Jelinek: Scharfer Protest gegen Schlingensief-Ausladung und Avantgarde-Abbau bei den Salzburger Festspielen

Vorausmeldung zu NEWS 28/00 vom 13. Juli 2000

Wien (OTS) - Die Autorin Elfriede Jelinek, vor zwei Jahren "Author in Residence" bei den Salzburger Festspielen, protestiert in der morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS scharf gegen die Ausladung des Aktionisten Christoph Schlingensief durch die Festspiele. Schlingensief - sein Container vor der Wiener Staatsoper erregte überregionales Aufsehen - hatte nach eigener Aussage mit der Festspielleitung ein Regierungskritisches Projekt vorbesprochen, wurde aber vor etwa zwei Monaten wieder ausgeladen.

Jelinek: "Ich begreife diese Ausladung nicht. Mortier geht doch in zwei Jahren und hat nichts mehr zu verlieren - gerade deshalb sollte er alles unterstützen, was diese Regierung künstlerisch infrage stellt. Ich flehe ihn an, Schlingensief nach Salzburg einzuladen."

In Salzburg schließt man nach wie vor nicht aus, dass sich Schlingensief mit einer festspiel-unabhängigen Aktion in der Altstadt einfinden könnte. Ähnliches vermutet auch Schlingensiefs Freund, der Regisseur Hans Kresnik. Für diesen Fall aber stellt Bürgermeister Heinz Schaden (SP) behördliche Schwierigkeiten in Aussicht: "Das Genehmigungsverfahren ist bei uns viel restriktiver als in Wien. Speziell zur Festspielzeit ist die Chance, so eine Genehmigung zu bekommen, ganz, ganz gering."

Dazu Elfriede Jelinek: "Das grenzt für mich an Zensur. So niveaulos die Reaktionen in Wien waren - Schlingensiefs Container-Aktion hat dort immerhin stattgefunden. Hier aber verhindert man das Projekt gleich in vorauseilendem Gehorsam."

Scharfe Kritik äußert Elfriede Jelinek auch an der budgetbedingten Einsparung von Avantgarde-Projekten im nächsten Salzburger Festspiel-Sommer. "Mir scheint all das programmatisch. Nicht zufällig wird im Sommer 2001 das einzige künstlerisch spannende Ereignis, Lachenmanns "Mädchen mit den Schwefelhölzern", eingespart. Man sieht den Weg schon vorgezeichnet: Die Avantgarde soll in Salzburg abgeschafft werden - ein hoch politischer Vorgang."

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