Symposion: Freizeitforschung "Bewegte Zeiten. Arbeit und Freizeit nach der Moderne" am 3. und 4. November 2000

Wien (OTS) - Symposium "Bewegte Zeiten
im Österreichischen Museum für Volkskunde,
Laudongasse 15-19, 1080 Wien

Infoline: Sabine Gruber Tel. (01) 4812692, Email:sabine.gruber@kulturwissenschaft.at
Klara Löffler Tel. (01) 4277-44010,
Email: klara.loeffler@univie.ac.at

Schlagwörter

Die Produktion von Faustformeln läuft auf Hochtouren: Da wird das "Ende der Arbeit" angesagt ebenso wie das "Ende der Freizeit". Einmal ist die Rede von einer lustorientierten Freizeitgesellschaft, einmal von der sogenannten MTV-Generation in einer New Economy, für die Arbeit im Zentrum ihres Denkens steht (in der ZEIT vom 7.9.2000). Und wie es bei Schlagwörtern so ist: Sie alle haben zwar einen wahren Kern: Nach dem Bericht des Club of Rome 1998 gibt es in den Industrieländern 35 Mio. Arbeitslose; gleichzeitig nimmt nach den Ergebnissen des Gelsenkirchener Instituts für Arbeit und Technik aus dem Jahr 2000 die faktische Arbeitszeit vor allem der Hochqualifizierten permanent dazu.

Wirklichkeiten

Solche Faustformeln gehen dennoch selten auf, sie können nicht aufgehen, weil sie immer von dem einen, der Arbeit, oder dem anderen, der Freizeit, handeln. Doch sind die Verhältnisse längst in Bewegung. In gegenwärtigen Alltagen und Biographien ist die strikte Unterscheidung zwischen Arbeitszeit und Freizeit hinfällig. Selbstbewußtsein und Lebensfreude beziehen die Einzelnen je nach Alter, Beruf und Geschlecht einmal mehr aus der Arbeitserfahrung und einmal mehr aus dem Freizeiterlebnis. Wer also etwas über zeitgenössisches Freizeitverhalten wissen will, der muß nach der Arbeitssituation der Menschen fragen. Dieser Satz gilt auch in der Umkehrung.

Symposion

Dieses Ineinandergreifen von Arbeit und Freizeit wird hier von Philosophen, Soziologen, Historikern und vor allem Ethnographen zum Thema gemacht. Zur Debatte steht die subjektive Logik von Zeitmustern, in denen sich Freizeitideale und Arbeitsbilder verbinden, von Zeitmustern in unterschiedlichen biographischen und beruflichen Situationen. Dazu verknüpft die Veranstaltung mehrere Darstellungs- und Diskussionsformen. In Vorträgen ist der grundlegenden Frage nach Arbeit und Freizeit in modernen, individuellen Identitätspolitiken breiter Raum gegeben. Im Zentrum der Veranstaltung stehen Impulsreferate und Publikumsdiskussionen, die sich auf das ethnographische Moment und die Bedeutung biographischen Wissens konzentrieren und gleichzeitig gegenwartsspezifische Phänomene in ihren historischen Zusammenhängen erläutern sollen. Zielgruppe der Veranstaltung ist nicht nur ein fachspezifisches Publikum, auch Personen und Gruppen aus den Bereichen von Freizeitwirtschaft und -politik (die unserem Verständnis nach nicht zu trennen ist von Arbeitspolitik) sollen angesprochen werden.

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