• 31.07.2000, 18:06:44
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DER STANDARD bringt in seiner Dienstag-Ausgabe einen Kommentar zur politischen Situation in Venezuela nach der Wiederwahl Hugo Chavez: Erschienen:01.08.2000 - Populistische Versuchung - Erhard Stackl

Wien (OTS) - Venezuela liefert derzeit ein Lehrstück über den
Aufstieg eines lupenreinen Populisten, des soeben wiedergewählten
Präsidenten Hugo Chavez. Trotz des Reichtums an Erdöl gelten an die
80 Prozent der 23 Millionen Einwohner des südamerikanischen
OPEC-Landes als arm. Und die Regierungen der Sozial- und
Christdemokraten, die sich jahrzehntelang die Macht teilten,
versanken immer tiefer in Korruption.

Da stürmte - vor eineinhalb Jahren - der linke Militär und Ex-
Putschist Chávez auf die politische Bühne. Mit starken Sprüchen
("Zittert, Oligarchen") mobilisierte der lateinamerikanische Robin
Hood das Volk gegen "parasitäre Unternehmer" und versprach den Aufbau
einer sozial gerechten "fünften Republik". Quasidiktatorisch schickte
er das Parlament heim, schuf eine neue Verfassung und komplettierte
mit den Neuwahlen vom Sonntag sein politisches Umbauprogramm. Fidel
Castro gratulierte ihm überschwänglich, doch dem Volk geht es nun
schlechter als zuvor. Von Chávez dekretierte Lohnerhöhungen führten
zu einer Entlassungswelle, ausländische Investoren zogen fünf
Milliarden Dollar ab. Trotz des hohen Ölpreises stürzte Venezuelas
Bruttonationalprodukt um sieben Prozent ab.

Kürzlich stellte Chávez die Rückzahlung der Staatsschulden infrage.
Solch ein Zahlungsstopp, der zur Ächtung durch die internationalen
Finanzorganisationen führt, hat Mitte der Achtzigerjahre einem
anderen Linkspopulisten, Perus Alan García, politisch das Genick
gebrochen. Jetzt herrscht in Peru mit Alberto Fujimori ein
Demokratieverächter, der wegen seines neoliberalen Kurses in der
Finanzwelt bisher dennoch wohlgelitten war. Seit die Proteste nach
seinem jüngsten, unsauberen Wahlsieg nicht aufhören, besinnt sich
aber auch Fujimori wieder seiner Anfänge als Populist und droht den
(ausländischen) Unternehmern mit Restriktionen. Kommentatoren sehen
darin bereits den Anfang vom Ende seiner Macht.

Rückfragehinweis: Der Standard
Tel.: (01) 531 70/0

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