ÖGJ deckt Missstände bei der Berufsreifeprüfung auf

Preisunterschiede von bis zu 50 Prozent

Wien (ÖGJ). "Ständig wird davon gesprochen, wie wichtig Bildung und Weiterbildung ist. Schaut man sich die Preise dafür jedoch einmal genauer an, bleibt einem die Luft weg", ist Anita Stavik, Jugendreferentin der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) entsetzt. Genauer unter die Lupe genommen, hat die ÖGJ die Berufsreifeprüfung. "Nachdem wir uns einmal alle Institute, die die Berufsreifeprüfung in Form von Direktunterricht anbieten, angesehen haben, kamen wir zu einem schockierenden Ergebnis. Die Kosten für gleiche Leistungen schwanken zwischen 27.000 und 53.000 Schilling."++++

Angepriesen als der zweite Bildungsweg, als Öffnung einer Bildungssackgasse im dualen Berufsausbildungssystem absolvieren derzeit etwa 5.000 vorwiegend junge Menschen die Vorbereitungskurse zur Berufsreifeprüfung. Stavik: "Die Berufsreifeprüfung gibt es seit 1997. Keiner hat sich jedoch Gedanken gemacht, wie sich Jugendliche, aber auch BerufseinsteigerInnen, bei Kosten bis zu 53.000 Schilling diesen zweiten Bildungsweg leisten sollen." Laut Gesetz ist es möglich, die Vorbereitungskurse zur Berufsreifeprüfung mit dem vollendeten 17. Lebensjahr zu beginnen. "Wieviel verdient wohl ein 17-Jähriger? Sicher nicht genug, um sich diesen zweiten Bildungsweg leisten zu können", so die Jugendreferentin.

Besonders alarmierend waren für Stavik die massiven Preisunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern: "Von 33 Anbietern sind das ,poly college', sowie die Technisch Gewerbliche Abendschule der Arbeiterkammer in Wien mit Gesamtkosten von etwa 27.000 Schilling die günstigsten. Am teuersten ist das Wifi in der Steiermark. Hier fallen etwa 53.000 Schilling für die Berufsreifeprüfung an." Was Stavik noch zusätzlich sehr verwundert ist, dass weder das Wifi noch das bfi einheitliche Preise in Österreich hat. "Das Wifi hat Kostenunterschiede von bis zu 26 Prozent, das bfi sogar bis zu 46 Prozent."

Nach Bundesländern beurteilt, ist es in Wien am billigsten die Berufsreifeprüfung abzulegen. "Von den zehn günstigsten Anbietern in Österreich sind sieben aus Wien. Während die beiden teuersten Anbieter in der Steiermark beheimatet sind", erklärt Stavik. Sowohl das Bundesministerium für Unterricht und Kultur als auch die EU würden Förderungen für Kursanbieter vergeben. "Einige Institute nehmen diese Förderungen gar nicht in Anspruch, und andere wiederum geben sie nicht automatisch an den Kunden weiter."

"Die Kosten für die Vorbereitungskurse setzen sich aus Posten wie Personalkosten, technische Einrichtung, Strom, Kopien etc. und natürlich dem Gewinn zusammen, der bei manchen Anbietern ganz enorm sein muss. Das Traurige daran ist nur, dass sich hier Institute an einem wirklich guten zweiten Bildungsweg, der vor allem für junge Menschen mit einer Lehrausbildung gedacht ist, bereichern", so Stavik. Deshalb will man die Jugendlichen jetzt informieren. Unter der Telefonnummer 01/534 44-367 oder -666 sowie der E-Mail-Adresse anita.stavik@oegb.or.at bietet die Jugendreferentin nun Beratung an. (aw)

ÖGB, 6. Oktober 2000
Nr. 818

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Anita Stavik
Telefon: (01) 534 44/367 DW oder 666 DW
E-Mail: anita.stavik@oegb.or.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB