• 12.07.2000, 12:37:36
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Jelinek: Scharfer Protest gegen Schlingensief-Ausladung und Avantgarde-Abbau bei den Salzburger Festspielen

Vorausmeldung zu NEWS 28/00 vom 13. Juli 2000

Wien (OTS) - Die Autorin Elfriede Jelinek, vor zwei Jahren "Author
in Residence" bei den Salzburger Festspielen, protestiert in der
morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS scharf gegen die
Ausladung des Aktionisten Christoph Schlingensief durch die
Festspiele. Schlingensief - sein Container vor der Wiener Staatsoper
erregte überregionales Aufsehen - hatte nach eigener Aussage mit der
Festspielleitung ein Regierungskritisches Projekt vorbesprochen,
wurde aber vor etwa zwei Monaten wieder ausgeladen.

Jelinek: "Ich begreife diese Ausladung nicht. Mortier geht doch in
zwei Jahren und hat nichts mehr zu verlieren - gerade deshalb sollte
er alles unterstützen, was diese Regierung künstlerisch infrage
stellt. Ich flehe ihn an, Schlingensief nach Salzburg einzuladen."

In Salzburg schließt man nach wie vor nicht aus, dass sich
Schlingensief mit einer festspiel-unabhängigen Aktion in der Altstadt
einfinden könnte. Ähnliches vermutet auch Schlingensiefs Freund, der
Regisseur Hans Kresnik. Für diesen Fall aber stellt Bürgermeister
Heinz Schaden (SP) behördliche Schwierigkeiten in Aussicht: "Das
Genehmigungsverfahren ist bei uns viel restriktiver als in Wien.
Speziell zur Festspielzeit ist die Chance, so eine Genehmigung zu
bekommen, ganz, ganz gering."

Dazu Elfriede Jelinek: "Das grenzt für mich an Zensur. So
niveaulos die Reaktionen in Wien waren - Schlingensiefs
Container-Aktion hat dort immerhin stattgefunden. Hier aber
verhindert man das Projekt gleich in vorauseilendem Gehorsam."

Scharfe Kritik äußert Elfriede Jelinek auch an der budgetbedingten
Einsparung von Avantgarde-Projekten im nächsten Salzburger
Festspiel-Sommer. "Mir scheint all das programmatisch. Nicht zufällig
wird im Sommer 2001 das einzige künstlerisch spannende Ereignis,
Lachenmanns "Mädchen mit den Schwefelhölzern", eingespart. Man sieht
den Weg schon vorgezeichnet: Die Avantgarde soll in Salzburg
abgeschafft werden - ein hoch politischer Vorgang."

Rückfragehinweis: Sekretariat NEWS-Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 103

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