• 13.09.2000, 08:46:12
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  • OTS0041

"Kampfhunde": Aufklärung statt Hysterie

Wien (OTS) - Heute Abend strahlt ORF 2 die Sendung "Help TV
Spezial" zum viel Thema diskutierten "Kampfhunde" aus. Am Freitag
tagt im Parlament ein Unterausschuß zur selben Materie, bei dem der
Tierschutzverein CANIS Expertenstellung innehat. Anlaß genug, erneut
Sachlichkeit in die aufgeheizte Diskussion zu bringen. Viele
hartnäckige Klischees rund um den Hund bedürfen dringend einer Ablöse
durch Fakten.

Mag. Alexander Willer, Obmann des Tierschutzvereins CANIS:
"Rassische Vorurteile gegenüber Tieren sind so alt wie die
Menscheitsgeschichte. In der frühen Neuzeit schickte man Katzen und
Wölfe als vermeintliche Hexen oder Werwölfe auf den Scheiterhaufen
oder nagelte Fledermäuse zur Abschreckung von Vampiren an
Scheunentore. Im modernen Medienzeitalter jagt die Boulevardpresse
"Kampfhunde" und populistische Politiker betätigen sich gewissermaßen
als Exorzisten, indem sie Rassenverbotslisten erlassen."

Betrachtet man viel zitierte, aber wenig verstandene Begriffe wie
"Aggression" oder "Pitbull" im Spiegel der Wissenschaft, bleibt vom
Monster "Kampfhund" wenig Abscheuliches übrig.

Aggression:
Aggression im rein naturwissenschaftlichen Sinne - nicht im
ethischen -, ist ein Grundmerkmal aller Lebewesen. Ohne Aggression
gäbe es kein Überleben. Demnach ist Aggression vom Grundsatz her
genetisch verankert. Wie weit sie aber zum Ausdruck kommt, hängt von
zahlreichen, meist äußeren Faktoren ab. Im speziellen Fall Hund heißt
das: vom Menschen ! Selektive Zucht aggressiver Blutlinien,
Fehlprägung im Welpenalter, brutale Konditionierung und falsche
Haltung bewirken ein Übermaß an Aggression. Dr. Dorit
Feddersen-Petersen von der Universität Kiel betont unermüdlich, daß
es a priori keine "Kampfhunderassen" gibt. Daher sind Verbote ebenso
absurd wie nutzlos.

Pitbull:
Weder der Weltkynologenverband FCI, noch der inländische ÖKV
kennen eine Rasse mit der Bezeichnung Pitbull an. Der Begriff stammt
aus dem England des 17.Jahrhunderts, wo scharf gemachte Hunde zum
Gaudium der Bevölkerung in der Arena, dem "pit", auf Wildschweine,
Bären oder Bullen gehetzt wurden. Daher der Name "pitbull". Die dafür
scharf gemachten Hunde wurden aber nicht als eigenständige Rasse
gezüchtet, sondern durch Einkreuzung übermäßig aggressiver
Einzeltiere aus verschiedensten Rassen selektiert. Daher weisen
Pitbulls bis heute kein einheitliches äußeres Erscheinungsbild auf.
Pitbull ist demnach eher eine "Berufsbezeichnung" wie Lawinen- oder
Spürhund. Von reinrassigen Pitbulls ist ebenso sinnig wie von
reinrassigen Mischlingen zu sprechen.

Rückfragehinweis: Tierschutzverein CANIS
Mag. Alexander Willer,
Tel.: 0664/311 88 90

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