Brauner zu Schulanfang: Was Wien für Mädchen macht

Mädchengerechte Parks - Berufsausbildung - Gemeinde Wien setzt auf Mädchen

Wien, (OTS) Anlässlich des Schulbeginns in Wien zeigte Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner gegenüber der Rathauskorrespondenz auf, was die Stadt Wien speziell für Mädchen macht. "Von mädchengerechten Parkanlagen bis zu einem geschlechtersensiblen Kindergarten reicht das Angebot. Dazu kommen zahlreiche Angebote aus dem Bereich Berufsorientierung, wo wir versuchen, Mädchen für nicht-traditionelle Ausbildungen zu interessieren." Darüber hinaus, so die Stadträtin weiter, gibt es auch für Mädchen aus ZuwanderInnenfamilien spezielle Angebote. Beispielsweise der Verein Echo, der sogar einmal im Jahr eine
Ladies Night veranstaltet, einen Abend, der von der Musik bis zur Security von Mädchen organisiert wird. "Gerade für Mädchen, die aus Familien mit einem traditionellen Rollenverhalten kommen, ist
es ganz wichtig Selbstvertrauen und die Möglichkeit sich darzustellen, zu bekommen". Im Rahmen des vom Wiener Integrationsfonds initiierten Projektes "INTERFACE" wird Jugendlichen der sogenannten "zweiten Generation" der Zugang zu neuen Technologien vermittelt und auch die Möglichkeit geboten, neue Medien auszuprobieren und zu erlernen.****

Mädchengerechte Planung von Parks

Schon vor einiger Zeit ging das Frauenbüro der Stadt Wien,
MA57, in einer Studie mit dem Titel "Verspielte Chancen - Mädchen im öffentlichen Raum" dem Thema Platz für Mädchen und Frauen in öffentlichen Spiel- und Erholungsräumen nach. Belegt wurde durch diese Studie, was leider ohnehin offensichtlich ist: die Spielplätze und Parks werden bei den größeren Kindern vor allem von Burschen benutzt. Was vor allem daran liegt, dass sich die meisten Angebote - Stichwort Fussballkäfig - an den Bedürfnissen und Vorlieben der Burschen orientieren. Für die Wiener Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner war daher die
Schlussfolgerung klar: "Mädchen brauchen mehr Spielraum!" Denn:
"Mädchen sind bezüglich ihrer Raumaneignung zurückhaltender und ziehen sich etwa ab dem 10.Lebensjahr fast gänzlich aus den Parkanlagen und öffentlichen Spielflächen zurück", unterstrich Brauner die Ausgangssituation.

Die Leitstelle "Alltags- und frauengerechtes Planen und
Bauen" (Stadtbaudirektion Wien) hat daher im letzten Jahr einen Wettbewerb, unter Mitwirkung des Stadtgartenamtes - MA 42, durchgeführt. Am Beispiel des Einsiedlerparks und des St.-Johann-Parks (beide in Wien Margareten) wurden daher Gestaltungsideen entwickelt, die ein ausgewogenes Verhältnis von weiblichen und männlichen Kindern und Jugendlichen bezüglich Nutzung der Freiflächen unterstützen. Dank des Interesses und der Unterstützung von BV Ing. Kurt Wimmer können in diesem Jahr die Planungsergebnisse auch tatsächlich umgesetzt werden.

Im Rahmen dieses Wettbewerbs wurden Gestaltungsideen entwickelt, mithilfe derer ein ausgewogenes Verhältnis von weiblichen und männlichen Kindern und Jugendlichen bei der Parknutzung initiiert werden kann. Speziell Mädchen, aber auch Frauen sollen zur Aneignung und Nutzung von öffentlichen Freiräumen motiviert werden.

So wurden die speziellen Spiel-, Sport und Beschäftigungsinteressen von Mädchen besonders berücksichtigt. Es werden Spielfelder und Spielgeräte für von Mädchen bevorzugten Bewegungs- und Sportarten (z.B. zum Balancieren, Klettern und Schaukeln; Volleyball, Badminton) angeboten.

Rollenverhalten beginnt im Kindergarten

Wie sich bereits bei einer Tagung des Frauenbüros der Stadt Wien im Oktober 1997 gezeigt hat, sind bereits die Vorschuljahre für die Rollen-Sozialisation von Buben und Mädchen entscheidend. Ergänzend zu den vielen wichtigen Maßnahmen, die in den Kindergärten der Stadt Wien aber auch in privaten Einrichtungen gesetzt zur Überwindung des rollenspezifischen Verhaltens gesetzt werden, belegt eine Studie, dass ein speziell auf diese
Problematik ausgerichtetes Projekt als ergänzende Maßnahme wichtig wäre. Auf Anraten der Studienautorinnen kam es daher zum Modellprojekt des ersten Wiener Kindergartens mit geschlechtersensibler Pädagogik. Unter dem Motto "halbe - halbe beginnt im Kindergarten" wurden im Kindertagesheim Brunhildengasse 1, in Wien 15, zwei Familien- und zwei Kleinkindergruppen eingerichtet, die diesem Konzept entsprechen. Die Gruppen werden durch weibliches, wie männliches Personal betreut und bieten für Mädchen wie Buben die Möglichkeit ein möglichst breites Spektrum an Fähigkeiten zu erwerben. "Rollenverhalten beginnt im Kindergarten - ich bin daher besonders stolz, dass wir in Wien nun ein Angebot an jene Eltern richten können, für die Rollenklischees der Vergangenheit angehören, und die ihren Kindern eine Zukunft, die sich nach ihren Fähigkeiten und nicht nach ihrem Geschlecht richtet, ermöglichen wollen", unterstrich die Frauenstadträtin.

Utl.: Mädchen in nichttraditionellen Berufen

Mädchen, so sagen es die Statistiken, entscheiden sich bei einer Lehrausbildung noch immer im wesentlichen für drei Berufe:
Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Frisörin. "Zwar ist dieser Prozentsatz von 80 Prozent der Mädchen auf 50 Prozent zurückgegangen, aber noch immer ist der Anteil sehr hoch", betonte Brauner. Problematisch sei diese Berufswahl hauptsächlich
deswegen, weil es Berufe mit geringen Aufstiegschancen und auch oftmals geringem Gehalt sind. Zudem übersteigt gerade bei diesen Berufsgruppen das Angebot von Arbeitskräften das der Arbeitsplätze bei weitem. Die Stadt Wien fördert daher Vereine, die mit Mädchen arbeiten, die sich für eine nicht-traditionelle Berufslaufbahn interessieren. Der Verein Sprungbrett, beispielsweise, unterstützt seit über zehn Jahren Mädchen dabei, ihr Berufsspektrum zu erweitern. Mit dieser Erweiterung des Spektrums vermindert sich
bei jungen Frauen auch die Gefahr der Arbeitslosigkeit. Die Mädchen, die zu Sprungbrett kommen, haben die Möglichkeit in einer Werkstatt ihre handwerklichen Fähigkeiten auszuprobieren und
Berufe aus dem Bereich Elektronik, Multimedia, Bautechnik oder Gas-Wasser-Installationen kennen zu lernen. Zudem werden
Lehrstellen speziell für Mädchen, die sich für den nicht-traditionellen Bereich interessieren, vermittelt aber auch Selbstverteidigungskurse angeboten. "Alles in allem bietet Sprungbrett ein umfassendes Angebot, mit dem Ziel, junge Frauen
für ihre Zukunft fit zu machen", resümierte die Frauenstadträtin.

Gemeinde Wien setzt auf Mädchen

Auch innerhalb der Stadt Wien werde Förderung von Mädchen in nichttraditionellen berufen groß geschrieben: 27 Prozent aller weiblichen Lehrlinge werden in der Stadt Wien in nicht-traditionellen Berufen ausgebildet. Dafür wurde der
Stadtverwaltung im Frühjahr ein Anerkennungspreis zugesprochen. Insgesamt bildet die Gemeinde Wien 831 Lehrlinge aus, der Frauenanteil bei der Gesamtbeschäftigtenzahl von 65.000 MitarbeiterInnen liegt bei 62,7 Prozent. "Wien wird sich auch weiterhin klar zur Mädchenförderung bekennen, weil Mädchen fördern, heißt in die Zukunft investieren", schloss Brauner. (Schluss) kat

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