"Kleine Zeitung" Kommentar:"Sprachschöpfer" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 20.9.2000

Graz (OTS) - Wolfgang Schüssel und sein Team sind nicht nur listenreich, sondern auch erfindungsreich.

Sie betätigen sich als Sprachschöpfer. Wird die Steuerschraube noch fester angezogen, wird das unschöne Wort "Steuererhöhung" durch das nebulose Vokabel "Steuergerechtigkeit" ersetzt und werden Sozialleistungen gekürzt oder gestrichen, wird dies als Beitrag zur "Hebung der Treffsicherheit" verniedlicht.

Hinter den in die Irreführenden Begriffen steht allemal der selbe Tatbestand: Der Staat greift in die Taschen der Bürger.

Der Aderlass wird allerdings nicht immer gleich schmerzhaft empfunden.Da Politiker auch Psychologen sein müssen, setzen sie bewusst auf die unterschiedliche Wahrnehmung.

Das Steuerpaket wurde vom Finanzminister ohne Vorwarnung auf den Tisch geklatscht, während das Unternehmen "soziale Treffsicherheit", das insgesamt nur ein Prozent aller Transferzahlungen ausmacht, durch Minenhunde in Gestalt von Professoren vorbereitet wurde.

Neue Steuern einzuheben ist leichter als bestehende Leistungen zu kürzen. Umverteilung schafft Ansprüche tatsächliche und bloß vermeintliche. ****

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