ÖGB-Frauen: Regierung stellt Bildungsfalle für Frauen auf

Jungen Frauen wird Chance auf gute Ausbildung genommen

Wien (ÖGB). Die ÖGB-Frauen warnen vor Rückschritten und Benachteiligungen von Mädchen und Frauen durch den Initiativantrag zur Änderung des Berufsbildungs- und des Jugendausbildungs-Sicherungsgesetzes (JASG): "Mit dem Abschaffen von Stiftungen und Lehrgängen wird jungen Frauen die Chance auf eine gute Ausbildung genommen", kritisierte ÖGB-Bundesfrauensekretärin Bettina Agathonos-Mähr.++++

Aufgrund der Maßnahmen des 1997 eingeführten Jugendausbildungs-Sicherungsgesetzes (JASG) haben Mädchen und Frauen bessere Chancen auf Zugang zu Lehren und Weiterbildungsmaßnahmen -diese Möglichkeit will die Regierung jetzt beseitigen, so die ÖGB-Bundesfrauensekretärin. Sie verwies darauf, dass mehr weibliche (56 bis 60 Prozent) als männliche Jugendliche Lehrstellen suchen. Genommen werden aber bevorzugt männliche Jugendliche. Bei regulären Lehrstellen liegt daher der Mädchenanteil bei nur 35 Prozent.

Österreich liegt sowohl im EU- als auch im OECD-Durchschnitt unter den Spitzenreitern der Länder, in denen Mädchen und Frauen zwischen 15 und 24 Jahren keine weitere Ausbildung absolvieren. Der NAP beinhaltet das Ziel, Mädchen stärker zu berücksichtigen, hielt Agathonos-Mähr fest und betonte zudem, dass die Stiftungen und Lehrgänge des JASG einen hohen kompensatorischen Charakter haben.

Das Verhältnis der Teilnahme in den Maßnahmen 1998/99 war bei den Lehrgängen: 63 Prozent Mädchen und 37 Prozent Burschen und bei den Stiftungen 54 Prozent Mädchen und 46 Prozent Burschen. Agathonos-Mähr warnte davor, dass die Regierung jungen Frauen die Chance auf eine gute Ausbildung nimmt, wenn sie diese Stiftungen abschafft.

Zudem birgt die Verlängerung der Vorlehre und die Willkür, mit der ein Betrieb festlegen kann, wann es sich um einen benachteiligten Jugendlichen handelt, große Gefahren: "Nachdem junge Mädchen ohnehin benachteilgt werden, könnte dies dazu führen, dass ein Mädchen bereit ist, drei Jahre lang eine Vorlehre in einem Betrieb zu absolvieren, dafür die Lehrlingsentschädigung des ersten Jahres erhält und ihr nur ein halbes Jahr für ihre Lehre angerechnet wird", so Agathonos-Mähr. Darüber hinaus gibt es keinerlei Verpflichtung für den Betrieb, ihr danach die Möglichkeit für eine Lehre zu bieten. Die ÖGB-Bundesfrauensekretärin sieht darin eine neue Form der Ausbeutung und eine Bildungsfalle - vor allem für junge Mädchen.

ÖGB, 4. Juli 2000
Nr. 593

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