Wirtschaftskammer Salzburg nimmt zur geplanten Europark-Erweiterung Stellung:Neue "Salzburger Autobahn-Einkaufsmeile" höchst problematisch

- Eine Richtungsentscheidung für die Landesregierung!

Salzburg, 5. Juli 2000/WK Sbg. Der Beschluss, ob es zu einer Zustimmung der Landesregierung zur Erweiterung des Europarks kommt, ist nach Ansicht der Wirtschaftskammer Salzburg eine fundamentale Richtungsentscheidung über die zukünftige Wirtschaftsstruktur des Bundeslandes. "Durch die Europark-Erweiterung entsteht allein an diesem einen Standort an der Peripherie nahezu so viel Verkaufsfläche wie in der Salzburger Innenstadt. Die Erweiterung hätte für die gesamte Handels- und Wirtschaftsstruktur des Bundeslandes gravierende Auswirkungen", erklärt Wirtschaftskammerpräsident Komm.-Rat Rainhardt Buemberger. <p>
Eine Entscheidung für die Erweiterung bedeutet das "Ja" zur Schaffung eines neuen künstlichen Salzburger Stadtzentrums. Zusammen mit den anderen Einkaufszentren an der Autobahn vom Airportcenter bis nach Eugendorf wird die Entstehung einer "Salzburger Autobahn-Einkaufsmeile" forciert, die durch enorme Kaufkraftabflüsse aus dem gesamten Bundesland gewachsene Orts- und Stadtzentren gefährdet. <p>
Die WK Salzburg zeigt mit folgenden Fakten aus ihrer Stellungnahme die enorme Tragweite der bevorstehenden Entscheidung des Landes auf:
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A) Verkehrsaufkommen wird unterschätzt - Periodische Staus befürchtet Insgesamt unterschätzt das Verkehrsgutachten (AXIS Ingenieurleistungen GmbH) nach Ansicht der WK Salzburg das tatsächliche Verkehrsaufkommen.
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So ist zu berücksichtigen, dass nicht nur der Europark, sondern auch das Airportcenter sowie die "Großmarkt-Landschaft" in Eugendorf zu den gleichen Zeiten wie der Europark Verkehr verursacht, zu einer tatsächlichen Haupteinkaufszeit von 17.00 bis 19.00 Uhr, die im Gutachten unrichtig angesetzt wird. Zusammen mit der Ballung an Infrastruktureinrichtungen (Stadion, Spaßbad) und dem Liefer- und Personenverkehr zum/vom neuen Industriegebiet Schwarzenbergkaserne ist zu befürchten, dass die Aufnahmefähigkeit der Westautobahn, die ohnehin schon eine der dichtest befahrenen Strecken ist, schon bald ihre Grenzen erreicht.
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B) Überangebot an Verkaufsflächen wird weiter vergrößert <p>
- Europark erreicht Größe der Innenstadt<p>
Der Europark (derzeit 23.000 m2) soll um eine zusätzliche Verkaufsfläche von 35.000 m2 (davon 20.000 m2 in der Kategorie Bau-, Möbel- und Gartenmarkt und 15.000 m2 in der Kategorie Einkaufszentren) erweitert werden. Damit würde der Europark allein insgesamt über 58.000 m2 und damit fast die Einkaufsfläche der gesamten Salzburger Innenstadt (60.000 m2) erreichen.
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- Noch mehr Verkaufsfläche pro Einwohner!<p>
Bereits jetzt ist aber im Salzburger Zentralraum ein eklatantes Übergewicht an Verkaufsfläche gegeben. Ein Wert von 2,0 bis 2,2 m2 Verkaufsfläche pro Einwohner wird in der wissenschaftlichen Literatur für Stadtregionen (Stadt und Umlandregionen) als raumordnerisch verträglich angegeben. Auf den Großraum Salzburg bezogen liegt der Wert der Einkaufsfläche pro Einwohner aber schon vor der Europark-Erweiterung bei 2,84 m2, nach der Erweiterung bei 3,04 m2!<p>
- Kaufkraftabschöpfung geht zu Lasten des gesamten Handels<p> Legt man die vom Amt der Salzburger Landesregierung erarbeiteten Beurteilungsrichtlinien für Handelsgroßbetriebe an, wird ebenfalls die Überdimensionierung des Projektes deutlich. In diesen Richtlinien wird bei einer "Abschöpfungsquote" (Umsatz, der durch das jeweilige EKZ von bestehenden Handelsbetrieben abgezogen wird) von über 5% eine wesentliche Beeinträchtigung der Salzburger Handelsstruktur angenommen. Umgelegt auf die geplanten Flächen ergibt sich jedoch eine Abschöpfungsquote der Europark-Erweiterung im Bereich Fachmärkte/Einkaufszentren von 20%, bei Bau-, Möbel- und Gartenmärkten um die 24%, d. h., ein zukünftig erweiterter Europark zieht um das Vier- bis Fünffache mehr Umsatz ab, als es für die Weiterexistenz der übrigen Handelsstruktur noch verträglich wäre. <p>
- 35 bis 40% des konsumnahen Einzelhandelsumsatzes des gesamten Bundeslandes fließen in die "Autobahn-Einkaufsmeile"<p>
Um ein realistisches Bild der Kaufkraftabschöpfung zu erhalten, muss auch der massive Agglomerationseffekt berücksichtigt werden, der mit der Europark-Erweiterung wesentlich verstärkten "Autobahn-Einkaufsmeile" vom Airportcenter über den Europark bis zu den Möbelmärkten in Eugendorf entsteht.
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Die Ballung an Einkaufsfläche im Europark, Airportcenter und Eugendorf bindet bereits jetzt eine Kaufkraft von rd. 5 Mrd. S. Dies sind im Verhältnis zu den 20 Mrd. S an Umsätzen im konsumnahen Einzelhandel (ohne Versandhandel, Kfz-Handel, Brennstoff- und Treibstoffhandel) schon jetzt 25% der Kaufkraft des Landes Salzburg. Durch die Europark-Erweiterung (3,3 Mrd. S an zusätzlicher Kaufkraftabschöpfung) und unter Berücksichtigung des Kaufkraftzuflusses aus Bayern wären an der "Autobahn-Einkaufsmeile" letztlich 35 bis 40% des gesamten konsumnahen Einzelhandels des Bundeslandes Salzburg gebunden.
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C) Raumordnungsrechtliche Bedenken<p>
Eine Umwidmung der gegenständlichen Fläche als "Gebiet für Handelsgroßbetriebe" würde nicht nur den Raumordnungszielen und Grundsätzen des ROG, sondern auch dem von der Stadt Salzburg selbst beschlossenen Flächenwidmungsplan und dem REK widersprechen. Bedenken bestehen bei der WK Salzburg auch zum Gutachten der Firma Standort+Markt (Jänner und April 2000), das im Auftrag der Stadt Salzburg erstellt wurde. Aufgrund unrichtiger Annahmen wird der Kaufkraftzufluss aus Bayern in Richtung Europark wesentlich überschätzt, die Auswirkungen auf die regionale Handelsstruktur im Zentralraum Salzburg dafür drastisch unterschätzt (Prof. Schnedlitz, Wirtschafts-UNI Wien, Mai 2000).
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Die Folge: die Ortszentren veröden!<p>
"Die Wirtschaftskammer Salzburg hofft, dass die Entscheidung für die Beibehaltung der bestehenden Zentrums-Strukturen in Stadt und Land erfolgt und gegen den weiteren Ausbau einer Einheits-Handelsstruktur", stellt WK-Präsident Buemberger abschließend fest. Verödete Orts- und Stadtzentren ohne attraktives Angebot im Handel üben sicher keine Anziehungskraft auf Touristen aus. Sehr schnell würden sich somit über den Handel hinaus Auswirkungen auch auf andere Branchen wie den Tourismus, aber auch das Gewerbe ergeben.

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