Keine Schonung der "kleinen Leute" in der Kunst- und Medienbranche

Arbeitslose Künstler: Bitte warten

Wien (KMSfB/ÖGB). Als hätten sie es nicht schon schwer genug, wird das untere Drittel der Einkommensbezieher in Österreich durch die Einführung einer Wartefrist auf das Arbeitslosengeld noch einmal schwer belastet.++++

Im Klartext: Wer in Zukunft seinen Dienstvertrag einvernehmlich löst oder in einem befristeten Dienstverhältnis arbeitet, wird am Ende bestraft. Bisher mußten nur diejenigen diese Wartefrist in Kauf nehmen, die die Arbeitslosigkeit selbst verschuldet haben. Jetzt sind nicht nur die klassischen Saisonarbeiter im Tourismus und in der Baubranche betroffen, sondern rund 80.000 Frauen, die als Aushilfskräfte oder Karenzvertretung arbeiten und viele Beschäftigte in sogenannten "Neuen Berufen" (Informationstechnologie) und auch alle Bühnendienstverhältnisse nach dem Schauspielergesetz und befristete Dienstverhältnisse im gesamten Kunst- und Medienbereich. Tausende Schauspieler, Tänzer, etc. würden in den Ruin getrieben!

Die derzeitige Regierung kündigte eine "Abfederung" für jene an, die mehr als einmal pro Jahr betroffen wären oder deren Arbeitsverhältnisse kürzer als 62 Tage dauern. Aber: Nach den bisherigen Erfahrungen besteht kein Zweifel, dass es trotzdem zu Verlusten bei Einkommen und sozialer Absicherung kommen würde.

In der Informationstechnologie arbeiten vornehmlich junge Leute, oft als "Neue Selbständige" oder auch mehrfach geringfügig Beschäftigte mit 3.977 Schilling im Monat ohnehin nur minimal sozialversichert. Für sie wäre der zusätzliche Ausfall eines Monats auch mit "Abfederung" eine Katastrophe. Auch in der Filmbranche gibt es so gut wie ausschließlich befristete Arbeitsverträge und eine hohe Arbeitslosigkeit, kombiniert mit der erfolgten drastischen Reduktion der Filmförderung wird die angespannte soziale Situation weiter verschärft.

KMSfB-Vors.-Stv. Rudi Widmar: "Bei einem Filmprojekt über zwei bis drei Monate muss sich ein Kleindarsteller oder eine technische Hilfskraft in Zukunft überlegen, ob sie sich ein Engagement überhaupt leisten kann. Angenommen, pro Jahr gibt es drei Projekte, die je zwei bis drei Monate dauern und von jeweils zwei Monaten Arbeitslosigkeit unterbrochen werden: Dann reduziert sich das Einkommen um ein Sechstel. Keiner in unserer Branche kann es sich leisten, nur für ein paar Monate zu arbeiten und dann ein Monat kein Geld zu bekommen. Diese Gesetzesänderung führt für viele direkt zu Verzweiflung und Armut." Dazu: Schon bei einem Partnereinkommen von 13.000 Schilling fällt der Anspruch auf Notstandshilfe zur Gänze weg!

Rudi Widmar: "Die Regierung bittet die Arbeitnehmer zur Kasse. Von einer Schonung der sogenannten 'kleinen Leute' ist keine Rede mehr! Diese Regelung muss zurückgenommen werden".

Die Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe hat daher Briefe an alle Abgeordneten zum Nationalrat gerichtet, in denen noch einmal nachdrücklich auf die Mitschuld an dem zu erwartenden Elend bei der Zustimmung zu dieser Gesetzesänderung hingewiesen wird.

ÖGB, 19. Oktober 2000
Nr. 883

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