"Neues Volksblatt" Kommentar: "Feigenblatt" (Von Walter Salzmann)

Ausgabe vom 24. August 2000

Linz (OTS) - Franz Fischler, der sich in Bezug auf die Sanktionen der EU-14 bislang eher zurückhaltend geäußert hat, fährt mit scharfem Geschütz gegen die Sanktionierer auf. Der EU-Kommissar wirft den 14 vor, sich in Sachen Sanktionen gegen Österreich keinen Deut um die EU-Institionen _ im Speziellen um die Kommission _ zu scheren, ja diese links liegen zu lassen und zu umgehen. In Zeiten, in denen Visionäre wie Erhard Busek (in Alpbach) Nationalismen, nationalistische Strömungen und Positionen als ein überkommenes Relikt des letzten Jahrtausend bezeichnen und einem gemeinsamen, allumfassenden Europa das Wort reden, kommt den Feststellungen Fischlers besondere Bedeutung zu. Wird doch damit deutlich, dass man von einem Europa der Gemeinsamkeit, einem Europa unter einer übernationalen "Regierung" noch weiter denn je entfernt sein dürfte.

Nationalistisches (Prestige)Denken und nationalistische Interessenspolitik lassen sich als Produkt jahrhundertelanger europäischer Geschichte offensichtlich weder per Beschluss noch durch Zusammenschluss von heute auf morgen ausradieren. Die Warnung Fischlers vor EU-Institutionen als Feigenblatt vor einem ungebrochen nationalistisch oder chauvinistisch ausgerichteten Europa sollte zu denken geben.

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