KMSfB: Kultureller Kahlschlag findet statt!

Hunderte Arbeitsplätze im Kulturbereich sind massiv bedroht

Wien (KMSfB/ÖGB). Im März frohlockte, so hielt heute die Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB) fest, Staatssekretär Morak über das Kunstbudget, das mit Kürzungen von rund 50 Millionen einigermaßen erträglich schien. ”Ein kulturpolitischer Kahlschlag findet nicht statt”, hieß es damals. Jetzt ist das genaue Gegenteil eingetreten: Die ”Zuschüsse zur Theaterführung” an die Länder und Gemeinden sollen ersatzlos gestrichen werden. Drüberfahren und streichen ist die Devise dieser Kulturpolitik mit dem Rotstift.++++

Die FPÖ-Kultursprecherin Povysil: ”Die Theater in den Ländern werden nicht umhin können, ihre Wirtschaftlichkeit zu überdenken”. ”Es ist eine gefährliche und existenzbedrohende Aktion, damit entzieht man den Städte- und Länderbühnen die Lebensgrundlagen”, reagierte Ernst Körmer, Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe erbost auf diese Absicht der Bundesregierung.

Für das ”Kulturland Österreich” wären dramatische Auswirkungen absehbar:
Der Finanzminister will sich 296 Millionen Schilling ersparen. Geld, das durch Umwegrentabilität (Zulieferfirmen, Gaststätten, Hotels, Steueraufkommen, Sozialversicherungsbeiträge, etc.) mehr als zurückfließt. Diese Maßnahme würde für einige Theater das unwiderrufliche ”Aus” bedeuten. Betroffen wären aber auch rund 2000 Arbeitsplätze.

Im Salzburger Landestheater bangen 240 Mitarbeiter und deren Familien um die Arbeitsplätze. Prof. Mag. Alfred Bürgschwendtner, Vorsitzender der KMSfB Salzburg: ”Beabsichtigte Kulturkahlschläge in Gemeinden und Ländern zerstören gut geführte Kultur- und Theater-Strukturen und schädigen das Ansehen Österreichs weit über seine Grenzen hinaus!”

Im Stadttheater Klagenfurt wären rund 250 Mitarbeiter betroffen. Die Gewerkschaft hat deswegen den Landeshauptmann aufgefordert, diesen Absichten des Finanzministers eine klare Absage zu erteilen. Der Landesvorsitzende der KMSfB, Ernst Primosch: ”Dies käme einem kulturellen Kahlschlag gleich und muss schärfstens zurückgewiesen werden. Für Kärnten würde eine Verwirklichung dieser Absicht das Aus für den Klagenfurter Theaterbetrieb bedeuten.”

In der steirischen Landeshauptstadt wären durch die Schließung des Schauspielhauses bzw. die Auflösung des Grazer Philharmonischen Orchesters mindestens an die 100 Arbeitsplätze gefährdet. Walter Tomaschitz, Landesvorsitzender der Veranstaltungstechniker: ”Nicht nur Arbeitsplätze wären sofort verloren und damit die Zukunft der Mitarbeiter und ihrer Familien, auch der Ruf der zukünftigen europäischen Kulturhauptstadt Graz wäre beim Teufel!”.

Auch in den renommierten Spielstätten Tirols und Oberösterreichs soll der Rotstift angesetzt werden: ”340 Arbeitsplätze sind gefährdet. Schon jetzt sind die Einkommen am unteren Limit. 85 Prozent der Beschäftigten verdienen weniger als 17.000 Schilling”, gibt der Tiroler Bühnen-Landesvorsitzende Roman Krivsky seiner Empörung Ausdruck.
Der Vorsitzende Oberösterreichs, der Musiker Reinhard Pirstinger:
”Gerade in der jetzigen Aufbruchsphase des Landestheaters Linz (z.B. Musiktheaterneubau) würde die Einstellung der Bundeszuschüsse verheerende Folgen haben. Rund 490 Beschäftigten samt ihren Familien und vielen weiteren Beschäftigten im Wirtschafts- und Tourismusbereich würde die Existenz entzogen. Der Schaden, welcher der kulturellen Vielfalt zugefügt würde, ließe sich ohnehin nicht in Zahlen fassen”.

ÖGB, 6. Juli 2000
Nr. 610

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