DER STANDARD bringt in seiner Freitag-Ausgabe einen Kommentar zum Gerichtsentscheid gegen die US-Musikaustauschbörse Napster, die mit Samstag geschlossen werden muss: Ohne Geld keine Musik (von Uwe

Fischer-Wickenburg) Ausgabe vom 28.7.2000

Wien (OTS) - 3z, Die Musikindustrie jubelt: Ein US-Gericht verurteilte die Firma Napster dazu, ihren Dienst einzustellen:
Internetanwender können deren Technologie nicht mehr zum illegalen Tausch von geschützten Musiktiteln missbrauchen.

Das Urteil erinnert an den Tropfen auf dem heißen Stein: Napster war zwar die einfachste Möglichkeit, Musik aus dem Internet zu laden, bei weitem aber nicht die einzige. In den finstersten Winkeln des Netzes, wo auch Hardcore-Pornos, gestohlene Software und Hacker-Werkzeuge gehandelt werden, findet der Surfer nach wie vor alles, was sein Herz begehrt, und mit der neuen Technologie "Gnutella" entsteht gerade eine neue Community von Internetanwendern, die ihre Computer offenherzig anderen, gleich gesinnten Usern öffnen. Gnutella ist zwar schwieriger zu bedienen als Napster, dafür aber auch flexibler: Immerhin kann man mit dieser Technik nicht nur Musik, sondern alle Arten von Computerdaten austauschen, also Software ebenso wie Bilder oder Videos. Der größte Unterschied zu Napster ist aber, dass es keine Firma oder Organisation im Hintergrund gibt, die man zur Verantwortung ziehen könnte.

Die Unterhaltungsindustrie ist von einer Lösung ihrer Probleme weiter entfernt denn je. Es ist unumstritten, dass es viel Geld kostet, Musik zu vermarkten, und allein mit dem Verkauf von eigentlich veralteten Tonträgern lassen sich im vernetzten Zeitalter die Kosten wohl nicht mehr lange decken. Doch ohne Marketingmaschinerie würde auch der beste Künstler unbekannt und unbedankt sein Dasein fristen, sei es physisch in einem Vorstadtbeisl oder virtuell auf einer Website mit drei Zugriffen pro Monat. Netz-Community und Musikindustrie müssten miteinander statt gegeneinander agieren - in beiderseitigem Interesse, denn: ohne Geld ka Musi.

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