Rieder: 10 Jahre Ganslwirt ist Erfolgs-Story

"Bundesregierung zertrümmert mit falscher Drogenpolitik Erfolge der letzten 10 Jahre"

Wien, (OTS) "10 Jahre Ganslwirt bedeuten 10 Jahre erfolgreichste Drogenarbeit", erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Freitag im Rahmen einer Medienkonferenz anlässlich 10 Jahre Verein Wiener Sozialprojekte mit den Teilprojekten "Ganslwirt", "Fix und Fertig", "Betreutes Wohnen" "Streetwork" und "ChEck iT", in denen es in den letzten 10 Jahren über eine Million Kontakte mit Suchtkranken gab. Zur Zeit sind
rund 100 Mitarbeiter bei den 5 Projekten beschäftigt.

"Besonders freut mich, dass auch die Wiener Bevölkerung dies so sieht und unsere Drogenpolitik - das heißt Hilfe für Drogenkranke und Verfolgung von organisierter Drogenkriminalität -unterstützt", so Rieder weiter. "Deswegen ist es umso unverständlicher, dass die neue Bundesregierung diesen erfolgreichen auch international anerkannten Weg verlässt und mit von allen Experten vehement abgelehnten Forderungen, wie Gefängnis für Drogenkranke oder Abschaffung der Therapieeinrichtungen, die Erfolge der letzten 10 Jahre zertrümmert." Rieder: "Es ist an der Zeit, dass die Minister Böhmdorfer und Waneck erkennen, dass mit einer reinen Repressionspolitik keinem einzigen Drogenkranken geholfen ist. Ich empfehle den freiheitlichen Drogenexperten einen Blick in den jüngst vorgestellten europäischen Drogenbericht 2000, wo ganz klar festgehalten ist, dass Prävention und Schadensminimierung ‚state of the art‘ sind und die von der Bundesregierung forcierte Kriminalisierung kontraproduktiv ist."

An der Medienkonferenz nahmen auch Peter Hacker, Wiener Drogenkoordinator, Dr. Alexander David, Wiener Drogenbeauftragter, Dr. Heinz Wilfing, Obmann des Vereins Wiener Sozialprojekte, und Gerhard Schinnerl, Geschäftsführer des Vereins Wiener Sozialprojekte, teil.****

"Österreich hat bei Drogenkranken niedrigste HIV-Rate aller EU-Länder; Freiheitliche gefährden diesen erfolgreichen Weg"

"In der Gruppe der Drogenkranken, die Substanzen intravenös konsumieren, liegt die Quote der HIV-Positiven in Österreich auf Grund verschiedenster Maßnahmen, wie dem Spritzentauschprogramm, unter zwei Prozent, womit wir eine der geringsten Quoten aller EU-Länder aufweisen", so Rieder. (in anderen EU-Ländern gibt es Quoten bis zu 32 Prozent, so der europäische Drogenbericht 2000) "Setzen sich die Freiheitlichen mit ihrer Kriminalisierungspolitik auch im Drogenbereich durch, so sind all diese Programme gefährdet und wir werden in einigen Jahren nicht nur explodierende Zahlen
bei Aids und Hepatitis haben, sondern auch einen enormen Finanzbedarf um diese Menschen dann zu behandeln."

10 Jahre "Verein Wiener Sozialprojekte" - 1 Million Kontakte mit Suchtkranken - "Gründereltern" Smejkal, Laska, Zilk

Der Verein Wiener Sozialprojekte, zu dem auch der Ganslwirt
im 6. Bezirk gehört, wurde 1990 gegründet, um in Wien neue Wege in der Drogenhilfe beschreiten und flexibel auf neue Problemlagen reagieren zu können. Die Gründereltern des damals heftig umstrittenen Ganslwirts waren Landtagspräsidentin a.D. Ingrid Smejkal, Vizebürgermeisterin Grete Laska und Altbürgermeister Dr. Helmut Zilk.

Der Verein Wiener Sozialprojekte führt Maßnahmen zur sozialen, sozialtherapeutischen und medizinischen Betreuung von Drogenabhängigen und anderen Randgruppen durch. Ziele dieser Betreuung sind die bessere Bewältigung von Krisensituationen, die Verhinderung von Verelendung, die Vermittlung therapeutischer
Hilfe, sowie die gesundheitliche, soziale und berufliche Rehabilitation.

"Die Angst vor Strafverfolgung führt dazu, dass Hilfseinrichtungen erst sehr spät in Anspruch genommen werden. Wir bieten mit unseren Projekten den Suchtkranken konkrete, maßgeschneiderte Hilfe an. Denn nur so ist es möglich, mit den Betroffenen wieder Lebensperspektiven aufzubauen", so Gerhard Schinnerl, Geschäftsführer des Vereins Wiener Sozialprojekte.

Die Grundidee, "Hilfe ohne Wenn und Aber" für Personen mit Drogenproblemen anzubieten, war anfangs noch umstritten, hat sich
im Laufe der 90er Jahre jedoch durchgesetzt. Der Ganslwirt ist
heute eines von mehreren erfolgreichen Projekten des Vereins
Wiener Sozialprojekte: Insgesamt werden im Verein Wiener Sozialprojekte 5 Projekte geführt:

o Ganslwirt - Sozialmedizinisches Zentrum und Notschlafstelle
o Fix und Fertig - Beschäftigungsprojekt
o Streetwork - Straßensozialarbeit
o Betreutes Wohnen - Wohnungsprojekt für obdachlose
o Drogenabhängige
o ChecK iT! - Wissenschaftliches Projekt zur Sekundärprävention

bei synthetischen Drogen

"Ganslwirt" und "Streetwork" betreuen KlientInnen vorwiegend aus der offenen Straßenszene und haben dadurch großen Anteil daran, dass sich die Lage dieser Personengruppe in Wien kontinuierlich verbessert hat. Insgesamt fanden im Rahmen dieser beiden Projekte über 1 Million Kontakte mit Suchtkranken statt.

Der sozialökonomische Betrieb "Fix und Fertig" sowie das Wohnprojekt "Betreutes Wohnen" fördern die Integration
suchtkranker Menschen in den Bereichen Arbeit und Wohnen, "ChEck iT!" bietet Information und Beratung für KonsumentInnen von synthetischen Drogen wie Ecstasy an, mit dem Ziel die auf herkömmlichen Wegen bisher nicht erreichten Konsumenten über die Risiken ihres Konsums zu informieren.

Moderne Drogenpolitik ohne Zwangsbehandlung

Die fünf Einrichtungen bzw. Projekte sind Beispiele dafür, wie "Drogenhilfe ohne Zwangsmaßnahmen" aussehen kann. "Wenn das Konzept und die professionelle Ausführung durch gute Mitarbeiter passen, brauchen Hilfs- und Betreuungsangebote nicht die Kriminalitätskeule im Hintergrund, um erfolgreich zu sein", erklärte Peter Hacker. Auf Grund neuer drogenpolitischer Vorhaben der Bundesregierung, die wieder verstärkt auf Kriminalisierung und Diskriminierung zurückgreifen, steht jedoch zu befürchten, dass der erfolgreiche Arbeitsansatz in Zukunft verhindert wird.

Es begann vor 10 Jahren - mit einem Tabubruch

Bis 1990 war das Wiener Drogenhilfssystem fast ausschließlich abstinenzorientiert, als "Königsweg" galt die stationäre Langzeittherapie. Gemäß der vorherrschenden Meinung sollte nur jenen Personen geholfen werden, die auch bereit und fähig waren, sofort den Drogenkonsum aufzugeben. Das Ergebnis war eine
zunehmende Verelendung der Drogenstraßenszene.

Der 1990 gegründete Ganslwirt hatte ein anderes Leitbild:
Zuerst müsste die Verbesserung der Lebensbedingungen kommen, erst danach könnten tragfähige Lebensperspektiven erarbeitet werden. "Die meisten Suchtkranken wollen ihren Drogenkonsum beenden, aber
es ist eben das typische Krankheitsbild, dass der Patient auf
Grund psychischer und sozialer Störungen nicht sofort dazu in der Lage ist. Auch deshalb ist Sucht eine sozialmedizinische Erkrankung", erläutert Dr. David. "Daher gehören sogenannte schadensminimierende Betreuung und Subtitutionsbehandlung
in jedes moderne Behandlungsnetzwerk für Suchtkranke."

Das Konzept der "Schadensminimierung" ist erfolgreich: Die HIV-Rate ist drastisch gesunken

Mit den Projekten Ganslwirt und Streetwork setzte der Verein Wiener Sozialprojekte erstmals in Österreich niederschwellige, auf Schadensminimierung und Überlebenshilfe basierende Konzepte um. Nicht zuletzt dadurch hat der Verein Wiener Sozialprojekte großen Anteil daran, dass sich die Lage der schwerstabhängigen Personen
in Wien kontinuierlich verbessert hat und sich, im Vergleich zu anderen Großstädten, viele suchtkranke Personen der Straßenszene in Betreuung befinden.

Heute verzeichnen Ganslwirt und Streetwork rund 300 Kontakte pro Tag - 365mal im Jahr - völlig unspektakulär und ohne Probleme mit AnrainerInnen. Die "Safer Use"-Beratung sowie das Spritzentauschprogramm - heute werden täglich etwa 2.600 sterile Einwegspritzen getauscht - sind eine der Hauptursachen dafür, dass die HIV-Rate unter DrogenkonsumentInnen seit Beginn der 90er Jahre dramatisch sinkt. Zudem widmet sich die Sozialmedizinische
Ambulanz im Ganslwirt führend in Österreich dem Thema "Drogenkonsum und Hepatitis".

Integration ist möglich - Bei "Fix und Fertig" beginnt der Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess

Die Arbeit mit und in der "Szene" hat gezeigt, dass die betreuten Personen noch andere Bedürfnisse haben - und dass es nicht bei Schadensminimierung und Überlebenshilfe bleiben muss.

Aufbauend auf diesen Praxiserfahrungen hat der Verein Wiener Sozialprojekte mit Fix und Fertig sowie Betreutes Wohnen Integrationsprojekte in den Bereichen Arbeit und Wohnen
entwickelt, die beweisen, dass Integration auch durch Hilfe in
einem ambulanten Setting - und selbst bei noch aufrechtem Drogenkonsum - möglich ist.

Einschätzungen wie "Drogenabhängige wollen nicht arbeiten" oder "Drogenabhängige können keine Wohnung halten" erwiesen sich -bei entsprechender Betreuung - als falsche Vorurteile. Heute verfügt der Verein über 18 betreute Wohnplätze und bietet täglich 33 Arbeitsplätze an.

ChecK iT! ist internationales Vorzeigeprojekt Nur so können Konsumenten von synthetischen Drogen erreicht werden

Auf den Trend der neuen Modedrogen ("Ecstasy" und andere synthetische Drogen) war es besonders wichtig, flexibel und zielgruppenadäquat zu reagieren. Mit dem europaweit beachteten wissensschaftlichen Projekt ChEck iT! ist es gelungen, bis dato nicht erreichbare KonsumentInnen von synthetischen Drogen zu kontaktieren und Prävention zu leisten. Integraler Bestandteil dieses Projekts ist mit www.checkyourdrugs.at/ die erste österreichische Website zur Drogeninformation und -Aufklärung und detaillierten Warnungen über gefährliche Substanzen.

Eckdaten zu den fünf Projekten des Vereins Wiener Sozialprojekte:

1+2) Ganslwirt und Streetwork 1990 - 2000

o 3.600 Öffnungstage
o 176.000 Kontakte im Ganslwirt-Tageszentrum
o 30.000 Nächtigungen in der Ganslwirt-Notschlafstelle
o 51.000 Kontakte im Ganslwirt-Ambulatorium
o 924.000 Kontakte im Zuge des Spritzentausch-Programms

heute: etwa 300 Kontakte täglich
o 4 Millionen abgegebene sterile Einwegspritzen, davon wurden
o 3,4 Millionen wieder "zurückgetauscht" und sachgerecht entsorgt;

heute: etwa 2.600 abgegebene Spritzen täglich, Rücklaufquote über 90%

3) Fix und Fertig 1993 - 2000

800 verschiedene Personen nahmen das Angebot eines tageweisen Arbeitsplatzes in Anspruch. An 1.600 Arbeitstagen wurden 17.600 Arbeitsplätze vergeben. Das Angebot befriedigt nicht die
Nachfrage: 17.600 zu vergebenen Arbeitsplätzen standen 28.000 Bewerbungen gegenüber. 125 Personen wurden als fix angestellte Transitarbeitskraft betreut. Seit 1993 wurde das Angebot an Trainingsarbeitsplätzen (tageweise oder mit befristeter
Anstellung) ständig erweitert. Stand 2000: 33 Arbeitsplätze

4) Betreutes Wohnen 1996 - 2000

o 56 betreute Personen
o bis dato 20 erfolgreiche Abschlüsse (inkl. Vermittlung in eine

Finalwohnung)
o Seit 1998 verfügt das Projekt über 18 Wohnplätze, die

durchgehend ausgelastet sind.

5) ChEck iT! 1997 - 2000

Aufsuchende Sozialarbeit bei 16 Raves und Clubings
o 900 chemische toxikologische Drogenanalysen
o 3.600 Informations- und Beratungsgespräche

Chronologie des Vereins Wiener Sozialprojekte

o 1990 September: Der "Container" am Karlsplatz wird als Vorläufer

des Ganswirt in Betrieb genommen
o 1990 November: Der Ganswirt wird eröffnet
o 1991 Februar: Die mobile Anlaufstelle (Bus) geht in Betrieb
o 1991 April: Die Nachtstation des Ganslwirt wird eröffnet - der

Ganslwirt ist "fertig"
o 1993 November: Start des sozialökonomischen Betriebs Fix und

Fertig
o 1996 Jänner: Beginn des Aufbaus von Betreutes Wohnen
o 1996 April: Streetwork wird übernommen und mit der mobilen

Anlaufstelle zu einem Projekt zusammengeführt
o 1997 Mai: ChEck iT! beginnt als wissenschaftliches Pilotprojekt
o 1998 August: Die Aufbauphase von Betreutes Wohnen ist

abgeschlossen
o 1999 Juni: Der Verein übersiedelt mit allen Projekten - mit

Ausnahme des Ganslwirt - in die Rotenmühlgasse; Fix und Fertig expandiert weiter
o 1999 Juli: ChEck iT! wird als ein reguläres Projekt im Verein

Wiener Sozialprojekte verankert
(Schluss) mmr

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