BÖP: "Selbstbehalt auf Leistungen der Psychologen ist verfassungswidrig."

Der gestern beschlossene 20-prozentige Selbstbehalt auf psychologische Diagnosen bringt nicht nur kaum Einsparungen, er ist vermutlich auch verfassungswidrig, sagt Senta Feselmayer, Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer Psychologen (BÖP).

Wien (OTS - Im Rahmen des Sozialrechtsänderungsgesetzes beschloss Koalitionsregierung gestern unter anderem auch einen 20-prozentigen Selbstbehalt auf die diagnostischen Leistungen von Klinischen Psychologen. Dieser Selbstbehalt wird vom Berufsverband Österreichischer Psychologen (BÖP) scharf kritisiert.

"Dieser Selbstbehalt auf psychologische Leistungen ist verfassungswidrig", sagt Senta Feselmayer, Präsidentin des BÖP. Psychologische Leistungen sind gesetzlich (§135 Abs 1 ASVG) der ärztlichen Hilfe gleichgestellt. "Da es auch für ärztliche Leistungen keinerlei Selbstbehalt gibt, hätte ein Selbstbehalt für psychologische Leistungen sachlich begründet werden müssen," erklärt Feselmayer. Eine solche sachliche Begründung sei aber nicht erfolgt, daher verstoße der Selbstbehalt gegen den Gleichheitsgrundsatz der österreichischen Verfassung.

Außerdem seien durch die Einführung eines Selbstbehaltes auf den Psychologenbesuch auch kaum Einnahmen bzw. Einsparungen für die Sozialversicherungen zu erwarten. Im Vorjahr erhielten die 72 Vertragspsychologen von den Sozialversicherungen 15 Millionen Schilling für diagnostische Leistungen. Die Einnahmen aus dem Selbstbehalt würden also drei Millionen Schilling jährlich betragen, von denen natürlich noch der Verwaltungsaufwand abgezogen werden muss. "Diese geringen Einsparungen rechtfertigen auf keinen Fall die negativen gesundheitspolitischen Auswirkungen", sagt Feselmayer.

Die diagnostischen Leistungen der Psychologen können sogar dabei helfen, dem Gesundheitssystem Kosten zu ersparen, ist Feselmayer überzeugt. "Eine von einem klinischen Psychologen erstellte Diagnose erleichtert eine allfällig notwendige, weitere ärztliche Behandlung und hilft so, Kosten einzusparen", ergänzt Feselmayer. Gerade bei chronischen Erkrankungen ließen sich durch eine psychologische Diagnose viele Überweisungen von einem Arzt zum nächsten ersparen. "Damit verhindert eine psychologische Diagnose oft die sinnlose Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen und spart dadurch Kosten."

Kinder und sozial Schwache betroffen. "Der Selbstbehalt schadet in erster Linie sozial Bedürftigen und Familien mit Kindern", sagt Feselmayer. Ein großer Teil der Leistungen von Psychologen wird von Kindern in Anspruch genommenen, da die Kinderärzte ihre Patienten ohne Umweg über den Chefarzt direkt an die Psychologen überweisen dürfen. "Es sind also die sozial Schwächsten vom Selbstbehalt betroffen", kritisiert Feselmayer.

Der Berufsverband Österreichischer Psychologen kritisiert aber auch die Vorgangsweise der Bundesregierung bei der Einführung des Selbstbehaltes. In den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf wurden die Änderungen, die den Berufstand der Klinischen Psychologen betreffen, mit keinem Wort angekündigt. "Möglicherweise wollte man uns mit dieser Vorgangsweise überrumpeln", meint Feselmayer.

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