- 06.07.2000, 15:52:30
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KMSfB: Kultureller Kahlschlag findet statt!
Hunderte Arbeitsplätze im Kulturbereich sind massiv bedroht
Wien (KMSfB/ÖGB). Im März frohlockte, so hielt heute die
Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB) fest,
Staatssekretär Morak über das Kunstbudget, das mit Kürzungen von rund
50 Millionen einigermaßen erträglich schien. ”Ein kulturpolitischer
Kahlschlag findet nicht statt”, hieß es damals. Jetzt ist das genaue
Gegenteil eingetreten: Die ”Zuschüsse zur Theaterführung” an die
Länder und Gemeinden sollen ersatzlos gestrichen werden. Drüberfahren
und streichen ist die Devise dieser Kulturpolitik mit dem
Rotstift.++++
Die FPÖ-Kultursprecherin Povysil: ”Die Theater in den Ländern
werden nicht umhin können, ihre Wirtschaftlichkeit zu überdenken”.
”Es ist eine gefährliche und existenzbedrohende Aktion, damit
entzieht man den Städte- und Länderbühnen die Lebensgrundlagen”,
reagierte Ernst Körmer, Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst, Medien,
Sport, freie Berufe erbost auf diese Absicht der Bundesregierung.
Für das ”Kulturland Österreich” wären dramatische Auswirkungen
absehbar:
Der Finanzminister will sich 296 Millionen Schilling ersparen. Geld,
das durch Umwegrentabilität (Zulieferfirmen, Gaststätten, Hotels,
Steueraufkommen, Sozialversicherungsbeiträge, etc.) mehr als
zurückfließt. Diese Maßnahme würde für einige Theater das
unwiderrufliche ”Aus” bedeuten. Betroffen wären aber auch rund 2000
Arbeitsplätze.
Im Salzburger Landestheater bangen 240 Mitarbeiter und deren
Familien um die Arbeitsplätze. Prof. Mag. Alfred Bürgschwendtner,
Vorsitzender der KMSfB Salzburg: ”Beabsichtigte Kulturkahlschläge in
Gemeinden und Ländern zerstören gut geführte Kultur- und
Theater-Strukturen und schädigen das Ansehen Österreichs weit über
seine Grenzen hinaus!”
Im Stadttheater Klagenfurt wären rund 250 Mitarbeiter betroffen.
Die Gewerkschaft hat deswegen den Landeshauptmann aufgefordert,
diesen Absichten des Finanzministers eine klare Absage zu erteilen.
Der Landesvorsitzende der KMSfB, Ernst Primosch: ”Dies käme einem
kulturellen Kahlschlag gleich und muss schärfstens zurückgewiesen
werden. Für Kärnten würde eine Verwirklichung dieser Absicht das Aus
für den Klagenfurter Theaterbetrieb bedeuten.”
In der steirischen Landeshauptstadt wären durch die Schließung des
Schauspielhauses bzw. die Auflösung des Grazer Philharmonischen
Orchesters mindestens an die 100 Arbeitsplätze gefährdet. Walter
Tomaschitz, Landesvorsitzender der Veranstaltungstechniker: ”Nicht
nur Arbeitsplätze wären sofort verloren und damit die Zukunft der
Mitarbeiter und ihrer Familien, auch der Ruf der zukünftigen
europäischen Kulturhauptstadt Graz wäre beim Teufel!”.
Auch in den renommierten Spielstätten Tirols und Oberösterreichs
soll der Rotstift angesetzt werden: ”340 Arbeitsplätze sind
gefährdet. Schon jetzt sind die Einkommen am unteren Limit. 85
Prozent der Beschäftigten verdienen weniger als 17.000 Schilling”,
gibt der Tiroler Bühnen-Landesvorsitzende Roman Krivsky seiner
Empörung Ausdruck.
Der Vorsitzende Oberösterreichs, der Musiker Reinhard Pirstinger:
”Gerade in der jetzigen Aufbruchsphase des Landestheaters Linz (z.B.
Musiktheaterneubau) würde die Einstellung der Bundeszuschüsse
verheerende Folgen haben. Rund 490 Beschäftigten samt ihren Familien
und vielen weiteren Beschäftigten im Wirtschafts- und
Tourismusbereich würde die Existenz entzogen. Der Schaden, welcher
der kulturellen Vielfalt zugefügt würde, ließe sich ohnehin nicht in
Zahlen fassen”.
ÖGB, 6. Juli 2000
Nr. 610
Rückfragehinweis: Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe
Thomas Linzbauer
Tel.: (01) 313 16 /83802
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