DER STANDARD bringt in seiner Dienstag-Ausgabe einen Kommentar zur politischen Situation in Venezuela nach der Wiederwahl Hugo Chavez: Erschienen:01.08.2000 - Populistische Versuchung - Erhard Stackl

Wien (OTS) - Venezuela liefert derzeit ein Lehrstück über den Aufstieg eines lupenreinen Populisten, des soeben wiedergewählten Präsidenten Hugo Chavez. Trotz des Reichtums an Erdöl gelten an die 80 Prozent der 23 Millionen Einwohner des südamerikanischen OPEC-Landes als arm. Und die Regierungen der Sozial- und Christdemokraten, die sich jahrzehntelang die Macht teilten, versanken immer tiefer in Korruption.

Da stürmte - vor eineinhalb Jahren - der linke Militär und Ex-Putschist Chávez auf die politische Bühne. Mit starken Sprüchen ("Zittert, Oligarchen") mobilisierte der lateinamerikanische Robin Hood das Volk gegen "parasitäre Unternehmer" und versprach den Aufbau einer sozial gerechten "fünften Republik". Quasidiktatorisch schickte er das Parlament heim, schuf eine neue Verfassung und komplettierte mit den Neuwahlen vom Sonntag sein politisches Umbauprogramm. Fidel Castro gratulierte ihm überschwänglich, doch dem Volk geht es nun schlechter als zuvor. Von Chávez dekretierte Lohnerhöhungen führten zu einer Entlassungswelle, ausländische Investoren zogen fünf Milliarden Dollar ab. Trotz des hohen Ölpreises stürzte Venezuelas Bruttonationalprodukt um sieben Prozent ab.

Kürzlich stellte Chávez die Rückzahlung der Staatsschulden infrage. Solch ein Zahlungsstopp, der zur Ächtung durch die internationalen Finanzorganisationen führt, hat Mitte der Achtzigerjahre einem anderen Linkspopulisten, Perus Alan García, politisch das Genick gebrochen. Jetzt herrscht in Peru mit Alberto Fujimori ein Demokratieverächter, der wegen seines neoliberalen Kurses in der Finanzwelt bisher dennoch wohlgelitten war. Seit die Proteste nach seinem jüngsten, unsauberen Wahlsieg nicht aufhören, besinnt sich aber auch Fujimori wieder seiner Anfänge als Populist und droht den (ausländischen) Unternehmern mit Restriktionen. Kommentatoren sehen darin bereits den Anfang vom Ende seiner Macht.

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