- 15.09.2000, 10:01:15
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Konjunktur im Baugewerbe gewinnt langsam an Boden
Auftragsbestand stieg im 3. Quartal 2000 um 0,7 Wochen - Betriebe sind optimistischer als im Vorjahr
Wien (PWK773) - Die Konjunktur im österreichischen Baugewerbe
gewinnt langsam an Boden. Laut einer Umfrage des Instituts für
Gewerbe und Handelsforschung (IfGH) stieg der Auftragsbestand im 3.
Quartal um 0,7 Wochen gegenüber dem Vorjahr. Lediglich in Kärnten
(-3,6 Wochen), Salzburg und Tirol (jeweils -1,7 Wochen) sind die
Auftragsbestände zurückgegangen. "Erfreulich ist auch, dass die
Betriebe wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken", sagte
Johannes Lahofer, Obmann der Bundesinnung Bau, bei einem
Pressegespräch. Zwar rechnen immer noch etwas mehr Betriebe (21%) mit
weniger Aufträgen in den nächsten Monaten, aber bereits 18% erwarten
sich in Zukunft eine bessere Auslastung. Damit hat sich der Saldo von
-20 im Vorjahr auf -3 in diesem Quartal verbessert.
Mittelfristig erwartet Lahofer keinen weiteren dramatischen Einbruch
in der Baukonjunktur, warnte jedoch vor zu großer Euphorie. "Die
Baupreise sind im Keller. Die Betriebe konnten ihre Preise innerhalb
eines Jahres nur um maximal 0,5% anheben, was deutlich unter der
Inflationsrate liegt. Durch die schlechte Ertragsentwicklung sinkt
einerseits die Kapitalrendite, andererseits gehen die
Ersatzinvestitionen immer mehr zurück".
Anfang der 90er Jahre lag die Gesamtkapitalrendite noch bei 10%. Nun
ist im Baugewerbe ein Wert von 3% Realität. Die Investitionsquote ist
im gleichen Zeitraum von 5 auf 2% der Betriebsleistung gesunken. Die
Folge: täglich schlittern drei Baubetriebe in die Insolvenz. Bereits
im ersten Halbjahr 2000 gab es 562 Pleiten.
"An der Konjunktur können wir nicht viel ändern, aber an den
Rahmenbedingungen", stellte Lahofer fest. Der Bundesinnungsmeister
nannte als Beispiel die jüngsten Korrekturen im
Arbeitsrechtsänderungsgesetz, die vor allem kleine Baubetriebe stark
getroffen haben. Weil die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nicht
mehr rückerstattet wird, werden Betriebe unter 8 Mitarbeitern
jährlich mit 11.000 Schilling pro Arbeitnehmer zusätzlich belastet.
Um dieses Manko auszugleichen, müssten die direkten Lohnnebenkosten
um mindestens 4% gesenkt werden. "Ich bin jedoch überzeugt, dass in
der zweiten Tranche der von der Bundesregierung versprochenen Senkung
der Lohnnebenkosten ab 2002 auch dieser Wettbewerbsnachteil beseitigt
werden kann", so Lahofer. Besonders schmerzhaft wäre für das
Baugewerbe auch die Verlängerung der Abschreibungsdauer für Gebäude
von 25 auf 33 Jahre sowie die Streichung des
Investitionsfreibetrages.
Rückendeckung für eine effiziente Bekämpfung der Schwarzarbeit hat
die Bundesinnung erst Anfang September aus Straßburg bekommen. Das
Europäische Parlament ist von den positiven Effekten einer Senkung
der Mehrwertsteuer für arbeitsintensive Dienstleistungen überzeugt
und fordert in einem Entschließungsantrag alle Mitgliedsstaaten, die
noch nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben,
eindringlich dazu auf, ihre Entscheidung zu überdenken. Seit 28.
Februar 2000 können die Mitgliedsstaaten laut einer EU-Richtlinie
ihre Mehrwertsteuersätze auch für bestimmte Bauleistungen
(Renovierung und Instandhaltung im privaten Wohnbau) individuell
absenken. 9 EU-Staaten haben diese Chance bereits genutzt. In
Frankreich hat die Reduktion um 15% (auf 5,5%) einen regelrechten
Bauboom ausgelöst. Österreich hat sich bisher geweigert, an dem auf
drei Jahre befristeten Modellversuch teilzunehmen. Das Europäische
Parlament fordert die Kommission sogar auf, diese Frist zu
verlängern. "Wir haben Signale aus Brüssel, dass Österreich jederzeit
einsteigen kann. Dazu bietet sich ab 2003 die beste Gelegenheit, wenn
Finanzminister Grasser die Unternehmensbesteuerung neu gestalten
will", so Lahofer. Laut einer WIFO-Studie, würde die Halbierung des
MWst-Satzes allein 11.000 neue Arbeitsplätze schaffen, die Zahl der
Arbeitslosen um 7.000 verringern und die Schwarzarbeit um ein Drittel
reduzieren.
Sorgen bereitet dem Bundesinnungsmeister auch der Wildwuchs an
dubiosen Bauunternehmen, die kurz nach Erlangung der
Gewerbeberechtigung ihren gewerberechtlichen Geschäftsführer abmelden
und sich oft unbemerkt lange Zeit ohne fachliche Kompetenz am Markt
tummeln, wobei sie bei ihren Auftraggebern Schäden in Millionenhöhe
anrichten und den Ruf der Branche schädigen. Lahofer fordert in
diesem Zusammenhang eine bessere Vernetzung zwischen dem zentralem
Gewerberegister und den Gebietskrankenkassen sowie die Genehmigung
von Standesregeln durch das Wirtschaftsministerium.
Stark machen will sich Lahofer weiterhin für eine Senkung der
Baukosten im privaten Wohnbau. "Allein mit der Harmonisierung der
bundesländerweise unterschiedlichen Bauordnungen könnten wir auf
einen Schlag vier Prozent der Baukosten sparen. Wenn die Länder
endlich auch ihre unterschiedlichen Genehmigungsverfahren aufs Korn
nehmen, sind weiter 15 Prozent drin", ist Lahofer überzeugt. Dann
würden auch die Kosten für Planung, Erschließung und Finanzierung um
bis zu 6% sinken. Gespannt ist Lahofer daher bereits auf die
Ergebnisse des Instituts für Bautechnik, das bis Ende 2001 eine
Musterbauordnung für alle Bundesländer erstellen soll. "Wir werden
uns in jedem Fall engagieren, dass nicht nur die technischen
Bestimmungen, sondern vor allem auch die Verfahrensbestimmungen der
Bauordnungen vereinheitlicht werden". (MH)
Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich
BI Baugewerbe
Dr. Günter Tschepl
Tel.: (01) 7183737-0
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