Konjunktur im Baugewerbe gewinnt langsam an Boden

Auftragsbestand stieg im 3. Quartal 2000 um 0,7 Wochen - Betriebe sind optimistischer als im Vorjahr

Wien (PWK773) - Die Konjunktur im österreichischen Baugewerbe gewinnt langsam an Boden. Laut einer Umfrage des Instituts für Gewerbe und Handelsforschung (IfGH) stieg der Auftragsbestand im 3. Quartal um 0,7 Wochen gegenüber dem Vorjahr. Lediglich in Kärnten (-3,6 Wochen), Salzburg und Tirol (jeweils -1,7 Wochen) sind die Auftragsbestände zurückgegangen. "Erfreulich ist auch, dass die Betriebe wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken", sagte Johannes Lahofer, Obmann der Bundesinnung Bau, bei einem Pressegespräch. Zwar rechnen immer noch etwas mehr Betriebe (21%) mit weniger Aufträgen in den nächsten Monaten, aber bereits 18% erwarten sich in Zukunft eine bessere Auslastung. Damit hat sich der Saldo von -20 im Vorjahr auf -3 in diesem Quartal verbessert.

Mittelfristig erwartet Lahofer keinen weiteren dramatischen Einbruch in der Baukonjunktur, warnte jedoch vor zu großer Euphorie. "Die Baupreise sind im Keller. Die Betriebe konnten ihre Preise innerhalb eines Jahres nur um maximal 0,5% anheben, was deutlich unter der Inflationsrate liegt. Durch die schlechte Ertragsentwicklung sinkt einerseits die Kapitalrendite, andererseits gehen die Ersatzinvestitionen immer mehr zurück".
Anfang der 90er Jahre lag die Gesamtkapitalrendite noch bei 10%. Nun ist im Baugewerbe ein Wert von 3% Realität. Die Investitionsquote ist im gleichen Zeitraum von 5 auf 2% der Betriebsleistung gesunken. Die Folge: täglich schlittern drei Baubetriebe in die Insolvenz. Bereits im ersten Halbjahr 2000 gab es 562 Pleiten.

"An der Konjunktur können wir nicht viel ändern, aber an den Rahmenbedingungen", stellte Lahofer fest. Der Bundesinnungsmeister nannte als Beispiel die jüngsten Korrekturen im Arbeitsrechtsänderungsgesetz, die vor allem kleine Baubetriebe stark getroffen haben. Weil die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nicht mehr rückerstattet wird, werden Betriebe unter 8 Mitarbeitern jährlich mit 11.000 Schilling pro Arbeitnehmer zusätzlich belastet. Um dieses Manko auszugleichen, müssten die direkten Lohnnebenkosten um mindestens 4% gesenkt werden. "Ich bin jedoch überzeugt, dass in der zweiten Tranche der von der Bundesregierung versprochenen Senkung der Lohnnebenkosten ab 2002 auch dieser Wettbewerbsnachteil beseitigt werden kann", so Lahofer. Besonders schmerzhaft wäre für das Baugewerbe auch die Verlängerung der Abschreibungsdauer für Gebäude von 25 auf 33 Jahre sowie die Streichung des Investitionsfreibetrages.

Rückendeckung für eine effiziente Bekämpfung der Schwarzarbeit hat die Bundesinnung erst Anfang September aus Straßburg bekommen. Das Europäische Parlament ist von den positiven Effekten einer Senkung der Mehrwertsteuer für arbeitsintensive Dienstleistungen überzeugt und fordert in einem Entschließungsantrag alle Mitgliedsstaaten, die noch nicht von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, eindringlich dazu auf, ihre Entscheidung zu überdenken. Seit 28. Februar 2000 können die Mitgliedsstaaten laut einer EU-Richtlinie ihre Mehrwertsteuersätze auch für bestimmte Bauleistungen (Renovierung und Instandhaltung im privaten Wohnbau) individuell absenken. 9 EU-Staaten haben diese Chance bereits genutzt. In Frankreich hat die Reduktion um 15% (auf 5,5%) einen regelrechten Bauboom ausgelöst. Österreich hat sich bisher geweigert, an dem auf drei Jahre befristeten Modellversuch teilzunehmen. Das Europäische Parlament fordert die Kommission sogar auf, diese Frist zu verlängern. "Wir haben Signale aus Brüssel, dass Österreich jederzeit einsteigen kann. Dazu bietet sich ab 2003 die beste Gelegenheit, wenn Finanzminister Grasser die Unternehmensbesteuerung neu gestalten will", so Lahofer. Laut einer WIFO-Studie, würde die Halbierung des MWst-Satzes allein 11.000 neue Arbeitsplätze schaffen, die Zahl der Arbeitslosen um 7.000 verringern und die Schwarzarbeit um ein Drittel reduzieren.

Sorgen bereitet dem Bundesinnungsmeister auch der Wildwuchs an dubiosen Bauunternehmen, die kurz nach Erlangung der Gewerbeberechtigung ihren gewerberechtlichen Geschäftsführer abmelden und sich oft unbemerkt lange Zeit ohne fachliche Kompetenz am Markt tummeln, wobei sie bei ihren Auftraggebern Schäden in Millionenhöhe anrichten und den Ruf der Branche schädigen. Lahofer fordert in diesem Zusammenhang eine bessere Vernetzung zwischen dem zentralem Gewerberegister und den Gebietskrankenkassen sowie die Genehmigung von Standesregeln durch das Wirtschaftsministerium.

Stark machen will sich Lahofer weiterhin für eine Senkung der Baukosten im privaten Wohnbau. "Allein mit der Harmonisierung der bundesländerweise unterschiedlichen Bauordnungen könnten wir auf einen Schlag vier Prozent der Baukosten sparen. Wenn die Länder endlich auch ihre unterschiedlichen Genehmigungsverfahren aufs Korn nehmen, sind weiter 15 Prozent drin", ist Lahofer überzeugt. Dann würden auch die Kosten für Planung, Erschließung und Finanzierung um bis zu 6% sinken. Gespannt ist Lahofer daher bereits auf die Ergebnisse des Instituts für Bautechnik, das bis Ende 2001 eine Musterbauordnung für alle Bundesländer erstellen soll. "Wir werden uns in jedem Fall engagieren, dass nicht nur die technischen Bestimmungen, sondern vor allem auch die Verfahrensbestimmungen der Bauordnungen vereinheitlicht werden". (MH)

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