• 13.09.2000, 12:58:42
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  • OTS0196

Jörg Haider im NEWS-Interview: "Ich bin voll rehabilitiert."

- Massive Kritik an Deutschlands Bundeskanzler Schröder: Hat keine
Skrupel, seine monarchische Überheblichkeit ist unerträglich.

- Haider über seine persönliche Zukunft.Politpause nach Zeit als
Kärtens Landeshauptmann denkbar. "Wer weiß, ob ich ab 2004 noch
brauchbar bin?"

- Lob und Tadel für Schüssel: "Er ist mutig", aber: "wirklich
Einfluss hat er nicht." Haider hält an Böhmdorfer, Sickl und Schmid
im Regierungsteam fest.
Utl.: Vorausmeldung zu NEWS 37/00 vom 14. Sept. 2000 =

Wien (OTS) - In einem Interview in der morgen erscheinenden
Ausgabe des Nachrichten-Magazins NEWS gibt sich Kärntens
Landeshauptmann Jörg Haider nach Ende der EU-Sanktionen euphorisch.
Haider: "Damit bin ich voll rehabilitiert, das ist wirklich eine
persönliche Genugtuung. Es müssen jetzt die anderen damit leben, dass
sie der Demokratie und dem europäischen Gedanken massiv geschadet
haben. Das ist ein Sieg der Demokratie, die kann durch Beschlüsse
selbsternannter Scharfrichter in Europa nicht ausgehoben werden."
Hatte Jörg Haider im FORMAT-Interview noch Frankreichs Jacques Chirac
heftig kritisiert, nimmt er sich im NEWS-Interview vor allem
Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder vor. Schröder zähle zu
jenen "Menschen, die gefühllos auf jedem herumtrampeln, der ihren
Machtbereich gefährdet." Bald werde "die eigene Partei gegen ihn
revoltieren." Haider weiter: "Schröders monarchische Überheblichkeit
ist unerträglich. Das sind Menschen, die haben keine Skrupel. Das
gilt vor allem für Schröder, Chirac kenne ich nicht so genau."

Die herbe Kritik der drei Weisen an seiner Partei nimmt Haider nicht
zur Kenntnis: "Viele Details wurden gar nicht ausgeleuchtet, sonst
wäre überhaupt kein einziger Vorwurf übrig geblieben." Zur Kritik an
Justizminister Böhmdorfer meint Haider: "Alle Vorwürfe gegen ihn sind
falsch. Vernaderungen sind die Ursache, dass es zu so einer Kritik
überhaupt gekommen ist." Würde innerhalb der FPÖ/ÖVP-Koalition
erwogen, Böhmdorfer zum Rücktritt zu drängen, ergäbe das für Haider
eine neue Situation: "Käme Böhmdorfer unter Druck, dass er
zurücktreten muss, wäre das für mich ein Grund, alles zu überdenken.
Das wäre dann selbstverständlich die Koalitionsfrage." Auch die
umstrittenen Minister Schmid und Sickl sind für Haider nicht
ablösereif. Haider: "Schmid hat zwar immer einen Zug in die
Steiermark, aber das kommt nicht in Frage. Sickl ist oft ein bissl
blauäugig, weil sie an das Gute im Menschen glaubt und deshalb vom
Gegner missbraucht wird."

Insgesamt zieht Haider im ausführlichen NEWS-Interview eine positive
Bilanz der bisherigen Regierungsarbeit. Haider: "Ich bin immer
belustigt, wenn es heißt, ich würde die Nerven wegschmeißen und die
Koalition sprengen. Völliger Blödsinn. Wir haben kein Problem, siehe
Budgetsanierung. Die Weichenstellung, die dort passiert ist, zeigt,
dass die Klientel der FPÖ, der kleine Mann, der Mittelstand absolut
gut aussteigt. Schüssel ist mutig. Er hat beim Budgetkonzept
gehalten, obwohl er massive Kritik von Industrie und Wirtschaft
einstecken mußte. Die alten Suderanten werden einfach nicht damit
fertig, dass es eine Reformperspektive in der Regierung gibt."

Allerdings hätte Schüssel noch Durchsetzungsprobleme in der Partei.
Die FPÖ hätte sich in der Koalition als die geschlossenere Partei
erwiesen. Haider: "Die ÖVP existiert als Partei ja nicht wirklich.
Solange die Länder-Bosse mit dem Schüssel aufgleich kommen, wird
nichts passieren. Einen wirklichen Einfluß hat er nicht. Bei uns ist
es so, dass Riess-Passer mit ihrem Team die gesamte Partei hinter
sich hat."

Über seine eigene Zukunft und eventuellen Kanzler-Pläne sagt Haider:
"Man soll ja niemals nie sagen, aber ich gehe ernsthaft davon aus,
dass Susanne Riess-Passer sich so profilieren wird, das 2003 erstmals
eine Frau als Kanzlerkandidatin ins Rennen geschickt wird." Er bleibe
bis 2004 in Kärnten, "wer weiß, ob ich ab 2004 noch brauchbar bin.
Vielleicht mache ich auch einmal eine Pause, um dann wiederzukommen."

Er könne sich auch vorstellen, sich an die Spitze einer
gesamteuropäischen freiheitlichen Bewegung zu stellen. Haider:
"Brüssel wäre eine reizvolle Sache. Die EU neu zu konzipieren wäre
sicherlich sehr, sehr wichtig. Ich bin ein alter Bürokratie-Töter."

Rückfragehinweis: Sekretariat NEWS-Chefredaktion
Tel. (01) 213 12 DW 103

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