. Tumpel fordert
die Verbesserung der psychologischen Versorgung der Arbeitnehmer in
den Betrieben und die Einrichtung von Arbeitspsychologen als dritte
Präventivkraft im ArbeitnehmerInnenschutzrecht neben den
Sicherheitsvertrauenspersonen und den Arbeitsmedizinern.
(Forts. mgl.)
Rückfragehinweis: AK Wien Presse T. Angerer
Tel.: (01) 501 65-2578
email: [email protected]
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