"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Politischer Selbstmord

Ausgabe vom 17.9.2000

Gestern ist eingetreten, was sich in den letzten Tagen als tragikomisches Theaterstück abgezeichnet hatte: Reinhold Lexer ist von seinem Vorstand als Kärntner ÖVP-Chef vor die Tür gesetzt worden. Es war ein klassischer politischer Selbstmord, nachdem er den Bezirksobmännern vorgeworfen hatte, Putschisten und Sesselkleber zu sein. Wer die Hierarchien kennt, weiß, dass damit sein Schicksal besiegelt war. Ob sich Lexer noch einmal aufrappelt, wird der Landesparteitag am 14. Oktober zeigen. Um wieder kandidieren zu können, benötigt er 20 Delegiertenstimmen, die er sicher erhält. Aber nicht, weil er so gut ist, sondern, weil auch der vorläufige Sieger Georg Wurmitzer nicht nur Freunde hat.

Dem Sirnitzer war es in den letzten Monaten nicht schwer gefallen, für sich Stimmung zu erzeugen. Als Gemeinde-, Landwirtschafts- und Feuerwehrreferent verteilt er nicht nur viel Geld, er ist landauf, landab unterwegs. Das soll seinen Sieg nicht schmälern. Die politischen Gegner behaupten von Wurmitzer, er sei bei Verhandlungen ein schlauer Fuchs, bei dem man aufpassen muss, nicht übertölpelt zu werden. Egal, vorerst wird es seine Aufgabe sein, wieder für Ruhe im schwarzen Lager zu sorgen. Aufhorchen ließ der 57-Jährige mit der Ankündigung, kein Übergangskandidat zu sein.

Eines haben derzeit die drei Kärntner Parteien gemeinsam: Ihre Chefs sind über 50. Offenbar ist in schwierigen Zeiten Erfahrung gefragt. Auf welche politische Seite sich Wurmitzer schlägt, wird die Zukunft zeigen. Gewiss ist, dass dem Pragmatiker jede Koalition recht ist, die seiner Partei Vorteile bringt.

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