- 13.09.2000, 10:08:50
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Greenpeace-Aktion vor Regierungsgebäude in Prag
20 Aktivisten aus fünf Ländern mahnen Verantwortung Tschechiens ein
Prag/Wien (OTS) - Greenpeace-Aktivisten erinnerten heute vor dem Sitz
der tschechischen Regierung in Prag an die Opfer der weltweiten
Nuklearkatastrophen. 20 Aktivisten aus fünf Ländern legten sich als
potentielle Atomopfer vor dem Regierungssitz auf den Boden. Die
Umweltorganisation appellierte mit dieser von einer Alarmsirene
begleiteten "Mahnwache" an die tschechische Regierung, ihre
Verantwortung für Leben und Gesundheit der Menschen in Europa
wahrzunehmen. Ein Banner erinnerte an die an die großen
Nuklearunfälle 1957 in British Windscale, 1986 in Tschernobyl und
1999 in Tokaimura mit ihren verheerenden Folgen für Menschen und
Umwelt.
"Milos Zeman und seine Regierung müssen endlich begreifen, dass sie
im Fall eines Unfalls in Temelin für Leben und Gesundheit von
Millionen Menschen einstehen werden müssen", sagte der Direktor des
tschechischen Greenpeace-Büros Jiri Tutter und verlangte den
sofortigen Stopp der Vorbereitung zur Aktivierung.
Greenpeace deckte seit zwei Monaten immer wieder Sicherheitsmängel in
Temelin auf, die den Betrieb gefährden können und im schlimmsten Fall
einen nuklearen Unfall verursachen können. Sowohl die
Temelin-Betreibergesellschaft CEZ als auch die staatliche
Atomaufsichtsbehörde SUJB verharmlosten immer wieder diese
gravierenden Mängel. Greenpeace machte vor kurzem eine Anzeige gegen
Unbekannt, da Indizien auftauchten, dass ein Kühlrohr falsch
repariert wurde und vermutlich die Dokumente dazu gefälscht wurden.
"Die rechtlichen Aspekte dieser Indizien müssen vor einer Aktivierung
unbedingt geprüft werden", so Tutter.
Die Umweltorganisation kritisiert die Vorgangsweise der tschechischen
Regierung, die immer wieder die Verantwortung auf die CEZ oder die
SUJB abschob. Der tschechische Staat ist der Mehrheitseigentümer der
CEZ und daher ist der Minister für Industrie und Handel auch
verantwortlich für das Vorgehen dieser Betreibergesellschaft. Auch
die SUJB ist eine staatliche Behörde und fällt direkt unter die
Verantwortung der Regierung.
Zudem ist die tschechische Regierung auch für die öffentliche
Gesundheit und die Umwelt verantwortlich. Wenn die Regierung die
Sicherheit Temelins nicht garantieren kann, kann das katastrophale
Folgen für die tschechische Bevölkerung und alle Bürger Europas
haben. Greenpeace verlangt daher eine umfassende
Umweltverträglichkeitsprüfung und erinnert außerdem an den Trend in
Europa zur Entwicklung nachhaltiger Energieformen.
Zuletzt appelliert die Umweltorganisation an die Verantwortung der
tschechischen Regierung für die demokratische Entwicklung des Landes.
Greenpeace kritisiert dazu die Einschüchterungsversuche von Personen,
die auf Sicherheitsprobleme im Hochrisikoreaktor hinwiesen.
"Besonders unangebracht war der unverhältnismäßige Polizeieinsatz
während einer Greenpeace-Aktion in Prag am 13. Juli dieses Jahres und
der Versuch der CEZ, das Prager Greenpeace-Büro mit einer
Millionenklage mundtot zu machen", mahnte Jan Haverkamp,
Temelin-Koordinator von Greenpeace Tschechien, abschließend.
Rückfragehinweis: Jan Haverkamp, Atomexpert Greenpeace Tschechien,
Tel: 0042 604 257822
MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace
Österreich, Tel.:0043 ( 0) 676/514 72 46
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