• 24.08.2000, 08:06:33
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"Neues Volksblatt" Kommentar: "Feigenblatt" (Von Walter Salzmann)

Ausgabe vom 24. August 2000

Linz (OTS) - Franz Fischler, der sich in Bezug auf die Sanktionen
der EU-14 bislang eher zurückhaltend geäußert hat, fährt mit scharfem
Geschütz gegen die Sanktionierer auf. Der EU-Kommissar wirft den 14
vor, sich in Sachen Sanktionen gegen Österreich keinen Deut um die
EU-Institionen _ im Speziellen um die Kommission _ zu scheren, ja
diese links liegen zu lassen und zu umgehen. In Zeiten, in denen
Visionäre wie Erhard Busek (in Alpbach) Nationalismen,
nationalistische Strömungen und Positionen als ein überkommenes
Relikt des letzten Jahrtausend bezeichnen und einem gemeinsamen,
allumfassenden Europa das Wort reden, kommt den Feststellungen
Fischlers besondere Bedeutung zu. Wird doch damit deutlich, dass man
von einem Europa der Gemeinsamkeit, einem Europa unter einer
übernationalen "Regierung" noch weiter denn je entfernt sein dürfte.

Nationalistisches (Prestige)Denken und nationalistische
Interessenspolitik lassen sich als Produkt jahrhundertelanger
europäischer Geschichte offensichtlich weder per Beschluss noch durch
Zusammenschluss von heute auf morgen ausradieren. Die Warnung
Fischlers vor EU-Institutionen als Feigenblatt vor einem ungebrochen
nationalistisch oder chauvinistisch ausgerichteten Europa sollte zu
denken geben.

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